Das E-Rezept kommt

Headergrafik eRezept

Ärzte dürfen heute ihre Patienten auch ohne persönlichen Kontakt fernbehandeln, beispielsweise via Videosprechstunde. Etwaige Rezepte müssen Ärzte allerdings noch immer ausschließlich auf Papier ausstellen. In dieser Form ergibt die Telemedizin wenig Sinn. Das soll sich mit einem neuen Gesetz ändern. Es soll auch elektronische Rezepte (E-Rezepte) erlauben. Ein Überblick.

Telemedizin braucht E-Rezepte

Durch Videosprechstunden sollen sich Patienten den Weg zu ihrem Arzt sparen. Müssen sie anschließend jedoch zur Arztpraxis gehen, um ein Rezept auf Papier abzuholen, ist der Digitalvorteil dahin. Das hat auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erkannt und das Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) auf den Weg gebracht. Demnach sollen Ärzte künftig auch elektronische Verordnungen, sprich E-Rezepte, ausstellen dürfen.

Der Weg zur elektronischen Verordnung

Das könnte dann so aussehen: In der ersten Ausbaustufe gibt der Patient dem Arzt an, bei welcher Apotheke das Rezept eingelöst werden soll. Der Arzt stellt eine elektronische Verordnung aus, versieht sie mit dem öffentlichen Schlüssel dieser Apotheke und speichert das E-Rezept verschlüsselt auf einem Rezeptserver. Der Apotheker holt sich die Verordnung dort mithilfe seiner digitalen Identität ab, die er spätestens seit der Umsetzung der europäischen Fälschungsschutzrichtlinie und dem Start des securPharm-Systems besitzt. In zukünftigen Versionen könnte auf die Festlegung der Apotheke verzichtet werden, um mehr Flexibilität zu ermöglichen. Die technischen Standards für das E-Rezept sollen laut GSAV von der gematik bis zum 30. Juni 2020 verbindlich festgelegt werden.

Vorteile des E-Rezepts

Das GSAV soll Ärzte, Apotheker und Patienten gleichermaßen zeitlich entlasten. Weitere erhoffte Vorteile: Das papierlose Digitalrezept soll mehr Sicherheit bringen – indem Wechselwirkungen von Medikamenten schneller erkannt sowie Fälschungen erschwert werden. Zudem soll die elektronische Verordnung Innovationen in der telemedizinischen Behandlung ermöglichen. Auch finanziell ist die elektronische Verordnung attraktiv: Die Unternehmensberatung McKinsey hat errechnet, dass die Einführung des Digitalrezepts zu jährlichen Einsparungen von rund 900 Millionen Euro führen könnte1

Das mit dem GSAV eingeführte elektronische Rezept wird die medizinische Versorgung zusammen mit der elektronischen Patientenakte stark digitalisieren.
Professor Karl Lauterbach, stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender im Bundestag

Gesetze müssen geändert werden

Im Januar 2019 hat das Bundeskabinett dem Gesetzentwurf zugestimmt. Derzeit durchläuft er das parlamentarische Verfahren und soll voraussichtlich am 1. Juli 2019 in Kraft treten. Damit die Ärzte künftig Arzneimittel auch elektronisch verordnen können, müssen noch einige Gesetze umgeschrieben werden. Denn aktuell gilt für Ärzte beispielsweise noch ein Zuweisungsverbot an Apotheken. Auch stehen der Verwendung des E-Rezepts noch Regelungen in den Verträgen der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen entgegen. So basieren etwa die Rahmenverträge zwischen dem GKV-Spitzenverband und den Spitzenorganisationen der Apotheker sowie die Arzneimittelabrechnungsvereinbarungen darauf, dass die klassischen Verordnungsblätter in Papierform vorliegen. Entsprechend soll laut Gesetzentwurf die Selbstverwaltung die notwendigen Voraussetzungen für Digitalrezepte schaffen. Laut Entwurf sind damit Rechts- und Verfahrensvorgaben gemeint, die bei Verwendung von E-Rezepten eingehalten werden müssen. Das soll innerhalb von sieben Monaten nach Inkrafttreten des Gesetzes passieren.

„Letzte digitale Meile“ überbrücken

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) treibt die Digitalisierung im Gesundheitswesen seit seinem Amtsantritt voran. Dabei spielt die elektronische Verordnung eine wichtige Rolle. „Erst das elektronische Rezept macht Telemedizin zu einem Erfolgsprojekt“, sagt Spahn2. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) begrüßt das Vorhaben. Nach dem Einreichen des Papierrezepts seien schon jetzt alle weiteren Schritte digital, sagt ABDA-Präsident Friedemann Schmidt: „Für uns ist das E-Rezept nur die letzte digitale Meile, die noch zu überbrücken ist.3

1 McKinsey Studie "Digitalisierung im Gesundheitswesen"

2 FAZ Artikel "Das Rezept kommt bald auf das Smartphone

3 Zeit Artikel "Direkt aufs Handy: Spahn will bis 2020 digitale Rezepte"

Digitale Transformation

Elektronische Patientenakte

Digitale Transformation

Digitalisierung des Gesundheitswesens: der Patient im Fokus

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens muss Tempo aufnehmen. Gefragt sind nicht nur die richtigen politischen Entscheidungen, sondern auch innovative Technologien. Bundesdruckerei-Experte Patrick von Braunmühl erläutert, warum bei allen Entwicklungen in erster Linie der Patient im Fokus stehen muss.

Digital Arbeiten

Wie digital sind Praxen von Ärzten und Psychotherapeuten?

Wie digital sind deutsche Arzt- und Psychotherapeutenpraxen bereits? Und wo halten die Praxisbetreiber digitalisierte Angebote überhaupt für sinnvoll? Antworten darauf bietet das erstmals erstellte „PraxisBarometer Digitalisierung“ der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Es liefert einen ersten umfassenden Überblick über den Verbreitungsgrad digitaler Anwendungen.