Welche Arten von Künstlicher Intelligenz gibt es und was können sie in der Praxis?
Warum KI nicht gleich KI ist
Der Begriff „Künstliche Intelligenz“ (KI) ist allgegenwärtig und doch oft missverstanden. Denn KI ist kein einheitliches System, sondern ein Sammelbegriff für verschiedenste Technologien, Methoden und Anwendungen. Während manche KI-Modelle eigenständig Texte generieren, können andere nur vordefinierte Antworten liefern. Um Chancen und Risiken sinnvoll bewerten zu können, ist es wichtig, die unterschiedlichen Arten von KI zu kennen.
Gerade in der öffentlichen Verwaltung ist diese Unterscheidung zentral: Nicht jede KI ist für jede Aufgabe geeignet. Nicht jede KI darf rechtlich gesehen eingesetzt werden. Wer KI-Systeme einordnen kann, schafft die Grundlage für informierte Entscheidungen, regulatorische Sicherheit und passgenaue Anwendungen.
Systematische Klassifikation: die vier Typen von KI
Eine gängige Klassifikation unterscheidet vier Arten von Künstlicher Intelligenz – basierend auf ihrem kognitiven Leistungsniveau, also darauf, wie sie lernen, schlussfolgern und verstehen.
Wie funktioniert KI?
Neben der kognitiven Einteilung lässt sich KI auch nach ihrer Funktionsweise oder Komplexität unterscheiden.
Symbolische KI vs. neuronale Netze
Symbolische KI:
basiert auf festen Regeln, logischen Schlussfolgerungen und Wissensdatenbanken (klassisch)
Neuronale Netze:
lernen aus großen Datenmengen, wie das menschliche Gehirn in abstrahierter Form (modern)
Anwendungsrelevanz: Symbolische Systeme eignen sich z. B. für regelkonforme Prozesse (wie Steuerlogik, bei der feste Regeln und Entscheidungen vorgegeben sind), neuronale Netze für unstrukturierte Daten (wie Bilder, Sprache).
Narrow AI vs. General AI
- Narrow AI (Schwache KI): ist auf eine klar umrissene Aufgabe spezialisiert (z. B. Texterkennung)
- General AI (Starke KI): kann verschiedene Aufgaben flexibel lösen, vergleichbar mit menschlicher Intelligenz
Wichtig: Alle aktuell verfügbaren KI-Anwendungen, auch leistungsstarke LLMs, gehören zur Narrow AI. General AI ist bisher theoretisch.
Was ist ein LLM (Large Language Model)?
Ein LLM ist ein KI-System, das auf enormen Textmengen trainiert wurde und in der Lage ist, Sprache zu generieren, zu analysieren und zu verstehen, zumindest statistisch. Beispiele sind GPT-4 und BERT (KI-Modell von Google). Sie gehören zur Typ-2-KI („Limited Memory“) und gelten als leistungsfähige, aber nicht „bewusste“ Werkzeuge. In der Verwaltung können LLMs etwa helfen, Dokumente zu analysieren, Eingaben zu klassifizieren oder Bürgeranfragen automatisiert zu beantworten.
KI und die Bedeutung für die öffentliche Verwaltung
Für Behörden ist es entscheidend, zu verstehen, mit welcher Art von Künstlicher Intelligenz sie zu tun haben. Denn nicht jede KI-Technologie eignet sich für den Einsatz in sensiblen Verwaltungsprozessen und nicht jede ist rechtlich unbedenklich.
- Aktuell kommen in der öffentlichen Verwaltung nahezu ausschließlich KI-Systeme der Kategorie „Begrenzte Erinnerung“ (Typ 2) zum Einsatz. Dazu zählen zum Beispiel Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT. Diese Systeme basieren auf Trainingsdaten aus der Vergangenheit und können daraus Muster erkennen, Vorhersagen treffen oder Texte generieren. Sie sind leistungsfähig, aber nicht bewusst, nicht autonom und nicht „verstehend“.
- Die weiterentwickelten Typen 3 („Theory of Mind“) und 4 („Selbstbewusste KI“) existieren bislang nur als theoretische Konzepte oder langfristige Forschungsideen. Sie sind derzeit nicht marktreif, nicht reguliert und damit für den praktischen Verwaltungsalltag weder relevant noch einsetzbar.
Gerade im Kontext von Regulierungsfragen, etwa durch den EU AI Act, der KI-Systeme in unterschiedliche Risikoklassen einteilt, ist die Einordnung in eine konkrete KI-Kategorie von großer Bedeutung. Sie hilft dabei,
- Risiken realistisch einzuschätzen,
- Anforderungen an Transparenz und Kontrolle zu definieren und
- passende Prüf- und Steuerungsmechanismen zu etablieren.
Wer in der Verwaltung über KI-Anwendungen entscheidet, sollte verstehen, auf welchem Funktionsprinzip das System basiert. Denn nur dann lassen sich Einsatzgrenzen, Risiken und Potenziale fundiert beurteilen und souveräne Entscheidungen treffen.