Digitale Identitäten: Schlüsselthema unserer Gesellschaft

Headergrafik Schlüsselthema unserer Gesellschaft

Digitale Identitäten sind ein Schlüsselthema für unsere Gesellschaft: für Wirtschaft, Verwaltung und jeden Einzelnen. Denn sie sind Grundlage für jeden abgesicherten digitalen Prozess. Worauf es dabei ankommt, erklären Experten der Bundesdruckerei: Walter Landvogt, Frank Dietrich und Dr. Matthias Schwan.

Längst im Alltag angekommen

Netflix-Filme anschauen, in Internetforen mitdiskutieren, im Netz Waren bestellen, von zu Hause aus Geld überweisen oder Flüge buchen: Für vieles, was wir im Privatleben online tun, dienen uns digitale Identitäten als Türöffner. Auch bei der Arbeit kommen unsere digitalen Identitäten täglich zum Einsatz, etwa um Maschinen aus der Ferne zu warten oder uns in eine Teamplattform einzuloggen und dem System zu signalisieren: Ich bin diese Person und bin berechtigt, in dieser Anwendung zu arbeiten.

Auch eine moderne Verwaltung kommt nicht ohne digitale Identitäten aus. Mit dem Onlinezugangsgesetz (OZG), das bis Ende 2022 umzusetzen ist, definiert der Gesetzgeber den Weg zu einer digitalen Verwaltung und erfüllt den Bedarf von Bürgern und Unternehmen an effizienten, komfortablen Behördenleistungen. Die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes wird zu einem weiteren Nachfrageschub im Bereich digitale Identitäten führen. Schließlich muss überprüfbar sein, wer tatsächlich Kindergeld beantragt oder ein Gewerbe anmeldet.

Die Interaktion zwischen Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen mit der Verwaltung soll in Zukunft deutlich schneller, effizienter und nutzerfreundlicher werden.
Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI)

Exponentielles Wachstum

Die Zahl der Anwendungsfelder, in denen digitale Identitäten zum Einsatz kommen, steigt exponentiell an. Umso wichtiger ist es, genau zu prüfen: Ist der Teilnehmer am anderen Ende der Leitung tatsächlich derjenige, der er zu sein vorgibt?

Der Zugangsbereich bei digitalen Systemen entspricht, bildlich gesehen, einer Eingangspforte, an der man sich ausweisen muss. Nur geschieht dies hier in elektronischer Form: etwa über den Personalausweis mit der eID-Funktion, eine Signaturkarte samt Zertifikat, über das Smartphone, die Passworteingabe oder biometrische Merkmale. Bei hohen Sicherheitsanforderungen benötigt man oft auch zwei oder mehr Faktoren. Ohne digitale Identitäten wären viele technische Systeme, wie wir sie heute nutzen, überhaupt nicht denkbar. Digitale Identitäten sind die Grundlage für jeden abgesicherten digitalen Prozess.

Weltweite Entwicklung hin zum mobilen Einsatz

Klassische Identitätsdokumente wie Reisepass, Führerschein oder Personalausweis bleiben von der Digitalisierung nicht unberührt. Viele Dokumente, die wir heute in physischer Form bei uns tragen, dürften in den kommenden Jahren auch auf mobilen Endgeräten verfügbar sein. In einigen Ländern ist die Digitalisierung hoheitlicher Dokumente schon weit fortgeschritten: In Norwegen und dem Kosovo gibt es den digitalen Führerschein schon. Zudem wird auf internationaler Ebene auch an der Standardisierung elektronischer Reisedokumente gearbeitet. Rund um das Stichwort „Digital Travel Credentials“ deuten sich bereits entsprechende Vorhaben an. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Reisenden aus aller Welt mit digitalen Identitätsnachweisen unterwegs sind.

Dafür ist es notwendig, das hohe Schutzniveau der klassischen Personaldokumente, das durch Hologramm, Sicherheitsfaden und Co. erreicht wird, auf elektronische Identitätsverfahren zu übertragen. Mit der eID-Funktion des Personalausweises wurde bereits vor Jahren eine Brücke zur digitalen Nutzung hoheitlicher Dokumente geschlagen. Derzeit arbeitet ein Konsortium unter Führung der Bundesdruckerei im Projekt „OPTIMOS 2.0“ daran, eine Ableitung des Personalausweises auf das Mobiltelefon zu bringen, damit dies für den Identitätsnachweis genutzt werden kann. Dabei bleibt das hoheitliche Originaldokument die zentrale Quelle der Identität und wird bei hohen Sicherheitsanforderungen weiterhin benötigt.

Digitale Identitäten benötigen eine umfassende Infrastruktur

Bei allen Innovationen geht es um mehr als die Digitalisierung einzelner Dokumente. Sichere digitale Identitäten bedürfen einer umfassenden Infrastruktur: Die digitale Identität ist weit mehr als eine App auf dem Telefon. Dahinter steckt ein komplexes Hintergrundsystem, das den gesamten Zyklus sicherer Identitäten abdeckt – von der Personalisierung und Verifikation über die Aktualisierung von Daten bis hin zur Sperrung oder Stilllegung.

Mit technologischer Sicherheit untrennbar verbunden ist das Thema Nutzerfreundlichkeit: Nur wenn der Umgang mit digitalen Identitäten einfach, verständlich und in den Augen der Menschen vertrauenswürdig ist, entsteht aus Sicherheitsmechanismen ein echter Schutz im Alltag. Ein Kriterium, dem unsere Technikexperten besondere Beachtung schenken, ist die Kontrolle, die der Nutzer über seine Daten hat: Jeder soll weitestgehend selbst in der Hand haben, wohin seine persönlichen Daten fließen.

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