Abi digital: So lief der Testlauf für das elektronische Zeugnis

Vater mit Kind lächelnd auf ein Tablet schauend

Das digitale Zeugnis geht in den Praxistest: Nordrhein-Westfalen ist das erste Bundesland, in dem der Testlauf mit dem Prototyp gestartet ist. Das Zeugnis soll so fälschungssicherer werden, der Aufwand für Schüler und Hochschulen geringer. Markus Guhl vom Schulministerium NRW berichtet im Interview über die Ergebnisse des Testlaufs und erklärt, warum das Papierzeugnis trotzdem noch nicht ausgedient hat.

Einfach, sicher, schnell: Darum wird das Zeugnis digital

Deutschlands Bildungswesen muss digitaler werden – so gibt es auch das Onlinezugangsgesetz (OZG) vor. Sachsen-Anhalt ist federführend im Themenfeld Bildung im Rahmen des Onlinezugangsgesetzes und hat das Umsetzungsprojekt „Digitales Schulzeugnis“ ins Leben gerufen. Denn das herkömmliche Zeugnis auf Papier hat viele Nachteile: Es ist leicht zu fälschen und muss für Bewerbungen mühselig kopiert und beglaubigt werden.

Unter der Koordination Sachsen-Anhalts ging in diesem Sommer in Nordrhein-Westfalen erstmals das digitale Abiturzeugnis in den Testbetrieb, das durch den Einsatz der Blockchain-Technologie fälschungssicher ist. Bei der technischen Umsetzung hilft auch die Bundesdruckerei GmbH, die mit ihrem Partner govdigital aktuell eine Lösung zur Erstellung, Sicherung und Überprüfung der digitalen Zeugnisse entwickelt.

Im Interview berichtet Markus Guhl, Mitarbeiter des Schulministeriums NRW im Referat für Informations- und Internettechnik Ministerium und Verwaltung im Schulbereich, welche Erfahrungswerte der Testbetrieb geliefert hat und woran man jetzt noch arbeiten muss.

Herr Guhl, welche Voraussetzungen mussten geschaffen werden, um das digitale Abiturzeugnis überhaupt auf den Weg zu bringen?

Erst einmal hat das Schulministerium gemeinsam mit der Bundesdruckerei GmbH ein Tool entwickelt, das unsere Schulverwaltungssoftware für den Zeugnisdruck an die Erstellung der digitalen Zeugnisse anbindet. Parallel dazu haben wir ein Portal aufgesetzt, über das Schüler ihre Zustimmung zur Erstellung eines digitalen Abiturzeugnisses geben konnten. Eine Auswahl an Gymnasien und Gesamtschulen im Raum Köln, Aachen und Düsseldorf hatte dann die Möglichkeit, ihren Schülern Zugangsdaten für dieses Pilotprojekt zu diesem Portal zukommen zu lassen. Schlussendlich hat eine zweistellige Anzahl von Schulen Zugangsdaten für dieses Pilotprojekt in Anspruch genommen. Das hört sich für das große Bundesland Nordrhein-Westfalen nicht nach übermäßig viel an. Aber es ging uns vor allem um die technische Machbarkeit, weshalb wir dieser relativ kleinen Testgruppe guten Support gewährleisten konnten. 

Und wie sah der eigentliche Testbetrieb dann aus?

Die Schüler konnten sich auf der Webseite des Ministeriums registrieren und mussten dazu einen TAN-Code angeben. So erteilten sie ihr Einverständnis – auch zu einer Nachbefragung. Nun konnte die Schule die Zeugnisse digital erstellen und an die Bundesdruckerei GmbH übertragen. Von dieser bekam die Schule wiederum eine PDF-Datei mit eingebettetem XML sowie einen Zugangscode für die Schüler, die sich mit dem Code ihr digitales Zeugnis herunterladen und damit bei den teilnehmenden Hochschulen bewerben konnten. 

Welche Erfahrungswerte konnten Sie aus dem Testbetrieb ziehen?

Das Fazit ist positiv. Zwar stehen die detaillierten Befragungen der Schulen noch aus, aber schon in der Einführungsphase wurden uns keine schwerwiegenden Probleme rückgemeldet. Alles war telefonisch zu klären: kurze Verständnisprobleme zum Beispiel, die wir durch neue Formulierungen in unseren Begleitpapieren zukünftig vermeiden wollen. Auch dafür war der Testbetrieb wichtig. 

„Unser Ziel war es, nicht nur akademisch zu diskutieren, sondern am wirklich lebenden Objekt zu arbeiten.“
Markus Guhl
Mitarbeiter des Schulministeriums NRW im Referat für Informations- und Internettechnik Ministerium und Verwaltung im Schulbereich

Dann könnte man also sagen, dass der Testbetrieb mit dem Prototyp in NRW ein voller Erfolg war?

Auf jeden Fall. Wir haben das, was wir realisieren wollten, realisiert und mit dem Feldtest des Prototyps die technische Machbarkeit bewiesen. Während des Testlaufs haben wir in direkter Kommunikation zwischen den Programmierern des Ministeriums und den Verantwortlichen auf der Seite der Bundesdruckerei GmbH auf dem kurzen Dienstweg Probleme erkannt und ausgeräumt. Genau das war unser Ziel: nicht nur akademisch zu diskutieren, sondern wirklich am lebenden Objekt zu arbeiten. Ja, aus meiner Sicht war der Testbetrieb nach jetzigem Wissen ein voller Erfolg und er bekräftigt uns darin, diesen Weg weiterzuverfolgen.

Das elektronische Zeugnis ist ein OZG-Projekt und soll so einen Beitrag zur Digitalisierung der Verwaltung leisten – das Bundesland Sachsen-Anhalt betreut das Projekt federführend. Hat das Papierzeugnis dann bald ausgedient?

Anstatt das Papierzeugnis durch ein digitales Abiturzeugnis zu ersetzen, wäre es mein Anliegen, beides nebeneinanderzustellen. Dabei bringt das digitale Zeugnis dann viele Vorteile wie etwa die Online-Einschreibung mit sich. Es gibt aber auch Rechtsnormen, die weiterhin eine Urkunde erfordern. Und ehrlich gesagt: Die Zeugnisverleihung sollte auch weiterhin den feierlichen Höhepunkt einer Schullaufbahn darstellen.

Das Zeugnis in Papierform hat vor allem einen großen Nachteil: Es ist sehr leicht zu fälschen. Welche Sicherheitsfragen ergeben sich bei der digitalen Variante?

Für mich ist hier wichtig, dass die Kette des Vertrauens nicht durchbrochen werden kann. Es muss klar sein, dass sich ein digitales Zeugnis nur auf einem abgesicherten, genehmigten Weg von einer authentifizierten und autorisierten Nutzergemeinde erstellen lässt. Das ist für mich der Kerngedanke der Blockchain-Technologie: dass ich den Teilnehmern und dementsprechend auch dem Produkt vertrauen kann.

Dennoch ist es so, dass die Digitalisierung der Zeugnisse die Echtheitsüberprüfung sehr erleichtert, oder?

Natürlich, unter dem Gesichtspunkt der technischen Überprüfbarkeit ist das so. Juristisch sind wir allerdings noch nicht so weit. Da gilt weiterhin, dass die Urkunde mit Unterschrift und Stempel diejenige ist, die als sicher gilt. Hier wird sich die digitale Realität, wie in anderen Bereichen auch, irgendwann auch in Gesetzestexten wiederfinden.

Bisher ist der Prototyp des digitalen Zeugnisses nur als sogenanntes Minimum Viable Product (MVP) in Nordrhein-Westfalen im Einsatz. Was sind nun die nächsten Schritte, die Sie als Schulministerium in NRW angehen?

Wir würden uns nun gern um die Schulen kümmern, die am bisherigen Feldtest nicht beteiligt waren. Jetzt wissen wir: Die Aufgabenstellung ist technisch beherrschbar und der Erklärungsbedarf bei den Schülern mit hoher Wahrscheinlichkeit gering. Was wir aber noch nicht sagen können, ist, wie sich das ganze System verhält, wenn es mit sehr viel mehr Schülern an den Start geht. Da müssen wir jetzt ran.

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