Schon immer innovativ: Bundesdruckerei-Chronik zeigt Erfindungen und technische Weiterentwicklungen

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Sicherheitsmerkmale in Pass, Geld und Briefmarke – eine kleine Zeitreise. Reisepässe, Banknoten und Briefmarken gibt es seit gefühlt ewigen Zeiten. Ihre Herstellungstechniken und Sicherheitsmerkmale indes haben sich bis heute stark verändert. Ein Überblick.

Der Reisepass – vom preußischen Großformat zum Sicherheits-Chip

Schon die preußischen Reisepässe aus dem 19. Jahrhundert waren individualisiert. Allerdings sahen sie – anders als heute – nicht alle gleich aus. Die großformatigen Papiere unterschieden sich je nach Gesellschaftszugehörigkeit der Inhaber. So war der Pass eines Reichsabgesandten mit mehr Sicherheitsmerkmalen versehen als der eines einfachen Wandergesellen. Was alle Pässe gemeinsam hatten: Sie trugen die persönlichen Daten des Inhabers, eine Beschreibung seiner äußerlichen Merkmale sowie seine Unterschrift. So wie heute gab es schon damals eine individuelle Nummerierung, ein Wasserzeichen und ein Wappen. Die Nummerierung ermöglichte einen Abgleich mit dem „Paß-Journal“ der ausstellenden Behörden. Das war eine Art Personenregister, in dem alle Passinhaber mit Signalement verzeichnet waren.

Chronik Reisepass

Reisepass eines Wandergesellen aus dem Jahr 1857

Auch die aktuelle Generation deutscher Reisepässe verfügt über persönliche Daten und die Unterschrift des Inhabers sowie eine Nummerierung. Das biometrische Passbild ersetzt die Angaben zu äußerlichen Merkmalen. Heute werden für ein Plus an Sicherheit Name und Vorname am rechten Rand des Bilds fühlbar in das Dokument gelasert. Das Wasserzeichen wurde über die Jahrzehnte vielfach weiterentwickelt. Heute ist bei durchscheinendem Licht im Papier der Passkarte ein mehrstufiges Wasserzeichen zu erkennen: stilisierte Adler, die über die Fläche verteilt sind.

Deutscher Reisepass

elektronischer Reisepass

Verändert hat sich auch die Nummerierung. Seit 2007 haben deutsche Reisepässe eine aus Ziffern und Buchstaben bestehende Seriennummer. Sie setzt sich aus einer Behördenkennzahl sowie einer zufälligen, fünfstelligen alphanumerischen Passnummer zusammen. Eines der wichtigsten heutigen Sicherheitsmerkmale ist das Identigram®. Es gibt Teile der Passkarte holografisch wieder: neben dem Bundesadler auch das Lichtbild des Dokumenteninhabers in stilisierter Form sowie die maschinenlesbare Zone.

Seit 2005 ist der Pass mit einem Sicherheits-Chip in der Passdecke ausgestattet, auf dem die biometrischen Daten des Inhabers abgelegt sind. In das Passbuch ist eine laminierte Passkarte eingearbeitet. Beides dient der Fälschungssicherheit. Ein sehr kunstvolles Sicherheitsmerkmal sind die mehrfarbigen Guillochen. Diese Schutzmuster bestehen aus feinen, ineinander verschlungenen Linien, die im Sicherheitsdruck aufgebracht werden und sich zu einem Gesamtbild ergänzen.

Die Banknoten – von Gott Merkur zur Europa

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gewann Papiergeld an Bedeutung. Um das in der Folge auftauchende Falschgeld einzudämmen, beschloss Preußen, dass nur noch staatseigene Druckereien Papiergeld herstellen durften. Diese investierten kontinuierlich in verbesserte Materialien und Sicherheitstechniken, um den Fälschern immer einen Schritt voraus zu sein.

Reichsbanknote

Geldschein aus dem Jahr 1910

Der „lange Hunderter“ von 1910 etwa wurde aus einem Spezialpapier gefertigt, dem farbige Pflanzenfasern beigemischt waren.

Guillochen gab es nicht nur in den Reisepässen, sondern auch beim Papiergeld – es brauchte höchstes handwerkliches Geschick, um die in sich verschlungenen Linien in die Druckplatten einzugravieren. Auch Wasserzeichen gab es bereits. Eines der wichtigsten Sicherheitsmerkmale waren Stempel. Hierbei wurden Motive von Staatsinsignien wie dem Reichsadler in das Papier eingeprägt.

Bargeld ist immer noch unser wichtigstes Zahlungsmittel
Mario Draghi, ehemaliger Präsident der EZB, Ausgabe der neuen 50-€-Banknote am 4.4.2017

Die aktuellen Euro-Banknoten gibt es in Deutschland seit 2013. Sie werden mit zahlreichen innovativen Sicherheitsmerkmalen geschützt.

Eurobanknote

Euro-Banknoten

Wie erkennt man die Sicherheitsmerkmale?

  • Auf der Vorderseite lässt sich links und rechts eine Reihe kurzer, erhabener Linien ertasten.
  • Bei Hauptmotiv, Schrift und großer Wertzahl ist ein Relief spürbar.
  • Gegen das Licht betrachtet, wird ein Sicherheitsfaden als dunkler Streifen erkennbar, auf dem die Wertzahl in sehr kleiner, weißer Schrift sichtbar ist.
  • Beim Kippen der Banknote zeigt der silberne Streifen im rechten Teil der Vorderseite die Wertzahl und das €-Symbol. Der Streifen auf dem neuen Geldschein enthält zusätzlich ein Porträt von Europa und das Architekturmotiv.
  • Kippt man den Schein, sieht man auf der Vorderseite links unten eine glänzende Zahl, auf der sich ein Lichtbalken auf und ab bewegt. Außerdem verändert die Zahl ihre Farbe von Smaragdgrün zu Tiefblau.

Die Briefmarken – von Handmanufaktur zu Schleifperforation

Bei der Produktion von Briefmarken gab es lange Zeit reine Handarbeit. Bis 1890 etwa wurden Handpressen verwendet, bei denen die Druckfarbe per Hand auf die Walze aufzutragen war. Ein Mitarbeiter der Reichsdruckerei, der Bauinspektor Dr. Georg Nicolaus, war 1911/12 maßgeblich daran beteiligt, die erste Briefmarkenrotationsmaschine zu entwickeln. Die Maschine konnte ohne Bildunterbrechung drucken, was den Produktionsprozess erheblich vereinfachte.

Ab 1914 konnten Bögen anstelle von endlosen Bahnen gefertigt werden. Die neue Maschine machte zudem das mühsame Zählen der Marken von Hand überflüssig. Eine weitere Innovation: Mit der Maschine konnte die Papierzuführung genau reguliert werden.

Heute gibt es Hightech-Maschinen, die Postwertzeichen im Sechs-Farben-Offset-Druck produzieren. Dies ermöglicht eine deutlich größere Motivvielfalt. Konnte früher die Papierbahn maschinenbedingt nur wenige Meter lang sein, liegt die Strecke der Papierbahn heute bei fast 40 Metern. Zwischen Auf- und Abwicklung des Druckpapiers können heute wesentlich mehr Arbeitsschritte erledigt werden. Viel präziser und schneller als früher kommen auch die Löcher in die Marke.

Noch mehr Wandel in der Bundesdruckerei-Chronik

Nicht nur die Sicherheitsmerkmale von Pass, Geld und Briefmarke haben sich im Laufe von Hunderten von Jahren verändert. Auch das Unternehmen Bundesdruckerei an sich, die Funktionen einzelner Produkte oder die Berufe im Unternehmen unterlagen einem kontinuierlichen Wandel. Die Geschichte der Bundesdruckerei von 1763 bis heute“ ist im August Dreesbach Verlag erschienen. Sie kostet 34,90 Euro und kann über die ISBN 978-3-96395-006-3 beim Verlag bestellt werden.

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