Digitales Sprechzimmer? Wie Telemedizin und Gesundheits-Apps die Psychotherapie verändern.

Headergrafik Digitales Sprechzimmer

Gesundheits-Apps auf Rezept, Sprechstunden per Videochat und Diagnosen über das Smartphone: Die Zukunft des Gesundheitswesens ist digital.

Vor allem im Bereich der Psychotherapie boomt die Telemedizin

Wird das virtuelle Sprechzimmer wirklich bald so stark frequentiert sein wie die Praxen vor Ort? Wie sicher ist die Behandlung über das Smartphone und wer schützt die sensiblen Patientendaten? Ein Überblick über das, was möglich ist, und darüber, wie wir die digitale Praxis auch in Zukunft ohne Sicherheitsbedenken nutzen können.

2020 soll ein entscheidendes Jahr für die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens werden: Das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) der Bundesregierung macht den Weg frei für neue, digitale Behandlungsmethoden und eine einfachere Kommunikation zwischen Arzt und Patient im Netz. Die Mediziner können fortan ausgewählte Gesundheits-Apps auf Rezept verschreiben. Die Kosten dafür trägt dann die Krankenkasse – vorläufig für die Dauer eines Jahres.

Damit ist Deutschland der erste Staat weltweit, der Apps auf Rezept gesetzlich legitimiert. Ein Entgegenkommen gegenüber den Patienten, von denen viele ohnehin schon auf derartige Software vertrauen. Laut der Studie „Digital Health 2019“ des Branchenverbands Bitkom (Stand: Mai 2019) nutzen zwei von drei Smartphone-Besitzern Gesundheits-Apps. Relevant für ein Rezept werden zum Beispiel Anwendungen sein, die durch Erinnerungsfunktionen bei der Einnahme von Medikamenten helfen oder die Dokumentation von Symptomen erleichtern. Aber da wäre noch ein Einsatzbereich, in dem die Apps mehr sind als eine Gedankenstütze. Bei psychischen Beschwerden können sie als virtuelles Sprechzimmer maßgeblich für die Diagnose und Behandlung sein. Schon jetzt werben neue Anbieter mit der einfachen Therapiesitzung per Telemedizin. Mit echten Therapeuten – aber ohne die obligatorische Psychiater-Couch in der Praxis.

Wie groß ist das Potenzial der Telemedizin für die Psychotherapie?

Schon heute können zum Beispiel Versicherte der Techniker Krankenkasse mit diagnostizierter Angststörung mittels einer Gesundheits-App und einer Virtual-Reality-Brille Panikattacken behandeln lassen. Auch andere Anbieter werben mit Anwendungen, die bei psychischen Beschwerden helfen können. Kann die Telemedizin also bald den Gang zum Therapeuten ersetzen? Gerade mit Blick auf die ländlichen Gebiete, in denen es mitunter an Therapie-Angeboten mangelt, scheint ein solches Szenario verlockend. Und doch ist es mittelfristig unwahrscheinlich – da sind sich Experten bisher einig.

Vielmehr werden die Angebote für Smartphone und PC als Erfolg versprechende Begleitprogramme gesehen. Sie sollen zum Beispiel nach einer abgeschlossenen Therapie dabei helfen, den Kontakt zwischen Therapeuten und Patienten zu halten und sicherzustellen, dass es nicht zum Rückfall kommt. Das hat sich beispielsweise bei der Behandlung von Patienten mit Essstörungen als äußerst hilfreich erwiesen. Außerdem sind Angebote der Telemedizin eine Chance für Menschen, die zwar auf der Suche nach Hilfe sind, den persönlichen Gang zum Therapeuten aber bisher noch scheuen. Umso wichtiger ist es, dass Sicherheitsbedenken nicht noch den Griff zum digitalen Behandlungsangebot hemmen.

So können Patientendaten in Gesundheits-Apps sicher bleiben

Tatsächlich ist die Frage nach dem Datenschutz in der Debatte um digitale Gesundheitsleistungen omnipräsent. Denn wo sensible persönliche Daten eingegeben und verarbeitet werden, sorgen sich Patienten um die Sicherheit. Vor allem Hackerangriffe, bei denen zum Beispiel Informationen zum Gesundheitszustand abgegriffen werden könnten, sind gefürchtet.

Wichtigste Voraussetzung für die ärztliche Verordnung einer Gesundheits-App nach dem Digitale-Versorgung-Gesetz: Die verschreibungspflichtigen Programme müssen vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Datensicherheit, Datenschutz und Funktionalität überprüft worden sein.

Um in der Telemedizin einen sicheren Austausch zwischen Datengeber und -empfänger zu gewährleisten, kann ein Datentreuhänder vermitteln. Dieser sorgt dafür, dass sensible Gesundheitsdaten DSGVO-konform und nur mit Zustimmung des Patienten weitergegeben werden. Er gibt dem Patienten die Hoheit über seine Daten – denn nur er kann entscheiden, welche Informationen an wen übermittelt werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Patienten müssen auch online ihre Identität sicher nachweisen können, zum Beispiel beim Log-in in eine Gesundheits-App. Digitale Ident-Verfahren wie AusweisIDent Online, die die Einbindung der Online-Ausweisfunktion des Personalausweises ermöglichen, sind eine schnelle, einfache und sichere Identifizierungsmöglichkeit. Gehen sowohl Patienten und Mediziner als auch App-Anbieter verantwortungsvoll mit Nutzerdaten um, steht der Behandlung im digitalen Sprechzimmer also nichts im Weg.

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