Digitale Identität im Portemonnaie: Wie die Deutschen zur Online-Ausweisfunktion stehen

Digitale Identität im Portemonnaie: Wie die Deutschen zur Online-Ausweisfunktion stehen

Die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises kann den Deutschen so manchen lästigen Gang ersparen. Doch hierzulande scheint man eher ein gespaltenes Verhältnis zur eigenen digitalen Identität zu pflegen. Das zeigt eine Umfrage der Bundesdruckerei. Woran liegt das? Und: Kann die mobile Identität auf dem Smartphone Abhilfe schaffen?

Der 1. November 2010 brachte große Entlastung für deutsche Portemonnaies. Und das ganz ohne Steuerreform. Vielmehr begannen die Deutschen, sich von ihren laminierten Personalausweisen zu trennen. Der Nachfolger passte in jedes Scheckkartenfach und feierte unlängst seinen zehnten Geburtstag.

Doch der Personalausweis ist seither nicht nur aufgrund seiner Maße handlich. Er kann den Deutschen darüber hinaus so manchen unliebsamen Weg ersparen. Das liegt an der sogenannten Online-Ausweisfunktion. Sie bietet Bürgern eine sichere digitale Identität und ermöglicht ihnen dank Zwei-Faktor-Authentifizierung, im Internet Fahrzeuge zuzulassen, BAföG zu beantragen oder ihre Rentenauskunft einzusehen. Zudem können sie sich für privatwirtschaftliche Dienste, beispielsweise im Banken- und Versicherungssektor, ausweisen.

Viele Möglichkeiten also, die Warterei auf dem Amt zu umgehen, Antragsprozesse schneller abzuwickeln und die heimischen Papierberge zu reduzieren. Tatsächlich weiß ein Großteil der Deutschen um derlei Vorteile. In einer repräsentativen Umfrage der Bundesdruckerei gaben 68 Prozent der Teilnehmer an, die Online-Ausweisfunktion zu kennen. 40 Prozent der insgesamt 1.013 Befragten sagten, man hätte ihnen die Einsatzmöglichkeiten direkt auf dem Bürgeramt erklärt, 8 Prozent nannten Familienmitglieder, Freunde und Bekannte als Informationsquelle. Weitere 10 Prozent verwiesen auf andere Quellen wie das Internet oder klassische Medien.

Viel Luft nach oben bei der Nutzung

Die Zahl der tatsächlichen Nutzer hinkt allerdings weit hinterher. Denn ihre persönliche sechsstellige PIN – Grundlage für die Nutzung – hatten nur 21 Prozent der Befragten mit aktivierter Online-Ausweisfunktion gesetzt. Die Mehrheit von ihnen (61 Prozent) setzte die PIN direkt bei der Abholung ihres Personalausweises. Allerdings erklärten nur 32 Prozent der PIN-Inhaber, dass sie die Online-Ausweisfunktion bereits genutzt hätten und dies weiterhin tun würden. 11 Prozent waren Nutzer, meinten jedoch, sie würden mittlerweile auf die Funktion verzichten. 15 Prozent haben die Funktion noch nicht genutzt und würden dies auch nicht planen. Der größte Teil der Befragten mit PIN hatte die Online-Ausweisfunktion zwar noch nicht getestet, plante zum Zeitpunkt der Befragung aber, dies zu ändern.

Spannende Einblicke lieferte die Umfrage mit Blick auf die Corona-Pandemie. Diejenigen, die bereits Erfahrungen mit der Online-Ausweisfunktion vorweisen konnten, sollten Auskunft darüber geben, ob die Pandemie sie zum Ausprobieren oder zu einer verstärkten Anwendung bewegt hätte. Mit 73 Prozent bejahte die überwältigende Mehrheit: 30 Prozent hatten ihren Ausweis für virtuelle Behördengänge genutzt, 22 Prozent für privatwirtschaftliche Angebote und 21 Prozent für beides.

Gerade weil die Vorteile der digitalen Identität angesichts der Pandemie so offensichtlich scheinen, stellt sich die Frage, warum Menschen ihren Personalausweis trotz aktivierter PIN (noch) nicht oder nicht mehr im Internet einsetzen. Fast ein Drittel der Umfrageteilnehmer (29 Prozent) beklagte einen Mangel an relevanten Angeboten. 21 Prozent gaben an, Behördengänge und Einkäufe lieber vor Ort zu erledigen. 15 Prozent monierten, die Authentifizierung über den Ausweis sei zu umständlich, 11 Prozent hatten Sicherheitsbedenken und weitere 11 Prozent begründeten ihre Entscheidung mit fehlender technischer Ausstattung.

Der Staat als Schlüssel zur sicheren digitalen Identität

Einfach entkräften lässt sich insbesondere die Angst um die eigenen Daten. Der Personalausweis mit Online-Funktion gilt als eines der fälschungssichersten Ausweisdokumente überhaupt. Auch aufgrund des Prinzips der Zwei-Faktor-Authentifizierung: Diese ist weitaus verlässlicher als die Nutzername-Passwort-Kombination, wie sie die meisten Deutschen vom Online-Shopping oder vom Log-in auf Social-Media-Plattformen gewohnt sind.

Zudem trifft der Personalausweis durchaus die Präferenzen der Befragten, was digitale Identitäten angeht. Als deren bevorzugten Anbieter nannten 49 Prozent den Staat. 8 Prozent würden ihre digitale Identität am liebsten von der EU beziehen, lediglich 1 Prozent bevorzugt die europäische Privatwirtschaft. US-Firmen waren nur für 5 von 1.013 Teilnehmern eine Option. Immerhin 29 Prozent vertrauten keinem der genannten Anbieter, 12 Prozent der Befragten machten keine Angabe.

Das Smartphone als Portemonnaie: Die mobile Identität kommt

Ein anderer Einwand gegen die Online-Ausweisfunktion, das Problem des erforderlichen Zusatz-Equipments, ist hierzulande eigentlich für kaum jemanden wirklich präsent. Denn während man in den ersten Jahren ein Karten-Lesegerät benötigte, um den Ausweis digital zu nutzen, muss man diesen mittlerweile nur noch an das eigene Smartphone halten – der AusweisApp2 sei Dank. Hier zeigt sich jedoch die nächste Herausforderung: Denn nur 32 Prozent, denen die Online-Ausweisfunktion bekannt war, wussten um diese Möglichkeit.

Vielleicht ist das aber gar nicht so schlimm. Denn ab dem kommenden Jahr soll es möglich sein, die Daten aus dem Personalausweis sicher auf dem Smartphone zu speichern. Aus der digitalen Identität wird zukünftig eine mobile Identität. Für die Zwei-Faktor-Authentifizierung braucht es dann nur noch das Telefon. Für mehr als ein Drittel der Befragten (35 Prozent) stand fest: Sie würden von diesem Angebot Gebrauch machen. 32 Prozent konnten sich nicht mit dem Konzept anfreunden, ein weiteres Drittel war unentschlossen.

Möglicherweise lassen sich einige Smartphone-User 2021 bekehren. Dann dürfen sich deutsche Portemonnaies auf noch mehr Entlastung freuen.

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