„Es ist wichtig, dass nicht irgendwer, sondern wir selbst die Kontrolle über unsere Daten haben“

Headerbild Interview VERIMI-CTO Dirk Woywod

Die größte Herausforderung der Digitalisierung ist es, die Digitalisierung zu erklären. Das sagt Dirk Woywod, Chief Technical Officer (CTO) von VERIMI. Lesen Sie, welche Erfolgsfaktoren er für die Digitalisierung sieht, warum Selbstbestimmung für ihn ein hohes Gut ist und wo aus seiner Sicht die größte Innovation digitaler Angebote liegt.

Herr Woywod, was ist aus Ihrer Sicht die aktuell größte Herausforderung bei der Digitalisierung der Gesellschaft?

D. Woywod: Die größte Herausforderung der Digitalisierung ist es, sie erst einmal zu erklären. Denn es herrschen auf Seiten der Politik, der Gesellschaft und der Wirtschaft noch viele Unsicherheiten und es gibt viele Vorbehalte. Wichtig ist dabei, nicht nur die Probleme zu benennen, sondern auch neue Lösungen zu suchen. Ja, in vielen Bereichen der Digitalisierung sind uns die Amerikaner und die Chinesen einen großen Schritt voraus: Amazon, Facebook, Google und Co. haben mit ihren Plattformen riesige Datenökosysteme geschaffen, die unsere persönlichen Informationen sammeln und für ihre Zwecke verwerten. Aber Fakt ist: Alles, was online passiert, basiert auf Daten. Daten sind also an sich nichts Schlechtes und auch nicht wegzudenken. Wenn es jedoch um meine persönlichen Daten, um meine eigene Identität im Netz geht, muss ich die Hoheit als Nutzer behalten. Deshalb ist für mich die digitale Identität Herausforderung und zugleich Chance der Digitalisierung. Die Bedeutung der digital verifizierten Identität gilt allumfassend für alle Prozesse der Digitalisierung. Erfolgsfaktoren sind dabei neben der Sicherheit vor allem Usability und Einfachheit neuer Anwendungen. Deshalb haben wir VERIMI gegründet, denn beim Thema der verifizierten digitalen Identitäten und der Selbstbestimmung über unsere Daten sind wir die „First Mover“.

Warum ist digitale Selbstbestimmung aus Ihrer Sicht ein so hohes Gut?

D. Woywod: Mein Ich in der digitalen Welt muss genauso geschützt werden wie meine Identität in der „realen“ Welt. Denn zukünftig wird ein Großteil unserer Aktivitäten im Netz stattfinden, egal ob es dabei ums Einkaufen, um die Eröffnung eines Bankkontos oder einen neuen Ausweis geht. Wir teilen schon heute sehr viele persönliche Daten, in Zukunft wird dies noch zunehmen. Und da ist es wichtig, dass nicht irgendwer, sondern wir selbst die Kontrolle haben. Der Nutzer hat diese Hoheit und Kontrolle über die eigenen Daten ein Stück weit verloren. Mit neuen Gesetzen wie der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), der E-Privacy- sowie der eIDAS-Verordnung wurden Werkzeuge zur digitalen Selbstbestimmung geschaffen. Genau hierauf baut VERIMI und will den Nutzern auf dieser Basis die Hoheit über die eigenen Daten zurückgeben.

Der Nutzer setzt richtigerweise voraus, dass Dienste im Internet sicher sind und mit seinen persönlichen Daten korrekt umgegangen wird.
Dirk Woywod, Chief Technical Officer (CTO) von Verimi

Heute haben viele Nutzer die Bedeutung sicherer Zugänge erkannt, dennoch ignorieren sie Sicherheitstipps aus Bequemlichkeit. Werden die Nutzer überfordert?

D. Woywod: Die Masse an Services und somit auch die eigenen Log-ins haben immens zugenommen. Hier ist es schwer, den Überblick zu behalten, keine Frage. Aber der Nutzer ist meiner Meinung nach nicht überfordert. Er setzt richtigerweise voraus, dass Dienste im Internet sicher sind und mit seinen persönlichen Daten korrekt umgegangen wird. Deshalb sehen sich die Nutzer hier weniger in der Pflicht. Und sie überlegen zweimal, wem sie zum Beispiel ihre Gesundheitsdaten überlassen. Natürlich ist es auch mühsam, sich Dutzende von Log-in-Daten und Passwörtern zu merken. Hier bieten wir mit dem VERIMI-Button und unserem Single Sign-on eine sichere, einfache und bequem zu handhabende Lösung. Denn wir sind davon überzeugt, dass es den Gegensatz „Sicherheit auf der einen und einfache Bedienung auf der anderen Seite“ nicht mehr geben soll.

Wie organisieren Sie Ihre diversen Passwörter und Online-Zugänge?

D. Woywod: Ich verwende sehr lange Passwörter, die ich mithilfe eines Passwort-Manager-Tools verwalte. Die wichtigsten Passwörter habe ich natürlich im Kopf. Zudem verwende ich bei sensiblen Daten und Online-Zahlungen immer die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Zukünftig nutze ich dann immer den sicheren VERIMI-Log-in, den ich jetzt schon bei der Deutschen Bank und bei der Deutschen Telekom einsetze.

Wo stehen Sie aktuell mit VERIMI?

D. Woywod: Wir sind seit April mit VERIMI live. Als Gesellschafter sind die Allianz, die Bundesdruckerei, die Deutsche Bank und die Deutsche Telekom online sowie eine Reihe weiterer Unternehmen, die wir als Partner gewinnen konnten. Wir statten die Plattform kontinuierlich mit neuen Produktfeatures aus und integrieren sukzessive neue Anwendungspartner.

„Donʼt make me think“ ist ein Schlagwort der Digital Society. Gemeint ist, dass Anwendungen für den Nutzer intuitiv funktionieren. Worauf kommt es – angesichts höchst unterschiedlicher Userkenntnisse – bei einer intuitiven Bedienbarkeit an?

D. Woywod: Sie haben die Frage eigentlich schon selbst beantwortet. Man muss bei der Entwicklung von Interfaces zuallererst die Gewohnheiten und Erwartungen der Nutzer berücksichtigen. Es geht um die sogenannte User Experience, die Nutzerfreundlichkeit einer Anwendung. Neben der Sicherheit der Plattform ist die einfache Bedienung das wichtigste Element. Wir können für Nutzer nur ein Problem lösen und einen Mehrwert darstellen, wenn wir einen komplexen Prozess vereinfachen, Hemmschwellen abbauen und zeitgleich die Sicherheit erhöhen. Das steht bei VERIMI im Vordergrund und hierfür haben wir viel Zeit und Energie verwendet. Aber die Entwicklung ist eigentlich nie abgeschlossen, denn Menschen wählen oft nicht die rationalste, sondern eher die schnellste Lösung. Deshalb muss alles, was wir anbieten, jederzeit besonders einfach und intuitiv zu bedienen sein. Da liegt bei den digitalen Angeboten auch häufig die größte Innovation.

Stichwort „digitale Souveränität“: Die Europäische Union hat das weltweit innovativste Datenschutzrecht. Das bedeutet Sicherheit für Nutzer, aber hohen Aufwand für Unternehmen. Überfordert die neue DSGVO die Unternehmen?

D. Woywod: Die DSGVO ist anspruchsvoll, da sie hohe Standards formuliert und weitreichende Regulierungen enthält. Das stellt Unternehmen vor enorme Herausforderungen, egal, ob es dabei um die großen oder kleinen geht. Das recht strenge Bundesdatenschutzgesetz galt vorher auch schon, bloß die Strafen bei Vergehen waren viel geringer. Die DSGVO ist aber eines der innovativsten Gesetze der letzten Jahrzehnte. Sie setzt nicht nur klare Regeln in der Digitalwirtschaft, sondern gibt auch den Nutzern ihr Recht auf informationelle Selbstbestimmung zurück. VERIMI hilft Unternehmen, die Anpassung an die neue Regulierung zu implementieren und rechtssicher mit Kunden zu agieren. Denn zu den wichtigen Punkten der DSGVO gehören Zweckbindung, Transparenz und Datensicherheit, aber auch die Einwilligung der Nutzer in die Verarbeitung von personenbezogenen Daten. Die DSGVO wurde von Anfang an bei VERIMI mitgedacht und wir bieten Unternehmen ein notwendiges Fundament zur möglichen Auslagerung aller DSGVO-relevanten Prozesse.

Zum Abschluss noch eine Frage nach Ihrer Vision: Wohin geht die Reise bei digitalen Geschäftsmodellen?

D. Woywod: Ich bin davon überzeugt, dass wir erst am Anfang stehen. Es wird eine Vielzahl von neuen Geschäftsmodellen entstehen und bestehende werden der digitalen Disruption unterliegen. Für viele Prozesse hinter digitalen Geschäftsmodellen werden verifizierte digitale Identitäten benötigt, die wir mit VERIMI vollumfänglich abbilden. Das bedeutet, dass alle wichtigen persönlichen Daten im Netz verfügbar sein werden. Die Bedeutung dieser verifizierten Identitäten wird steigen. Denken Sie an das selbstfahrende Auto: Es muss wissen, wer als „Fahrer“ die Verantwortung trägt und dieses Auto nutzen darf. Gerade deshalb ist es essenziell, dass wir selbst die Kontrolle über die eigenen Daten behalten. Mit VERIMI schaffen wir einen Infrastrukturstandard für das eID-Management und ermöglichen damit neue digitale Geschäftsmodelle.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Woywod.

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