Der digitale Euro – was macht ihn aus?

Headergrafik Der digitale Euro

Facebook will sie, China hat sie schon fast – eine programmierbare digitale Währung. Auch in Europa wird der „digitale Euro“ diskutiert. Doch was ist das eigentlich genau? Welche Geldformen gibt es und worin unterscheiden sie sich? Wir klären auf.

Geld oder Währung?

Programmierbares und nicht programmierbares (Digital-)Geld, CBDC, Kryptowerte, digitaler oder E-Euro, digitales Zentralbankgeld – wenn über eine digitale Währung diskutiert wird, schwirren unterschiedlichste Begriffe herum. Um die Diskussion zu verstehen, sind Begriffserklärungen nötig.

Dazu gehört als Erstes der Unterschied zwischen Geld und Währung:

Geld

Geld ist ein allgemein anerkanntes Tausch- und Zahlungsmittel. Es beschreibt einen De-facto-Standard, auch wenn es nicht gesetzliches und offizielles Zahlungsmittel ist: Geld sind deshalb nicht nur die offiziellen Münzen und Banknoten, sondern beispielsweise auch die Scheine einer Regionalwährung oder jedes andere Tauschmittel, das Verwendung findet.

Währung

Bei einer Währung handelt es sich um ein gesetzliches Zahlungsmittel, also um einen De-jure-Standard. Der Euro ist beispielsweise eine Währung; ein von der Europäischen Zentralbank (EZB) herausgegebener digitaler Euro wäre eine digitale Variante dieser Währung. Eine Währung beschreibt also die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die das Geldwesen eines Wirtschaftsraums definieren.

Der bedeutendste Unterschied zwischen Geld und Währung ist der Wert. Während Geld einen festen Wert besitzt, der über einen längeren Zeitraum konstant bleibt, handelt es sich bei einer Währung lediglich um die Darstellung eines Werts, der sich im Laufe der Zeit durch Kursschwankungen verändern kann und deshalb unbeständig ist.

Welche Geldformen gibt es?

Die in Deutschland bestehende Geldordnung funktioniert so: Das private Giralgeld-Regime der Banken wird von der Zentralbank gestützt und vom Staat faktisch gewährleistet Aber was bedeuten diese Begriffe eigentlich?

Bargeld

Banknoten und Münzen sind Bargeld. Es wird von der Zentralbank herausgegeben. Ausgegeben wird es jedoch von Privatunternehmen, nämlich durch Kontoabhebungen oder als Wechselgeld beim Einkauf in Geschäften. Laut Gesetz sind „auf Euro lautende Banknoten“ das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel hierzulande. Bargeld macht nur etwa 10 Prozent der gesamten Eurogeldmenge aus. Es ist ein allgemein zugängliches Zahlungsmittel. Bargeld ist für die Menschen wichtig, weil sie damit Waren und Dienstleistungen – anonym – bezahlen können. Für das Geldsystem indes ist es von marginaler Bedeutung und nicht mehr systembestimmend. Bargeld wird unter anderem von der Bundesdruckerei hergestellt.

Buch- oder Giralgeld

Buch- oder Giralgeld macht 80 Prozent der Eurogeldmenge aus. Es wird von den Banken – also privatwirtschaftlich – durch Geldschöpfung erzeugt, indem sie Kredite vergeben. Dieses Sichtguthaben ist elektronisches Geld und kein „unbeschränkt gesetzliches Zahlungsmittel“. Bargeld kann auf das Bankkonto eingezahlt werden und wird so zu Giralgeld. Das Giralgeld kann jederzeit wieder gegen Bargeld eingetauscht werden. Wer Giralgeld, also ein Bankkonto mit Guthaben, besitzt, kann es auf andere Konten überweisen und so Rechnungen bezahlen. Auch Lastschrift-, Scheck- oder Kartenzahlung wird über elektronisches Giralgeld abgewickelt.

Zentralbankgeld

Auch Zentralbankgeld macht etwa 10 Prozent der Eurogeldmenge aus. Es ist das von einer Zentralbank – also staatlich – ausgegebene Geld und kann sowohl Bargeld als auch Buchgeld sein. Zugriff auf Zentralbankgeld haben in Deutschland nur Banken und ausgewählte Finanzinstitute.

Information

Eine Zentralbank, in manchen Ländern auch Notenbank oder Nationalbank genannt, ist eine öffentliche Institution, die für die Währung eines Lands zuständig ist und die Geldversorgung kontrolliert, also die im Umlauf befindliche Geldmenge. Eine Zentralbank ist keine Geschäftsbank; Privatpersonen können dort kein Konto eröffnen und keinen Kredit beantragen. Zentralbanken arbeiten nicht gewinnorientiert, können jedoch Gewinne erzielen. Geschäftsbanken können sich bei der Zentralbank Geld leihen. Zentralbanken verantworten die Geldpolitik und haben darüber hinaus ein breites Spektrum weiterer Aufgaben: So geben sie Banknoten und Münzen aus, stellen zudem sicher, dass das Zahlungssystem funktioniert, und verwalten Devisenreserven.

Kryptowerte, wie Bitcoin oder Ethereum, sind privat geschaffen und müssen sich am Markt durchsetzen. Dafür müssen sie einen Nutzen stiften und das Vertrauen der Nutzer gewinnen. Die meisten Kryptowerte basieren auf der sogenannten Distributed-Ledger-Technologie (DLT), wie etwa der Blockchain-Technologie. Kryptogeld kann – anders als herkömmliches elektronisches Geld – mit sogenannten Smart Contracts verbunden werden. Mit Smart Contracts kann man, sehr vereinfacht gesagt, automatisch Zahlungen ausführen. Es ist also eine Art „programmierbares Digitalgeld“. Aufgrund starker Wertschwankungen und hoher Transaktionsgebühren werden Kryptowerte von vielen Unternehmen nicht als Zahlungsmittel akzeptiert.

Smart Contracts auf Blockchain-Basis sind „kluge“ Vertragsvereinbarungen, die unter bestimmten Bedingungen – nach dem Prinzip „Wenn … dann“ – automatisch und korrekt ausgeführt werden. Sie benötigen keine menschliche Interaktion und können unabhängig von dritten Parteien, wie etwa Notaren, geschlossen werden und trotzdem Rechtssicherheit gewährleisten. Mit der Erfüllung der Vereinbarungen sind häufig auch Bezahlvorgänge verbunden. Damit diese unabhängig von der Betragshöhe voll automatisiert erfolgen können, ist ein Euro in programmierbarer Form erforderlich. Der Digitalverband Bitkom prognostiziert1, dass Smart Contracts und die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) die Möglichkeit einer völlig neuartigen Infrastruktur für Finanzdienstleistungen eröffnen. Sie werden als „DeFi“ (Decentralized Finance) bezeichnet. Mit DeFi werde ein offenes, transparentes, interoperables und letztlich robustes Finanzsystem in Aussicht gestellt.

Wir beobachten das Feld der Kryptowährungen und halten es für sehr interessant. Wir sind davon überzeugt, dass dieser Bereich erhebliches Potenzial aufweist.
Jennifer Bailey, Vice President der Apple-Pay-Sparte

Was versteht man unter digitalem Geld?

Digitales Geld bedeutet, dass es sich um Geld in elektronischer Form handelt. Künftig müssen wir unterscheiden zwischen programmierbarem und nicht programmierbarem Digitalgeld. Beide Begriffe werden oftmals synonym verwendet, allerdings existiert ein bedeutender Unterschied:

Nicht programmierbares Digitalgeld

Nicht programmierbares Digitalgeld gibt es heute schon – zum einen auf Kontenbasis (Giralgeld im unbaren Zahlungsverkehr) und zum anderen auf Basis von Kryptografie, z. B. Bitcoin. Mit diesem digitalen Euro können lediglich Eurobeträge verwaltet werden – analog zu einem Bankkonto mit Überweisungsfunktion.

Programmierbares Digitalgeld:

Zukünftig soll es programmierbares Digitalgeld geben, das ebenfalls sowohl auf Konten- als auch auf Kryptobasis funktioniert. Libra ist ein programmierbares Digitalgeld auf Kryptobasis. Bei heutigen Geschäftsvorfällen werden der Lieferprozess und der Bezahlprozess getrennt behandelt. Der programmierbare Euro auf Blockchain-Basis erlaubt es aber, Geldflüsse zu programmieren und somit auch Lieferprozesse und Zahlungsvorgänge in ein System zu integrieren. Dadurch können Zahlungsvorgänge automatisiert ausgeführt werden (Smart Contracts). Zwar gibt es heute z. B. mit Daueraufträgen und Zinszahlungen bereits automatische Prozesse, die Zahlungsflüsse steuern. Mit der Blockchain-Technologie aber könnten Automatisierungsgrad und Effizienz signifikant gesteigert werden. Mit einem programmierbaren Euro und durch die Anbindung von Maschinen könnte die digitale Transformation etwa der Industrie oder Logistik auf ein neues Niveau gehoben werden.

Information

Das US-amerikanische soziale Netzwerk Facebook entwickelt aktuell mit einem Konsortium – der Libra Association – eine private Digitalwährung: Libra. Es soll das erste globale Geld werden und unter anderem über WhatsApp verschickt werden können. Libra soll auf der Blockchain-Technologie basieren. Geplant ist, dass Libra an einen Währungskorb gebunden wird und dadurch im Wert – anders als andere Kryptowerte – besonders stabil sein soll (Stablecoin). Libra stünde im Wettbewerb mit den offiziellen Leitwährungen der Weltwirtschaft.

Stablecoins, wie Basecoin oder Carbon, sind Unterarten von Kryptowerten und haben eine geringere Volatilität. Sie sind also preisstabiler. Sie sollen als Tauschmittel und Rechnungseinheit sowie zur Wertaufbewahrung dienen. Noch unklar ist, wodurch sich das „Wertversprechen“ einlösen lässt.

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