Frau sitzt mit ihrem Laptop und ihrer Kreditkarte auf dem Bett

Was bringt eine CBDC? Und wo lauern Risiken?

Die Einführung von digitalem Zentralbankgeld dürfte in Europa nur eine Frage der Zeit sein. Dr. Dieter Sauter, Leiter Wertdruck bei der Bundesdruckerei GmbH, weiß um die wirtschaftlichen und sozialen Vorteile. Allerdings kennt er auch Risiken, denen es bei der Einführung einer CBDC vorzubeugen gilt.

Experte
Dr. Dieter Sauter, Leitung Wertdruck, Bundesdruckerei GmbH
Dr. Dieter Sauter
Leiter Wertdruck bei der Bundesdruckerei GmbH

Die CBDC als digitale Bargeldalternative 

In einem neuen Jahreswirtschaftsbericht von der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) heißt es, dass etwa 90 Prozent der Zentralbanken weltweit prüfen würden, ob sie eine digitale Zentralbankwährung (CBDC) einführen können.* Mit Beginn der 2020er-Jahre hat es also auch Deutschland erwischt: Wo vor der Pandemie für viele offenbar nur Bares als Wahres galt, gingen die Zahlungsvorgänge mit Banknoten und Münzen merklich zurück – laut EHI Retail Institute von 14,58 Milliarden Euro 2019 auf 10,11 Milliarden Euro zwei Jahre später. Eine der letzten Bargeldbastionen der Eurozone beginnt ihre Payment-Gewohnheiten mindestens zu diversifizieren. Digitale Bezahlsysteme werden immer unkomplizierter und Kryptowährungen zunehmend interessant. Und inmitten der Payment-Revolution beschäftigen sich Staaten und Staatenverbünde mit der Einführung einer eigenen elektronischen Währung, einer sogenannten Central Bank Digital Currency (CBDC). In der Europäischen Union steht das Thema schon länger auf der finanzpolitischen Agenda. Können wir in Deutschland also mittelfristig per digitalem Euro zahlen? 

Digitales Zentralbankgeld hat viele Vorteile

Für Sauter ist das sehr wahrscheinlich. Zwar seien die Zentralbanken noch zurückhaltend, weil sie mit einer CBDC gerade keine akuten Probleme lösen könnten, doch die Zeichen der Zeit ließen sich nicht ausblenden. „Ich sehe digitales Zentralbankgeld als derzeit stark technologiegetriebenes Konzept“, sagt Sauter im Podcast des „Official Monetary and Financial Institutions Forums“. „Die Technologie ist da, die Transformation und Digitalisierung schreitet weltweit voran und man muss einfach ein Teil davon sein.“ 

Notenbanken würden mit einer CBDC in ihre eigene Zukunft investieren. „Die Bedeutung von Bargeld nimmt ab, digitale Transaktionen werden wichtiger – da drohen Zentralbanken zukünftig einiges an Kontrolle einzubüßen, mit Blick auf Transaktionen, die Finanzregulierung und staatliche Stabilität“, so Sauter. „Sollten sie eine CBDC einführen, würde das ihre Bedeutung stärken.“ Ebenso sei digitales Zentralbankgeld ein Mittel gegen die „Ineffizienz im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr“ und für die „finanzielle Inklusion“ von weniger wohlhabenden Menschen. Als Beispiel für letztere Funktion nennt er die Bahamas, die ihre CBDC auch als Reaktion auf wiederkehrende Naturkatastrophen eingeführt haben. „Es war sehr schwierig, (dringend benötigtes) Geld über all die kleinen Inseln zu verteilen, auch wenn dort nur wenige Menschen leben. Die CBDC hat der Regierung einen einfacheren Zugang zu den Bürgerinnen und Bürgern verschafft.“

Braucht die CBDC Limits und digitale Identitäten?

Bei allen offensichtlichen Vorteilen warnt Sauter jedoch auch vor einer zu starken Präsenz von digitalem Zentralbankgeld in einer Volkswirtschaft. So schlägt er beispielsweise vor, CBDC-Transaktionen auf einen Maximalbetrag zu begrenzen. Schließlich könnte die Stabilität der Zentralbanken einige auf die Idee bringen, Geld von ihren Bankkonten in CBDC umzutauschen. Das wiederum wäre gefährlich für die Geschäftsbanken. Die latente Angst vor deren möglichem Bankrott würde dann einem echten Bankrott Vorschub leisten.
   
Doch es gilt längst nicht nur, volkswirtschaftlichen Risiken vorzubeugen. Infolge technischer Unzulänglichkeiten könnten ebenso Gefahren aus einer CBDC erwachsen – allem voran dann, wenn diese sich von Cyberkriminellen kompromittieren ließe.  „Eine digitale Zentralbankwährung muss robust und sicher sein“, sagt Sauter. Daher sollte die Technologie auf die höchsten Standards für IT-Infrastrukturen aufsetzen. 

Auch digitale Identitäten dürften eine wichtige Rolle für mehr Sicherheit spielen. „Eine hoheitliche, vom Staat ausgegebene digitale Identität schafft Vertrauen“, betont Sauter. Im Falle des digitalen Zentralbankgelds könne sie sicherstellen, dass genau die an einer Transaktion beteiligt sind, die beteiligt sein sollen. Jedoch müsse die digitale Identität smart umgesetzt sein. „Sonst denkt die nutzende Person schnell: ‚Big Brother is watching you‘“, ist sich Sauter sicher. 
 

„In keinem Fall dürfen digitale Identitäten dazu dienen, Transaktionen zu kontrollieren und sie mit konkreten Personen zu verknüpfen.“  

Regionale Unterschiede bei der CBDC-Einführung im Blick behalten

Sicherheit vor Cyberangriffen auf der einen, Datenschutz und Privatsphäre auf der anderen Seite: Gerade in Europa scheint die Einführung einer CBDC vor allem technisch anspruchsvoll. In anderen Regionen dieser Welt könnten die Herausforderungen dagegen völlig anders gelagert sein. Genau deshalb steht für Sauter fest, dass es für digitales Zentralbankgeld keine „One size fits all“-Strategie gibt. „Ob und wie eine CBDC eingeführt wird, hängt von den unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Länder und den jeweiligen Zentralbanken ab“, erklärt der Leiter Wertdruck der Bundesdruckerei-Gruppe – und zitiert Fed-Präsident Jerome Powell: „Es ist besser, es richtig zu machen, als der Erste zu sein.“ Für Sauter ist klar: „Vor der Einführung einer CBDC sollten wir eine wirklich durchdachte Lösung in der Hand haben.“ 

In „The OMFIF Podcast“ sprechen Sauter und Melvin Khomo von der Zentralbank des afrikanischen Staats Eswatini über die Vorteile und Risiken von CBDC. Dabei erklärt der Leiter Wertdruck der Bundesdruckerei-Gruppe auch die Unterschiede zwischen dem digitalen Zentralbankgeld, Kryptowährungen und Stablecoins. Hier gibt’s die Folge zum Nachhören.

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