InnoOrgaEvolution:
Das Zellmodell für lebendige Zusammenarbeit
InnoOrgaEvolution ist ein Organisationsmodell der Bundesdruckerei GmbH für die Zusammenarbeit im Innovationsbereich. Das Modell ermöglicht eine fluide Organisationsstruktur, die kreative Freiräume mit der Stabilität eines etablierten Sicherheitsunternehmens verbindet. InnoOrgaEvolution befähigt interdisziplinäre Teams, zukunftsweisende Projekte in autonomen Zellen eigenverantwortlich, flexibel und von der ersten Idee bis zum validierten Konzept oder Prototyp umzusetzen.
Daten & Fakten zu InnoOrgaEvolution
Projektname
InnoOrgaEvolution
Laufzeit
Seit 09/2024
Wissenschaftliche Begleitung
Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO)
Projektziel
Stärkung der Team-Autonomie, Steigerung der Innovationsfähigkeit und Bewältigung schnellen Personalwachstums
Modell-Grundlage
Fluide Organisationsstruktur, basierend auf dem Beta-Codex®
Struktur
Netzwerk aus 5 zentralen und rund 20 peripheren Zellen für insgesamt 65 Experten und Expertinnen
Spagat zwischen kreativer Forschung und verlässlicher Umsetzung
Herausragende Köpfe in der anwendungsorientierten Forschung benötigen Freiraum zur Exploration. Gleichzeitig verlangen komplexe Kundenprojekte eine verlässliche Umsetzung (Exploitation). Traditionelle, mehrstufige Führungshierarchien bremsen diesen Spagat in der Praxis oft aus und führen zu starren Silos.
Aus dieser Herausforderung entstand die zentrale Fragestellung für InnoOrgaEvolution: Wie lässt sich ein stark wachsendes Team aus hochspezialisierten Talenten so aufstellen, dass die einzelnen Einheiten maximale Autonomie genießen und dennoch auf die gemeinsamen strategischen Ziele ausgerichtet sind? Die Antwort des Innovationsbereichs liegt in einem maßgeschneiderten Zellstrukturdesign.
Aufbau und Funktionsweise des Zellmodells
Die tägliche Zusammenarbeit im Innovationsbereich strukturiert sich abseits klassischer, top-down-gerichteter Organigramme. Durch drei ineinandergreifende Sphären entsteht ein fluides System, das sich dynamisch an Projektanforderungen anpasst. Die zeitweise Mitarbeit in unterschiedlichen Zellen sichert zudem den kontinuierlichen Wissenstransfer durch die gesamte Organisation.
Führung wird in dieser fluiden Organisationsstruktur als dynamische Aufgabe zum Erhalt des Systems verstanden statt als hierarchisches Privileg.
Die Zellcharta als Leitplanke der Selbstorganisation
Autonomie funktioniert nur dann ohne Chaos, wenn sich alle Beteiligten auf gemeinsame Prinzipien verlassen können. Die operative Zusammenarbeit wird durch eine verbindliche Zellcharta geformt. Dieses Regelwerk definiert Rechte sowie Pflichten und beschreibt den gesamten Lebenszyklus einer Zelle – von der Gründung bis zur geordneten Auflösung nach Erreichen des Meilensteins.
- Selbstverpflichtung statt Fremdkontrolle: Jede Zelle trägt die Verantwortung für die eigene strategische Ausrichtung und das Erreichen der gesteckten Meilensteine.
- Transparenz als Standard: Zur Vermeidung von Silos sind Projektstände, Ressourcenplanungen und Entscheidungen für den gesamten Innovationsbereich offen einsehbar.
- Aufgabenfokussierte Dynamik: Es gibt keine festen Rollen und damit keine automatischen Machtstrukturen. Notwendige Aufgaben – von der Ressourcenplanung bis zur Meeting-Organisation – verhandelt und verteilt das Zellteam eigenverantwortlich.
- Flache Abstimmungswege: Für die Entscheidungsfindung sind transparente, partizipative Prozesse etabliert. Bei Blockaden bietet die Charta eine Struktur zur partnerschaftlichen Klärung und verankert feste Feedbackschleifen direkt in den Teams.
Von der Idee zur lebendigen Organisation
- Vor 2023: Rund zwei Dutzend Mitarbeitende, informelle Strukturen.
- 2023: Rasantes Wachstum zwingt zum Umdenken. Gemeinsam mit dem Fraunhofer IAO beginnt die Suche nach einem neuen Organisationsmodell.
- 2023–2024: Alle Mitarbeitenden entwickeln gemeinsam die Zellcharta.
- September 2024: Go-live. Alle unterzeichnen. Die Zellorganisation startet.
- Oktober 2025: Zellcharta 2.0: schärfer, klarer, praxisnäher.
- November 2025: 70 Prozent der Arbeit läuft in Zellen. Mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden nimmt eine Verbesserung der Innovationstätigkeit wahr.
- 2026: Der Werkstattbericht erscheint in der Fachzeitschrift OrganisationsEntwicklung.
Autonome Zellen in der Praxis
Das Zellmodell beweist seine Stärke in der operativen Umsetzung. In den peripheren Zellen arbeiten interdisziplinäre Teams eigenverantwortlich an Schlüsseltechnologien wie dezentralen Identitäten, Quantentechnologien oder synthetischen Daten.
Direkte Marktanbindung ohne Umwege
Tritt ein neuer technologischer Trend auf oder verändern sich Kundenanforderungen, reagiert die zuständige Zelle unmittelbar. Durch den Wegfall langwieriger, hierarchischer Freigabeketten testen die Teams neue Software-Architekturen oder Prototypen direkt im Austausch mit Pilotanwendern. Marktsignale fließen so ohne Verzögerung in die Entwicklung ein.
Bedarfsorientierte Unterstützung auf Augenhöhe
Die Zellen agieren als autonome Einheiten. Benötigt ein Team für ein Projekt zusätzliche Expertise – beispielsweise bei rechtlichen Fragestellungen, Coaching oder der strategischen Ausrichtung –, fragt es diese Services direkt bei anderen peripheren Zellen oder der Zentrale an. Die Zentrale agiert hierbei als interner Dienstleister auf Augenhöhe.
Geordnete Skalierung und Auflösung
Zellen sind keine starren Abteilungen auf Lebenszeit. Ist ein Meilenstein erreicht oder ein Vorhaben abgeschlossen, greift die in der Zellcharta verankerte Regelung zur geordneten Auflösung der Einheit. Die Mitarbeitenden bringen ihre Erfahrungen anschließend in neu gegründete oder andere bestehende Zellen ein, was einen kontinuierlichen Wissenstransfer im gesamten Netzwerk sichert.
Messbarer Impact: Was bringt die Zellstruktur?
Autonome Zellen schaffen handfeste Vorteile für Projekte, Partner und Teams. Drei Kernbereiche profitieren besonders von der dezentralen Organisation:
Wissenschaft und Praxis Hand in Hand
Zukunftsfähige Organisationsstrukturen entstehen durch die Verbindung von theoretischer Exzellenz und operativer Praxis. Das dezentrale Zellmodell der InnoOrgaEvolution wurde deshalb in enger Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO evaluiert und geschärft.
Im Fokus der wissenschaftlichen Begleitung steht die Untersuchung agiler Netzwerke im realen Arbeitsumfeld. Das Fraunhofer-Team evaluierte den Transformationsprozess durch laufende Belegschaftsbefragungen zur Messung der Innovationsfähigkeit. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in die kontinuierliche Optimierung des Modells ein.
FAQ: Häufig gestellte Fragen
Die Struktur fördert gezielt die sogenannte organisationale Beidhändigkeit. Rund 70 Prozent der gesamten Arbeit im Innovationsbereich wird in den peripheren Zellen abgewickelt, um konkrete Kundenprojekte und Aufträge zu erfüllen. Die autonomen Strukturen sichern gleichzeitig den Freiraum, um abseits formaler Projektstrukturen neue Technologien niedrigschwellig zu erproben.
Die Verantwortung liegt kollektiv beim jeweiligen Team und ist an die in der Zellcharta definierten Aufgaben gekoppelt. Entscheidungen werden dezentral und fachlich fundiert getroffen. Für weitreichende strategische oder finanzielle Risiken greift ein klar definierter Eskalationspfad, der die Schnittstelle zu den übergeordneten Instanzen regelt.
Durch die in der Zellcharta verankerten Prozesse zur geordneten Auflösung einer Zelle erfolgt eine systematische Dokumentation der Projektergebnisse. Da die Mitarbeitenden nach dem Projektabschluss in neue Zellen rotieren, wandert das aufgebaute Know-how direkt in andere Bereiche des Netzwerks und bleibt der Organisation erhalten.
Wissen teilen und in den Austausch gehen
Die Transformation von Organisationsstrukturen lebt vom Erfahrungsaustausch. Für tiefere Einblicke in das Zellmodell Innovations, Fragen zur praktischen Anwendung der Zellcharta oder für einen fachlichen Dialog steht der direkte Kontakt zur Verfügung.
Sie haben Fragen oder Feedback zum Zellmodell? Kontaktieren Sie uns.
Dr. Jörg Fischer
Fellow Innovations, Bundesdruckerei GmbH
E-Mail: joerg.fischer@bdr.de
Felix Nadolni
Innovations, Bundesdruckerei GmbH
E-Mail: felix.nadolni@bdr.de