E-Government 2020: Bürger behalten Datenhoheit

E-Government 2020: Bürger behalten Datenhoheit

Wir schreiben das Jahr 2020 und es gibt ein funktionierendes E-Government in Deutschland. In unserer fünfteiligen Serie zeigen wir exemplarisch auf, wie digitalisierte Prozesse Bürger und Verwaltungen entlasten könnten. Im vierten Teil geht es um das Bürgerportal und den souveränen Umgang der Bürger mit ihren Daten.

Schutz sensibler Daten besonders wichtig

Seit seiner Scheidung vor drei Jahren ist Martin Krause alleinerziehender Vater seines inzwischen fünfjährigen Sohns. Es fällt ihm nicht leicht, seine Arbeit in einer Werbeagentur und die Erziehung des Kindes unter einen Hut zu bringen. Inzwischen kann er über das Bürgerportal viele Verwaltungsangelegenheiten nach Feierabend von zu Hause aus erledigen – für Martin eine große Erleichterung. Bei der Einführung des Portals war er noch skeptisch. Vor allem um die Sicherheit und den Schutz seiner persönlichen Daten machte er sich große Sorgen. Konnte er wirklich davon ausgehen, dass nur diejenigen Zugriffe erhalten, die dazu auch berechtigt sind?

Das Onlinezugangsgesetz (OZG) verpflichtet Bund und Länder, bis spätestens 2022 ihre Verwaltungsleistungen auch elektronisch über Verwaltungsportale anzubieten. Im September 2018 wurde eine Beta-Version des Bürgerportals freigeschaltet.
Quelle: golem.de*

Nach eingehender Beschäftigung mit der Plattform ist Herr Krause vom Sicherheitskonzept überzeugt. Besonders gut findet er, dass er selbst die Hoheit über seine Daten hat. Benötigt eine Behörde Zugriff auf seine Daten, dann kann Herr Krause die nötige Berechtigung dazu erteilen, die Daten einzusehen, falls diese nicht ohnehin in den bestehenden Registern des Staats liegen. Ist der jeweilige Verwaltungsvorgang abgeschlossen, kann er die Berechtigung ebenso einfach wieder entziehen. Dadurch behält Herr Krause die Kontrolle über die Nutzung seiner Daten.

Übersicht auf einen Blick

Anhand seiner persönlichen Übersichtsseite im Bürgerportal kann er komfortabel einsehen, wer wann und zu welchem Zweck auf seine Daten zugegriffen hat. Dort erkennt der alleinerziehende Vater auf einen Blick, ob etwa eine von ihm erteilte Berechtigung noch notwendig ist. Gleichzeitig ist ihm wichtig: Solange und soweit nicht im Einzelfall gesetzliche Grundlagen dem entgegenstehen, kann er andere verbindlich auffordern, über ihn gespeicherte Informationen zu löschen.

Auch die Sicherheitsarchitektur sagt Herrn Krause zu. Als er kürzlich eine Änderung seines Kindergeldbescheids beantragen wollte, musste er beim Portal zusätzlich zu seiner Anmeldung via Personalausweis eine sechsstellige PIN eingeben. Hingegen brauchte er die PIN nicht, als er eine Woche später den neuen Familienhund für die Hundesteuer anmeldete. Von dieser sinnvollen Sicherheitsabstufung je nach Sensibilität des Verwaltungsvorgangs ist er beeindruckt.

Fazit

Diese Vision für E-Government im Jahr 2020 ist heute noch Zukunftsmusik. Damit sich solche Szenarien realisieren lassen, hat die Bundesdruckerei eine Studie erstellt, die die grundlegenden Parameter für eine umfassende und sichere E-Government-Architektur umfasst. Ein wichtiges Ergebnis: Die Bürger müssen die digital angebotenen Verwaltungsdienstleistungen intuitiv nutzen können und diese müssen bürgerzentriert sein. Die Studie „Zukunft E-Government – Vorschläge für eine bürgerfreundliche und sichere Digitalisierung der Verwaltung“ beleuchtet unter anderem die entscheidenden technischen, rechtlichen, politischen sowie gesellschaftlichen Aspekte.

 

*Artikel auf golem.de: Der Bund schaltet sein Online-Bürgerportal frei

Kaum umgezogen – schon alle Behördenangelegenheiten erledigt

Das könnte Sie auch interessieren

Kaum umgezogen – schon alle Behördenangelegenheiten erledigt

Das könnte Sie auch interessieren

E-Government

E-Government 2020: trotz Umzug keine Behördengänge

Digitale Transformation

Digitale Souveränität: Wo ist sie besonders wichtig?

Digital souverän agieren zu können, bedeutet, im digitalen Raum selbstbestimmt handeln und entscheiden zu können. Wir erläutern, in welchen Bereichen dies besonders gefragt ist.

Sichere Daten

DSGVO: Datenschutzlücken können teuer werden

Nicht nur in der Vergangenheit wurde der Datenschutz stiefmütterlich behandelt. Noch heute, zwei Jahre nach finalem Inkrafttreten der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), gibt es einiges nachzuholen. Davon zeugen verhängte Bußgelder in Millionenhöhe.