Auf die Atmosphäre kommt es an

Auf die Atmosphäre kommt es an
Klaus de Winder

Auch wenn digitale Tools heute die Arbeit von jedem Ort aus ermöglichen: Die Gestaltung von Büros hat immer noch eine große Bedeutung für Unternehmen und Mitarbeiter. Ein Blick in die Praxis von Architekt Klaus de Winder.

Wenn wir Büroräume für einen Bauherrn gestalten, orientieren wir uns zunächst an den Bedürfnissen der Nutzer. Diese Bedürfnisse sind bei allen Unternehmen, die wir beraten, sehr unterschiedlich. Wir arbeiten erst einmal heraus, wie der Workflow im Unternehmen ist und wie er für den einzelnen Kollegen aussieht. IT-Entwickler haben völlig andere Abläufe als die Mitarbeiter der Finanzabteilung oder im Kundenservice. Ein überzeugendes Arbeitsplatzkonzept spiegelt wider, dass Prozesse im Alltag für jeden Einzelnen möglichst effizient und vielleicht sogar kreativ gestaltet sind. Für Architekten heißt das: Es gibt keine vorformulierten Leitlinien, an denen man sich orientieren könnte.

Das uniforme Büro hat unserer Meinung nach aber ausgedient. Büros werden heute wie „Wohnräume“ gesehen. Wohnen hat nicht zuletzt mit Verweilen zu tun. Und diese Entwicklungstendenz sehen wir vermehrt in den jungen Unternehmen, die gewissermaßen als „digitale Fabriken“ funktionieren. Individuelle Rückzugsräume sind jedoch nach wie vor immens wichtig, genauso wie Räume zur Kommunikation.

Die Digitalisierung am Arbeitsplatz hat viele Aspekte. Aber wo begann sie eigentlich? Erst seitdem wir Smartphones auch am Arbeitsplatz nutzen? Oder ist Digitalisierung nicht eher eine kontinuierliche Entwicklung, die bereits mit dem Wechsel von analoger Schreibmaschine zum elektronischen Rechner in den 1980ern begann? Die Digitalisierung hat unsere Arbeit optimiert und effizienter gemacht. Für die Gestaltung von Büros spielt sie aber keine so große Rolle. Denn letztlich geht es immer darum, gute Arbeitsatmosphären zu schaffen.

Architekten haben für die Gestaltung dieser Arbeitsatmosphären nahezu unendlich viele Mittel. Und doch wieder nur so wenige, wie es Aufgabenstellung und Nutzer zulassen. Sinnhaftigkeit und Ästhetik sollten dabei zusammenspielen. Auch wenn das nicht immer gelingt, weil Vorgaben durch das bestehende Gebäude oder durch die Ziele des Auftraggebers es nicht zulassen. Für unser Büro probate Mittel sind die Befragung von Mitarbeitern und die Erarbeitung von Zielen in Workshops. Denn Zuhören ist für uns wichtiger als vorgefertigte Bilder.
Wir beobachten immer wieder Pendelschläge von großen zu kleineren Strukturen und wieder zurück. Wir glauben auch, dass sich der Flächenbedarf von Büros nicht verändert, sondern sich hin zu flexiblen Flächennutzungen verschiebt. Damit meinen wir nicht ausgediente Gimmicks wie Rutsche oder Bällebad. Der individuelle Arbeitsplatz ist nach wie vor sehr präsent und wieder im Kommen. Aber hoffentlich nicht als Einzelbüro mit Gipskartonwand und geschlossener Tür.
 

Klaus de Winder betreibt gemeinsam mit der Architektin Claudia de Winder seit 1999 ein Architekturbüro in Berlin und zählt unter anderem Zalando, Google Deutschland und das Auswärtige Amt zu seinen Kunden.

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