Gastprofessur Identitätsmanagement an der Freien Universität Berlin

Gastprofessur

Die Stiftungsprofessur der Bundesdruckerei zum ID-Management ist eine klare Investition in die Zukunft – für alle Beteiligten. Lesen Sie, wer davon profitiert.

Seit dem Wintersemester 2014/2015 stiftet die Bundesdruckerei erneut eine Gastprofessur für Identitätsmanagement an der Freien Universität Berlin. „Das ist für uns eine klare Investition in die Zukunft“, begründet der Vorsitzende der Geschäftsführung, Ulrich Hamann, die zunächst auf drei Jahre angelegte Förderung. Für das Unternehmen habe der lebendige Austausch mit der Wissenschaft große Bedeutung.

Digitale Identitäten sind nicht mehr wegzudenken

Bereits vor fünf Jahren stiftete die Bundesdruckerei einen Lehrstuhl für Sichere Identitäten an der Freien Universität Berlin. Die seinerzeit am Institut für Informatik gegründete Arbeitsgruppe zum Thema IT-Sicherheit wird durch die neue Professur ergänzt. Mit der Fortführung der Stiftungsprofessur betonen Bundesdruckerei und Universität den hohen Stellenwert, den die Erforschung elektronischer Identitäten heute einnimmt: „Digitale Identitäten sind Teil unseres Alltags geworden. Damit wir sie sicher in die Prozesse von Unternehmen, Behörden und Privathaushalten einbinden können, brauchen wir jetzt zukunftweisende Prozesse und Technologien zu ihrem Schutz. Mit der Gastprofessur geben wir Impulse, eine der Schlüsseltechnologien unserer Zukunft zu erforschen und zu entwickeln“, so Hamann.

Was sind eigentlich digitale Identitäten?

Die Gastprofessur beschäftigt sich mit digitalen Identitäten. Synonym wird oft auch von elektronischen oder virtuellen Identitäten gesprochen. Was steckt eigentlich hinter diesen Begriffen?

Der Begriff Identität definiert eine Person oder ein Objekt als einmalig und unverwechselbar. Identität beschreibt die Gesamtheit aller spezifischen Merkmale, die eine Person oder ein Objekt kennzeichnet und von allen anderen unterscheidet. Identitätsattribute können körperliche Merkmale wie Gesichtsbild und Fingerabdruck sowie persönliche Daten wie Name und Geburtsdatum sein. Mit einem hoheitlichen Dokument, etwa dem Personalausweis, kann jede Person nachweisen, dass sie genau diejenige ist, die sie zu sein behauptet.

Eine digitale, elektronische oder virtuelle Identität ist die Gesamtheit aller Spuren, die ein Individuum im Internet hinterlässt. Wie in der realen Welt können sich Menschen auch im Internet eindeutig zu erkennen geben. Wenn Nutzer sich in sozialen Netzwerken einloggen oder online Geld überweisen, müssen sie sich authentisieren. Dabei greifen Mechanismen, die individuelle Attribute einer bestimmten Person zuordnen, wie die Verbindung von Benutzername und Passwort. Zum digitalen Fußabdruck zählen auch Nutzerprofile bei Onlineshops oder die IP-Adresse des eigenen Computers, die auf jeder angesteuerten Website hinterlassen wird. Durch die zunehmende Digitalisierung und Entwicklung neuer Technologien wie Cloud Computing, Big Data, Smart Home, Mobile Applications, Industrie 4.0 oder dem Internet der Dinge besitzen nicht nur Menschen, sondern auch Produkte, Materialien oder Maschinen eine eigene Identität, die abgesichert werden muss.

Eine Sichere Identität bedeutet, dass die Identität – egal ob analog oder digital – nicht manipuliert, gefälscht oder missbraucht werden kann. Sie garantiert die vollkommene Übereinstimmung, dass jemand tatsächlich derjenige ist, für den er sich ausgibt. Mit einer Sicheren Identität kann beispielsweise eine E-Mail zweifelsfrei ihrem Absender zugeordnet werden oder sich ein Ersatzteil einer Maschine als Originalteil ausweisen. Eine sichere Möglichkeit, sich real wie virtuell zu identifizieren, ist der Personalausweis. Nutzer können die Online-Ausweisfunktion freischalten lassen und mit spezieller Software Daten sicher verschlüsselt übermitteln.

Jedes zweite Unternehmen beklagt Mangel an IT-Fachkräften

Mit der Stiftungsprofessur will die Bundesdruckerei den dringend benötigten akademischen Nachwuchs für IT-Sicherheit unterstützen. „Deutschland leidet seit Jahren unter einem eklatanten und steigenden IT-Fachkräftemangel“, sagt Hamann. Aktuell fehlen bei Anbietern und Anwendern laut einer BITKOM-Studie zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte mehr als 40.000 IT-Spezialisten, rund fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der ITK-Unternehmen gibt an, dass sie einen Mangel an IT-Spezialisten haben. Sie könnten 16.500 Stellen besetzen. Und auch in den Anwenderbranchen quer durch alle Wirtschaftszweige steigt der Bedarf nach IT-Experten kräftig – gegenüber dem Vorjahr werden knapp 10 Prozent mehr IT-Sicherheits-Fachleute gesucht. IT-Sicherheitsexperten fehlen derzeit in fast jedem siebten Unternehmen.

„Wichtiges Forschungsthema etablieren“

Auch für die Freie Universität Berlin ist die Gastprofessur eine Bereicherung: „Die Bundesdruckerei ermöglicht uns, ein aktuelles und wichtiges Forschungsgebiet im Fachbereich Mathematik und Informatik zu etablieren und voranzutreiben“, sagt Universitätspräsident Prof. Peter-André Alt, „Dass wir den Sektor der IT-Sicherheit in der Lehre wie in der Forschung stärken, liegt uns sehr am Herzen.“ Die Freie Universität Berlin ist nicht nur eine Exzellenzuniversität. Sie ist zudem in einer Metropolregion beheimatet, die als führender europäischer Standort für Identitätstechnologien gilt.

Hauptstadtregion bei ID-Technologien ganz weit vorne

Rund 250 Unternehmen mit 27.000 Mitarbeitern und etwa drei Milliarden Euro Umsatz jährlich sind in der Sicherheitswirtschaft der Region aktiv. Damit hat die Hauptstadtregion einen Anteil von zwölf Prozent am deutschen Markt für zivile Sicherheit. Knapp ein Drittel von ihnen beschäftigt sich mit Sicherer Identität.

Laut der Landkarte des Bundesforschungsministeriums zur Sicherheitsforschung ist die Hauptstadtregion auch in Sachen Forschungsaktivitäten ganz weit vorne platziert; 130 entsprechende Unternehmen und Institutionen sind hier ansässig. Zum Vergleich: Platz zwei belegt Nordrhein-Westfalen mit 84, Platz drei Baden-Württemberg mit 54 Unternehmen und Einrichtungen.

Aufgabe der Gastprofessur

Aufgabe von Gastprofessor Marian Margraf ist es, das spezialisierte Masterprogramm mit dem Vertiefungsschwerpunkt „Digitale Identität“ an der Universität weiterzuentwickeln. Dabei geht es darum, IT-Sicherheit und Datenschutz für jeden Nutzer lebbar zu machen. „Wir nennen das „benutzbare Sicherheit“. Wir wollen den oft vorhandenen Widerspruch zwischen hoher Sicherheit und einfacher Bedienung aufheben. Ziel ist, den Benutzerkomfort zu steigern ohne dabei an Sicherheit einzubüßen“, beschreibt Margraf seinen Ansatz. Die Lehrveranstaltungen gehen auf die technischen und rechtlichen Grundlagen ein, die beim Datenschutz, der Biometrie oder beim E-Government zum Tragen kommen. Weitere Themen sind die System- und Netzwerksicherheit, das Sicherheitsmanagement oder sichere Anwendungen bei Chipkarten und ID-Dokumenten. Ziel ist es, ID-basierte Sicherheitstechnologien zu erforschen und zu entwickeln, Sicherheitsmanagement für Systeme und Geschäftsprozesse zu betreiben und den hoheitlichen und privatwirtschaftlichen Bereich bei Sicherheitsfragen zu beraten.

„Die enge Vernetzung von Forschung und Praxis macht den Unterschied“

Micha Kraus (26) hat im Fachbereich Mathematik und Informatik der Freien Universität ein Bachelorstudium Informatik absolviert. Aktuell schreibt er im Zuge seines Masterstudiums bei Prof. Marian Margraf seine Abschlussarbeit. Seit vier Jahren arbeitet Kraus in der Innovationsabteilung des Unternehmens als Werkstudent und kann dabei seine theoretischen Kenntnisse aus dem Studium exzellent in die Praxis umsetzen. „Diese enge Vernetzung von Forschung und Praxis macht den Unterschied, denn so kann man sehr effizient technische Lösungen auf höchstem und aktuellstem Niveau realisieren“, sagt Kraus.

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