Lügenmärchen im Netz – so entlarven Sie Fake News

Headerbild Fake News

Sie werden gezielt verbreitet und haben Wirkung. Lesen Sie, was etablierte Medien, Facebook und die Bundesregierung gegen Fake News unternehmen, wie ein Projekt von Bundesdruckerei und Studenten der TU Berlin die Blockchain-Technologie zum Erkennen von Fake News nutzen will – und wie man sich selbst am besten vor falschen Nachrichten im Web schützen kann.

Der Papst unterstützte Donald Trump, Neubürger urinieren an ein christliches Gotteshaus, Hillary Clinton leitet einen Kinderporno-Ring. Was hier sofort unsere Aufmerksamkeit erregen soll, sind Lügenmärchen oder auf Neudeutsch: Fake News. 

Die Mehrheit der Deutschen (57 Prozent ) informiert sich täglich online über das Nachrichtengeschehen1. Ein gutes Viertel nutzt demnach auch soziale Netzwerke zur Information. Dabei sind die meisten der Internetsurfer (59 Prozent) schon einmal mit Fake News in Berührung gekommen2. Das Internet ist zur zweithäufigsten Informationsquelle der  Deutschen aufgestiegen3  – öfter konsumiert wird nur das Fernsehen (73 Prozent).

Fake News sind also weit verbreitet. Oft ist es schwer, sie von echten Meldungen zu unterscheiden. Und nicht jeder Leser will sich die Mühe machen, den Tatsachengehalt auch zu überprüfen. Vor allem Menschen, die sich von der Gesellschaft entfremdet fühlen und die sich in den Massenmedien nicht ausreichend repräsentiert sehen, schenken Fake News Glauben.

Sleeper-Effekt: Plötzlich wird Falsches wahr  

Laut wissenschaftlichen Untersuchungen aus den 1950er- Jahren zum sogenannten  Sleeper-Effekt erinnern sich Menschen auch nach einiger Zeit noch an die Inhalte von manchen Botschaften, haben jedoch die Quelle vergessen. Manche Personen, die eine Meldung als falsch erkannt hatten und sie für unglaubwürdig hielten, haben dies zwischenzeitlich vergessen und glauben nun der Nachricht. Zudem halten Menschen Fake News, denen sie mehrfach ausgesetzt sind, irgendwann für plausibel und wahr. Das zeigt deutlich: Gegen falsche Nachrichten ist kaum jemand immun.

Fake News werden so häufig geglaubt, weil Menschen das Bedürfnis haben, ihre eigenen Ansichten bestätigt zu sehen. Deshalb haben Falschmeldungen oft einen politischen Inhalt: Sie vermitteln den Kritikern etablierter Systeme das Gefühl, mit ihrer Meinung nicht allein oder im Recht zu sein. Eine abweichende Berichterstattung in etablierten Medien wird als voreingenommen empfunden. Entsprechend werden Fake News gerne in sozialen Medien geteilt und unter Gleichgesinnten weiterverbreitet.

Postfaktische Gesellschaft

Ein Phänomen – als „postfaktisch“ bezeichnet – erleichtert die Verbreitung von Falschmeldungen: Häufig werden Wahrheitsgehalt und Quellen der Nachrichten nicht hinterfragt. Vielmehr sind die Leser zunehmend bereit, Fakten zu ignorieren oder sogar offensichtliche Lügen als Wahrheit zu akzeptieren. Als etablierte Medien Anfang des Jahres  2017 eine Aussage von Donald Trump über die Zuschauerzahl bei seiner Vereidigung in Zweifel zogen, erklärte eine Sprecherin, man habe „alternative Fakten“ anbieten wollen. Dabei gilt: je aufsehenerregender die Schlagzeile, desto höher die Reichweite.
 

83 Prozent glauben, dass Falschmeldungen Wahlen beeinflussen können, und fast drei Viertel gehen davon aus, dass Populisten durch Fake News an Zustimmung gewinnen.
Quelle: YouGov

Menschen, die sich die Mühe machen, solche Nachrichten zu hinterfragen, können darüber möglicherweise schmunzeln und sie einfach ignorieren. Werden Fake News hingegen als wahr angenommen, können sie eine fatale Wirkung entfachen, die an Propaganda erinnert. Laut einer Erhebung4 sind neun von zehn der befragten erwachsenen Deutschen davon überzeugt, dass Fake News zur Diskriminierung von bestimmten Gruppen führen können. Acht von zehn glauben, dass Falschmeldungen Wahlen beeinflussen können, und fast drei Viertel gehen davon aus, dass Populisten durch Fake News an Zustimmung gewinnen.

Eigeninitiative gefragt

Entsprechend halten Internetnutzer  Fake News für ein großes oder sehr großes Problem5. Laut Uni Mainz  sind sich die Nutzer aber „offenkundig im Klaren darüber, dass sie im Internet zwischen mehr oder weniger seriösen bzw. vertrauenswürdigen Angeboten unterscheiden müssen“. Öffentlich-rechtliche Medien haben reagiert und wollen nach eigenen Angaben mit ihren Initiativen „faktenfinder“ und „#ZDFcheck17“ Fake News frühzeitig erkennen6. So achten faktenfinder-Projektleiter Patrick Gensing und sein Team etwa darauf, welche politisch relevante Nachricht sich in kurzer Zeit sehr weit verbreitet. Mit dem Projekt wolle man auch herausfinden, wie groß das Phänomen Fake News in Deutschland tatsächlich ist. „Damit sich die Wähler fair entscheiden können, müssen sie wissen, welche Information richtig ist und welche falsch“, heißt es dazu beim ZDF. 

Facebook reagiert

Auch das soziale Netzwerk Facebook positioniert sich gegen „Enten“: Im Frühjahr startete das Unternehmen eine Anzeigenkampagne in überregionalen Tageszeitungen mit Tipps zum Erkennen von Falschmeldungen. Die Hinweise werden auch auf der Plattform selbst publiziert. Gleichzeitig würden verdächtige Konten gesperrt und deren Betreiber aufgefordert, ihre Identität zu bestätigen. Laut Facebook-Managerin  Shabnam Shaik ist man so bereits bei 30.000 möglichen Fake-Konten in Frankreich vorgegangen7. Inzwischen gibt es eine Meldefunktion, wenn Nutzer  einen Verdacht auf Falschmeldungen haben. Erhärtet sich durch die Facebook-Überprüfung dieser Verdacht, sollen die Posts seltener angezeigt und mit einem Warnhinweis versehen werden. Bei Facebook sind Nutzer verpflichtet, sich gegenüber dem Netzwerk auszuweisen, andere Netzwerke – etwa Twitter – verzichten darauf. Uneins sind sich die Netzwerkbetreiber, ob eine Klarnamenpflicht Fake News verhindern würde.

Bundesjustizminister Maas bekämpft Hetze und Fake News in sozialen Netzwerken seit dem Sommer 2017 mit einem Gesetz: dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG). Es verpflichtet große Internetnetzwerke zu einem härteren Vorgehen gegen Hetze und Terrorp ropaganda. So müssen in sozialen Netzwerken etwa strafbare Inhalte, wenn sie gemeldet wurden, innerhalb eines Tages  gesperrt oder gelöscht werden. Das Gesetz ist umstritten, da es aus Sicht der Kritiker nun den Netzwerken und nicht den Gerichten überlassen wird zu entscheiden, was strafbar ist. Der Digitalverband Bitkom sieht Verstöße gegen die grundgesetzlich garantierte Meinungsfreiheit sowie gegen Europarecht. Das werde von einem Rechtsgutachten untermauert8.

Projekt von TU Berlin und Bundesdruckerei zu Fake News

Um mehr über den Schutz und die Integrität von Wissen in digitalen Medien zu lernen, unterstützt die Bundesdruckerei  ein studentisches Projekt am Lehrstuhl „Complex and Distributed IT Systems “ der TU Berlin. Unter Leitung von Professor Florian Tschorsch entwickeln die Studenten auf Basis von Blockchain-Technologien eine Lösung, mit der die Verfälschung von News im Internet gekennzeichnet werden soll . Ziel ist es zu lernen, wie digitales Wissen – auch urheberrechtlich – geschützt und nachvollziehbar und somit vertrauenswürdig gestaltet werden kann. Dabei werden im Internet die Informationen eines Autors untrennbar mit einem persönlichen Zertifikat verbunden. Werden diese Informationen von Dritten weiterbearbeitet, werden deren Zertifikate hinzugefügt. So entsteht eine Zertifikatskette, die stets nachvollziehbar macht, von wem die Information stammt und wer sie wie verändert hat. Sollte ein „Fake-News-Autor“ die Informationen aus dem Kontext  reißen oder Bilder manipulieren, würde die Zertifikatskette dies abbilden und der Nutzer die Manipulation erkennen.
 

7  Tipps zum Entlarven von Fake News

Medienkonsumenten sind in jedem Fall gut beraten, Nachrichten immer auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Lesen Sie unsere sieben Tipps dazu:

  • Sind Überschrift und Inhalt einer Nachricht sehr reißerisch und rufen starke emotionale Reaktionen hervor, hinterfragen Sie den Gehalt  der Information.
  • Prüfen Sie, ob Sie dem Absender der Nachricht vertrauen können. Ist die Website, auf der Sie die Meldung gefunden haben, verifiziert und echt? Kennen Sie den Absender? Lässt sich mehr zum  Autor erfahren?
  • Ist die Quelle der Nachricht vertrauenswürdig? Wird überhaupt eine Quelle angegeben? Ist der Kontext nachvollziehbar?
  • Seien Sie skeptisch, wenn ein Artikel lediglich eine Perspektive aufzeigt und nur eine Quelle zu Wort kommen lässt.
  • Wird die Nachricht auch von anderen Medien aufgegriffen? Finden Sie die Meldung lediglich einmal im Netz, kann dies ein Hinweis auf Fake News sein.
  • Wurde das Foto oder Video zur Meldung möglicherweise manipuliert? Passt es zum Inhalt? Recherchieren Sie im Internet die Quelle des Fotos oder Videos.
  • Nutzen Sie ein breites und ausgewogenes Medienspektrum, um sich zu informieren.

[1] Quelle: Universität Mainz,
[2] Quelle: Landesanstalt für Medien (LfM) NRW,
[3] Quelle: YouGov,
[4] Quelle: YouGov, Statista,
[5] Quelle: Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF-Digitalkanals,
[6] Quelle: MEEDIA und MEEDIA, 2017,
[7] Quelle: tagesschau.de, 2017,
[8] Quelle: Bitkom, 2017,

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