Wir haben Pionierarbeit geleistet und Silos aufgebrochen

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Vor zwei Jahren hat das Berliner Einstein Center Digital Future (ECDF) seine Arbeit aufgenommen. Florian Tschorsch wurde als erster Professor berufen. Seine Professur zum Thema „Distributed Security Infrastructures“ wird von der Bundesdruckerei finanziert. Wir fragen nach, wie sich die Aufgaben entwickelt haben, welche Ziele er schon erreicht hat und wie er es selbst mit der IT-Sicherheit und dem Datenschutz hält.

Herr Professor Tschorsch, das ECDF wurde vor zwei Jahren gegründet. Wie hat es sich aus Ihrer Sicht entwickelt? Was ist das Besondere am ECDF?

Professor Florian Tschorsch: Wir haben Pionierarbeit geleistet und sowohl administrativ als auch akademisch Silos aufgebrochen. In anderen Institutionen arbeiten die einzelnen Fachbereiche für sich und über die Fakultäten hinweg gibt es wenig Austausch.

Florian Tschorsch

Florian Tschorsch ist Juniorprofessor am ECDF in Berlin (Fotonachweis: ECDF/PR/Noak)

Das ist am ECDF anders. Wir haben mehrere Universitäten in Berlin und verschiedene Disziplinen miteinander vernetzt. Damit nehmen wir eine Vorbildrolle ein. Das war ein hartes Stück Arbeit und mich beeindruckt, was in den vergangenen zwei Jahren hier geschehen ist.

Wie muss man sich diesen Austausch im Alltag vorstellen?

F. T.: Es gibt beispielsweise regelmäßige Meetings dafür im ECDF. Jeden Montag etwa sind alle 30 inzwischen berufenen Professorinnen und Professoren und oft auch die wissenschaftlichen Mitarbeiter im ECDF. Da trifft man sich dann ganz klassisch und niedrigschwellig schon in der Kaffeeküche. Ich bin dort beispielsweise mit meinem Kollegen Jochen Rabe ins Gespräch gekommen, der sich mit Stadtplanung beschäftigt. Er erzählte mir von der Herausforderung der Bürgerbeteiligung bei der Stadtentwicklung in Berlin. Wir haben schnell festgestellt, dass ich mit meiner Arbeit und der Blockchain-Technologie helfen kann. Inzwischen ist daraus ein zweijähriges Förderprojekt entstanden und wir bauen gerade eine digitale Plattform als Prototyp mit App, um Bauvorhaben digital zu begleiten und transparente, nachvollziehbare Bürgerpartizipation zu ermöglichen.

Das Tor-Netzwerk bietet die Möglichkeit, im Internet anonym unterwegs zu sein und somit seine Privatsphäre zu schützen.
Prof. Dr. Florian Tschorsch

Sie bezeichnen sich selbst als „Tor-Enthusiast“. Was ist das Tor-Netzwerk eigentlich und welche Probleme kann es aus Ihrer Sicht lösen?

F. T.: Das Tor-Netzwerk bietet die Möglichkeit, im Internet anonym unterwegs zu sein und somit seine Privatsphäre zu schützen. Mit diesem Werkzeug kann der Nutzer selbst entscheiden, ob er privat oder nicht privat surfen möchte. Das finde ich gut. In vielen Ländern ist freie Meinungsäußerung ein Problem. Das Tor-Netzwerk und unsere Forschungsarbeit dazu leisten einen wichtigen Beitrag, um Anonymität im Netz zu ermöglichen.
In diesem Semester bieten wir übrigens eine wöchentliche Ringvorlesung zum Thema Internet und Privatheit auf dem Campus der Technischen Universität an, an der auch die Öffentlichkeit teilnehmen kann.

Angenommen, Sie hätten einen Wunsch frei, um die Privatsphäre im Netz zu erhöhen.

F. T.: Ich würde mir wünschen, dass der Datenschutz nicht als leidiges und nerviges Thema wahrgenommen wird. Wir sollten ihn eher als Chance begreifen. Gute Datenschutzregeln können auch ein Standortvorteil sein gegenüber anderen Ländern.

Wie halten Sie es denn persönlich mit der IT-Sicherheit und dem Datenschutz?

F. T.: Ich habe einen verhältnismäßig hohen Sicherheitsstandard. Natürlich muss man immer einen Kompromiss finden zwischen Benutzbarkeit und Sicherheit. Ich nutze beispielsweise einen Passwortmanager, die sind inzwischen ganz brauchbar. Die Passwörter synchronisiere ich aber auf unterschiedlichen Endgeräten händisch und ohne Internetcloud. Ich nutze eine Zwei-Faktor-Authentifizierung, weil sie mehr Schutz bietet. Und wenn eine App, die ich installieren möchte, zu viele Daten von mir haben will, dann verzichte ich auf den Dienst. Ich versuche, meinen Daten-Footprint so gering wie möglich zu halten. Für mich gilt der Spruch „There is no free lunch“ – deshalb nehme ich auch an keinem Bonus-Programm teil, auch wenn der Rabatt noch so attraktiv scheint. Am Ende würde ich mit meinen Daten zahlen.

Vor zwei Jahren zu Beginn Ihrer Professur war eines Ihrer Ziele, mit den Studierenden neue Gedanken und Perspektiven etwa zum Thema Anonymität und Privatsphäre im Internet zu entwickeln. Haben Sie schon neue Erkenntnisse gewonnen?

F. T.: Ich stelle fest, dass das Thema Privatsphäre im Netz in der Community weiter lebendig diskutiert wird. Einiges davon ist in der Politik inzwischen angekommen. Das zeigt etwa die Datenschutz-Grundverordnung. Das zählt für mich zunächst. Ob es aber tatsächlich schon etwas verändert hat? Ich bin sehr zuversichtlich und habe Vertrauen in uns Wissenschaftler, dass wir technologische Lösungen entwickeln werden, mit denen der Datenschutz so umgesetzt werden kann, dass alle Beteiligten damit umgehen können. Beispielsweise ist es für viele Anwendungsszenarien in der Telemetrie gar nicht notwendig, die Daten hochauflösend im Klartext aufzuzeichnen. Stattdessen könnten Maßnahmen der Datenaggregation dabei helfen, den Datenschutz umzusetzen, und weiterhin Datenauswertungen ermöglichen. Das erfordert häufig mehr Vorbereitung, folgt dann aber auch dem Ziel der Datensparsamkeit.

Sie wollen die Blockchain-Technologie dafür nutzen, Fake News leichter zu erkennen, und zudem die Blockchain-Technologie weiterentwickeln. Wo stehen Sie bei diesen Projekten aktuell?

F. T.: Augenblicklich arbeiten wir an einem Projekt des Bundesforschungsministeriums zur Datenanonymisierung. Es geht darum, wertvolle Informationen in Daten anonym zu nutzen, also ohne Bezug zu individuellen Personen. In Sachen Fake News haben wir gemeinsam mit der Bundesdruckerei ein System entwickelt, das die Quelle von Informationen nachvollziehbar macht. Das hilft noch nicht dabei, Fake News zu vermeiden, aber sicherlich, Fake News leichter zu erkennen. Beim Thema Blockchain schlagen wir ja mit dem Bürgerbeteiligungs-Projekt gerade eine schöne Brücke ins ECDF. Bei allen Themen arbeiten wir an vielen Fronten und stoßen auf reges Interesse bei unseren Zielgruppen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Professor Tschorsch.
 

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