Künstliche Intelligenz: Was ist das eigentlich?

Denn wir wissen nicht, was sie tun

Künstliche Intelligenzen lösen immer mehr Probleme. Weil sie im Zuge der Automatisierung auch mehr Entscheidungen treffen werden, müssen wir uns mit der Frage auseinandersetzen: Wie funktioniert künstliche Intelligenz überhaupt?

Denn wir wissen nicht, was sie tun

Wenn wir an künstliche Intelligenz (KI) denken, kommt immer auch ein Gefühl der Ungewissheit auf. Algorithmen lesen, schreiben, malen Bilder und ziehen aus riesigen Datenmengen eigene Schlüsse. Diese Fähigkeiten bringen sie sich selbst bei. Doch wir wissen nicht, wie.

Weil nun Intelligenz jene Fähigkeit ist, die den Menschen an die Spitze der Evolution gebracht hat, fragen wir uns: Wie ernst zu nehmen ist die kognitive Konkurrenz der Maschinen?

Intelligenz beschreibt Menschen, nicht Maschinen

Wir wissen zwar, dass Watson, AlphaGo oder derzeit noch fiktive Maschinen wie der Android „Ava“ im Film „Ex Machina“ künstliche Intelligenzen sind. Aber eine allgemein anerkannte Definition gibt es nicht.

Ein System heißt intelligent, wenn es selbstständig und effizient Probleme lösen kann.
Professor Klaus Mainzer

Das Problem: Intelligenz ist ein aus der Psychologie stammender Sammelbegriff für die kognitive Leistungsfähigkeit des Menschen – nicht die von Maschinen. Weil die Fähigkeiten des Menschen so vielfältig sind, macht der US-amerikanische Kognitionsprofessor Howard Earl Gardner die Lage noch verzwickter und unterscheidet acht verschiedene Intelligenzen.

Intelligenz ist nicht gleich Intelligenz

Die logisch-mathematische Intelligenz wäre demnach die Domäne, in der Maschinen uns mittlerweile überflügeln. Dank der binären Funktionsweise ihrer Transistoren können sie unschlagbar schnell und präzise rechnen. In Sachen körperlich-kinästhetischer Intelligenz hingegen können Maschinen bei Weitem noch nicht mit Menschen mithalten: Roboter stolpern über die Komplexität der unstrukturierten Daten der für uns so einfach wahrnehmbaren Umwelt.

Künstliche Intelligenz funktioniert nach folgendem Prinzip: Daten werden als Input von Algorithmen, also nach bestimmten Regeln, zu Output verarbeitet. Neuronale Netze bilden beim sogenannten Machine Learning das menschliche Lernverhalten nach. Per Belohnungsfunktion optimiert sich der Algorithmus selbst, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Dabei geht es vor allem darum, Muster zu erkennen.

Wenn eine KI Gesichter auf Fotos identifiziert, geschieht dies mathematisch und nach den Gesetzen der Logik. Und weil Informatiker immer mehr Phänomene unserer Welt mit der Sprache der Mathematik beschreiben, lösen künstliche Intelligenzen auch immer mehr unserer Probleme. Als intelligent gelten sie aber erst, wenn sie dies eigenständig tun.

Künstliche Intelligenzen sind Fachidioten

Wollen wir KI definieren, müssen wir also eine mathematische Perspektive einnehmen. Wie der Wissenschaftstheoretiker Professor Klaus Mainzer: „Ein System heißt intelligent, wenn es selbstständig und effizient Probleme lösen kann. Der Grad der Intelligenz hängt vom Grad der Selbstständigkeit, dem Grad der Komplexität des Problems und dem Grad der Effizienz des Problemlösungsverfahrens ab.“ Komplexität und Effizienz seien dabei Größen, die sich berechnen lassen.

Rund 50 Prozent der Jobs in Deutschland könnten der Automatisierung zum Opfer fallen. Branchen aus den Bereichen Produktion, Gastronomie und Hotellerie weisen das höchste Automatisierungspotenzial auf.
McKinsey & Company

Dass sich Mainzers Definition nur auf jeweils ein Problem bezieht, macht deutlich, was künstliche Intelligenz heute vor allem ist: sehr speziell. Spezielle Programme können spezielle Probleme lösen – sei es im Go-Spiel oder beim autonomen Fahren. Allerdings müssen neuronale Netze für neue Probleme vom Menschen neu konfiguriert werden. Künstliche Intelligenzen sind Fachidioten. Denn AlphaGo ist zwar ein sehr guter Go-Spieler. Aber das Kommunikationskonzept zur Markteinführung einer neuen Handcreme kann sich der Algorithmus nicht ausdenken, schon gar nicht ohne Hilfe des Menschen. Wir haben es heute demnach mit sogenannter schwacher KI zu tun. Eine starke KI, die ähnlich wie der Mensch fähig ist, eigenständig viele verschiedene Probleme zu lösen, und die uns gefährliche Konkurrenz machen könnte, ist hingegen noch nicht in Sicht.

Die menschliche Perspektive verlassen

Was KI ist, fragen wir uns aus unserer menschlichen Perspektive heraus. Und weil künstliche Intelligenzen in immer mehr kognitiven Bereichen leistungsfähiger werden als wir – sie können mittlerweile sogar unsere Gefühle erkennen –, führt uns die Frage unweigerlich zu einer noch tiefer liegenden: Was unterscheidet den Menschen von der Maschine?

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