Im Angesicht der Berliner Mauer

Im Angesicht der Mauer

Die Berliner Mauer hatte großen Einfluss auf die Geschichte der Bundesdruckerei. Lesen Sie in der Unternehmens-Chronik über diese historisch interessante Zeit.

Herausforderungen und Aufschwung

Während der Berlin-Blockade durch die Sowjetunion stand die neugegründete „Staatsdruckerei Berlin“ vor immensen Herausforderungen. Auf die Einführung der Deutschen Mark durch die West-Alliierten reagierte die Sowjetunion mit der Berlin-Blockade. So ging plötzlich nichts mehr – alle Ausfuhren wurden gestoppt, Lieferungen blieben aus. In Frankfurt am Main, später in Neu-Isenburg und Bonn, wurden daraufhin Zweigstellen gegründet. So sollte die autarke Herstellung von Dokumenten und die Wiederaufnahme der Banknotenproduktion sichergestellt werden.

Mit Ende der Blockade und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland kam für die umgetaufte „Bundesdruckerei“ der große Aufschwung: Neben dem Druck von Millionen Identitätsdokumenten sowie Postwert- und Steuerzeichen, Angestellten- und Arbeiterversicherungsmarken, Postsparbüchern und Patentschriften begann die Druckerei ab 1956 D-Mark-Banknoten zu produzieren. Der Betrieb avancierte zum größten Arbeitgeber Kreuzbergs.

81 Mitarbeiter, die jetzt noch im Ostteil der Stadt wohnten, durften fortan nicht mehr zur Arbeit – Schicksale, die sich in diesen Tagen allenthalben in der Stadt abspielten.

Ein Arbeitsleben im Schatten der Berliner Mauer

Im August 1961 spielten sich dann direkt vor der Haustür der Bundesdruckerei dramatische Szenen ab: Grenztruppen der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) riegelten die Stadt von der Außenwelt ab – und bauten die Berliner Mauer. Ein Wall mit rund 155 Kilometer Länge wurde hochgezogen, der direkt entlang des Firmengeländes der Bundesdruckerei verlief.

Die Bundesdruckerei hatte bereits in den Vorjahren 450 Grenzgänger aus der Belegschaft vorsorglich in westliche Bezirke umgesiedelt. 81 Mitarbeiter, die jetzt noch im Ostteil der Stadt wohnten, durften fortan nicht mehr zur Arbeit – Schicksale, die sich in diesen Tagen allenthalben in der Stadt abspielten.

Mit der Entspannungspolitik beider Staaten und dem Transitabkommen von 1971 entfielen etliche Hürden auf den Verkehrswegen von und nach West-Berlin, das somit wieder ein gutes Stück an die Bundesrepublik heranrückte. Doch die Versorgung der Exklave unterlag weiterhin eigenen Gesetzen: Rohstoffe wie Papier mussten für die Bundesdruckerei über Tempelhof und Tegel ein- und fertige Druckerzeugnisse ausgeflogen werden.

Für die Deutsche Bundesbank eine kostspielige Angelegenheit. 1979 fragte das Institut bei der Staatsbank der DDR an, ob die Volkspolizei Geldtransporte auf dem Landweg geleiten könnte. Das Ministerium des Innern der DDR verweigerte die Unterstützung aus politischem Kalkül, da es das Wirken der Bundesdruckerei in West-Berlin damit „quasi legalisieren“ würde.

Wiedervereinigung als Jahrhundertaufgabe für die Bundesdruckerei

Die deutsche Teilung dauerte fast drei Jahrzehnte und ging erst mit dem Mauerfall vom 9. November 1989 zu Ende. Eben noch im Schatten des Eisernen Vorhangs, lag die Bundesdruckerei plötzlich mitten im neuen politischen Zentrum. Die Auftragslage zog deutlich an: Zehntausende Bundesbürger benötigten Reisepässe, um in die Noch-DDR zu reisen. Und nach der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurden nach und nach 16 Millionen Bürger aus der ehemaligen DDR mit neuen Personalausweisen und Reisepässen ausgestattet.

Die Bundesdruckerei stand dazu mit den neuformierten Behörden im Osten in engem Kontakt. Diese erhielten Informationen über die Abläufe zum Ausstellen von Identitätsdokumenten und wurden mit ausreichend Formularen und Vordrucken versorgt. An anderer Front neigten sich die Bestände der Bundespost allmählich dem Ende zu, Grund war der rasante Anstieg des Postverkehrs. Briefmarken mussten in höherer Stückzahl bereitgestellt werden. Nicht zuletzt war die neue Banknotenserie der D-Mark eine große Herausforderung, die nun für viel mehr Bürger als vorher geplant ausreichen musste.

 

Durch die deutsche Wiedervereinigung kam es somit auch zur Wiedervereinigung alter Kollegen, die über Nacht durch die Berliner Mauer getrennt worden waren – 28 Jahre zuvor.

Um diese Jahrhundertaufgabe zu bewältigen, strukturierte die Bundesdruckerei den Produktionsprozess um. Nun konnten mehr Identitätsdokumente und Banknoten produziert werden. Ein Dreischichtsystem wurde eingeführt, der Maschinenpark lief damit Tag und Nacht auf Hochtouren. Zugleich war der Personalbedarf enorm: Die Bundesdruckerei musste allein im Jahr 1990 rund 700 neue Mitarbeiter einstellen. Viele qualifizierte Fachkräfte aus der ehemaligen DDR fanden eine passende Stelle. Durch die deutsche Wiedervereinigung kam es somit auch zur Wiedervereinigung alter Kollegen, die über Nacht durch die Berliner Mauer getrennt worden waren – 28 Jahre zuvor.

25 Jahre Mauerfall: Lichtgrenze an der Bundesdruckerei

Am 9. November 2014 feierte Berlin den 25. Jahrestag des Mauerfalls mit einer sehenswerten Aktion: Anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten markierte eine Lichtgrenze aus rund 8.000 leuchtenden Ballons den ehemaligen Mauerverlauf. Mittendrin: die Bundesdruckerei, denn die Lichtinstallation schlängelte sich – ebenso wie der seinerzeitige Mauerverlauf – direkt am Gelände in der Kommandantenstraße entlang. Die 15 km lange Lichtinstallation, die nach einer Idee von Christopher und Marc Bauder entwickelt wurde, erinnerte an die ehemals geteilte Stadt. Zum Abschluss der Feierlichkeiten überwanden zahlreiche Ballon-Paten symbolisch die Teilung der Stadt, indem sie in einer gemeinschaftlichen Aktion die Ballons aufstiegen ließen.

Die Unternehmenschronik der Bundesdruckerei

Die heutige Bundesdruckerei und ihre Vorgängerunternehmen blicken auf eine spannende und wechselvolle 250-jährige Geschichte zurück. Unter dem Titel „Vom Staatsdruck zum ID-Systemanbieter. 250 Jahre Identität und Sicherheit“ ist dazu die 184-seitige Unternehmenschronik im August Dreesbach Verlag (ISBN 978-3-944334-14-1) erschienen. Das 184 Seiten umfassende Werk ist für 34,90 Euro erhältlich. Bei Interesse schicken Sie Ihre Bestellung bitte an die E-Mail-Adresse info(at)augustdreesbachverlag.de direkt an den Verlag.

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