Die Daten gehören den Autofahrern

Die Daten gehören den Autofahrern
Matthias Wissmann und Mathis Rekowski (Illustrationen)

Auf dem Weg zum vernetzten und automatisierten Auto müssen wir auch Datenschutz und IT-Sicherheit garantieren. Nur dann können die technischen Innovationen der Hersteller ein Erfolg werden. Ein Gastbeitrag von Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA).

Die intelligente Vernetzung von Fahrzeugen und die Digitalisierung im und um das Auto werden den Verkehr revolutionieren. Fahrzeuge werden miteinander und mit ihrem Umfeld kommunizieren, sich über die Verkehrslage austauschen und einander vor Gefahren warnen. Damit lässt sich der Verkehr effizienter steuern. Autos werden künftig der Lage sein, durch hochautomatisierte Fahrfunktionen den Fahrer weiter zu entlasten, in kritischen Situationen zu unterstützen oder diese sogar ganz zu vermeiden. Autofahren wird damit noch sicherer, effizienter und komfortabler.
Digitalisierung und Vernetzung erfordern, dass die persönlichen Daten der Nutzer geschützt werden. Die deutsche Automobilindustrie ist sich dessen bewusst. Der VDA hat schon im Jahr 2014 eine Datenschutzerklärung erarbeitet, die auf den Prinzipien Transparenz, Selbstbestimmung und Datensicherheit beruht. Auch mit den für Datenschutz zuständigen Behörden arbeitet er eng zusammen.


Privacy by Design: Mit dieser Anforderung arbeiten die Automobilunternehmen zum Beispiel an technischen Lösungen, die den Datenzugriff nur für bestimmte Personenkreise und Anwendungen erlauben und andere ausschließen. Aber auch organisatorische Maßnahmen werden dazu beitragen, die Daten von Autofahrern zu schützen. So wie sich der Datenschutz weiterentwickelt, entwickeln sich ebenso die Schutzmechanismen im vernetzten Fahrzeug kontinuierlich weiter.
Die Automobilindustrie setzt sich dafür ein, dass künftig sicherere globale Standards gelten, wenn es um die Software und Hardware der Fahrzeuge geht. Beim Remote-Zugriff auf ein Auto muss für mobile Netze ein hohes Sicherheitsniveau verpflichtend sein. Und zwar überall auf der Welt.
 

Wettlauf mit Hackern

Um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, bauen die Hersteller die Datensysteme für die Navigations-, Telematik- und Infotainment-Anwendungen getrennt von Elektroniksystemen ein, die für die Fahrsicherheit relevant sind. Spezielle Hard- und Softwaresysteme schützen die sicherheitsrelevanten Bereiche im vernetzten Fahrzeug zusätzlich vor unerlaubten Zugriffen.

All das erschwert Hackerangriffe. In diesem Bereich sind die deutschen Autohersteller in der Entwicklung vorn. Klar ist aber auch: Es ist stets ein technologischer Wettlauf. Die Automobilindustrie muss der Manipulationsbranche immer zwei Schritte voraus sein.

 

Die Sicherheit hat auch beim automatisierten Fahren höchste Priorität

Beim Thema Datenschutz genießen die deutschen Automobilhersteller und Zulieferer großes Vertrauen: In einer repräsentativen Umfrage von TNS Infratest zum Thema „automatisiertes Fahren in Deutschland“ gaben die Befragten an, dass sie einem Automobilhersteller am ehesten zutrauen, mit ihren Daten verantwortungsvoll umzugehen (37 Prozent). Erst danach folgen der Staat (26 Prozent) und neue Unternehmen im Bereich Mobilität (21 Prozent). Und für die große Mehrheit der Befragten ist Datenschutz ein wichtiges Thema.

Mit der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung des Autos geht es auch Schritt für Schritt mit den automatisierten Fahrfunktionen voran. Dabei hat die Sicherheit oberste Priorität: Die deutschen Hersteller informieren die Kunden genau darüber, was die Systeme schon können und was nicht. Der Fahrer muss bei den heutigen Angeboten und der aktuellen Gesetzeslage immer die Kontrolle behalten können – also etwa die Hände am Lenkrad belassen und den Rückwärtsgang manuell einlegen. Beispiele für automatisierte Fahrfunktionen sind Einparkhilfen oder Spurhalteassistenten.

Sobald wir von der Assistenzstufe aus das tatsächlich automatisierte Fahren erreichen, kann das Fahren teilweise von einem elektronischen System übernommen werden, ohne dass der Fahrer Routineaufgaben noch überwachen müsste. Der Fahrer muss nicht mehr permanent alles kontrollieren. Das System meldet selbstständig, wenn es an seine Funktionsgrenzen kommt, und fordert den Fahrer auf, die Steuerung des Autoszu übernehmen. Die deutschen Hersteller werden diese Systeme aber erst dann auf den Markt bringen, wenn sie technisch ausgereift und mit zuverlässigen Sicherheits- und Kontrollmechanismen ausgestattet sind.In einem solchen Auto sollte es auch einen gesetzlich vorgeschriebenen Datenspeicher für das automatisierte Fahren geben, ähnlich einer Blackbox im Flugzeug. Dieser Speicher zeichnet auf, wann das System aktiv war und wann der Fahrer das Fahrzeug selbst gesteuert hat. Deshalb ist auch die Initiative des Verkehrsministeriums sinnvoll, eine Ethikkommission ins Leben zu rufen, die Regeln für das Verhalten eines automatisierten Autos in Gefahrensituationen entwickeln soll.

Wir brauchen in Deutschland eine chancenorientierte Debatte über das vernetzte und automatisierte Fahren und die damit verbundenen Herausforderungen, keine risikoorientierte. Entscheidend ist dabei auch noch etwas anderes: Der Gesetzgeber muss klarstellen, dass Fahrer nicht zwingend fahrlässig handeln, wenn sie elektronische Systeme die Fahrfunktionen steuern lassen.

Ihre Strategie zum automatisierten und vernetzten Fahren hat die Bundesregierung bereits im Jahr 2015 dargelegt: Durch gezielte Förderungen und Anreize will sie erreichen, dass Deutschland in diesem Bereich der Leitanbieter ist, zum Leitmarkt wird und weiterhin die innovativsten Produkte hervorbringt. Zu den insgesamt fünf Handlungsfeldern dieser Strategie gehören auch die Punkte IT-Sicherheit und Datenschutz: Gemeinsam mit der Industrie und der Wissenschaft wird das Verkehrsministerium IT-Sicherheitsstandards für Fahrzeuge entwickeln, um Hackerangriffe auf Autos zu verhindern. Die Standards sollen dann in weltweit verbindliche Regelungen überführt werden.

In Sachen Datenschutz gibt es klare Vorgaben: Die Fahrer automatisierter und vernetzter Fahrzeuge müssen wissen, welche Daten in ihrem Auto erhoben und verwertet werden und ihre Einwilligung dazu geben. Die Daten aus dem Auto gehören dem Nutzer.

Wie die Vernetzung und Automatisierung des Verkehrs in 20 Jahren genau aussehen wird, wissen wir heute natürlich noch nicht. Sicher ist aber, dass Informationsaustausch und Kommunikation für die vernetzte, automatisierte Mobilität eine herausragende Rolle spielen werden. Die technischen Innovationen, an denen die deutsche Automobilindustrie arbeitet, werden Sicherheit, Komfort und Umweltfreundlichkeit noch einmal deutlich erhöhen. Und wenn wir jetzt den richtigen Weg einschlagen, können wir bei dieser Entwicklung auch die Datensicherheit deutlich verbessern und den Datenschutz nachhaltig und effektiv stärken. Diese Chance sollten wir nutzen. 

 

Matthias Wissmann ist seit 2007 Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Zuvor war er unter anderem Bundesverkehrsminister und Abgeordneter im Deutschen Bundestag.

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