Das bringt die Telematikinfrastruktur

Headerbild Telematik

Seit vielen Jahren ist die Rede von der Telematikinfrastruktur, abgekürzt TI. Doch worum genau geht es da eigentlich? Und wofür ist sie gut?

Die TI vernetzt die Akteure im Gesundheitswesen im Sektor der gesetzlichen Krankenversicherung. Dazu zählen Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Apotheker und Angehörige anderer Heilberufe. Auf Basis der TI können sie sektoren- und systemübergreifend digitale Informationen sicher austauschen. Das soll zu einer effizienteren und schnelleren Kommunikation der Institutionen im Gesundheitswesen führen. Die stärkere Orientierung an der ganzheitlichen Betreuung und Prävention wird zukünftig die Qualität der Patientenversorgung verbessern. Zugang zur TI haben nur registrierte Nutzer. Dafür werden ein elektronischer Praxisausweis (SMC-B) und ein elektronischer Heilberufsausweis (eHBA) benötigt. Die Kommunikation erfolgt verschlüsselt, um die sensiblen Patientendaten zu schützen.

Pflicht- und freiwillige TI-Anwendungen

Bei der TI gibt es sowohl Pflicht- als auch viele freiwillige Anwendungen. Verpflichtend sind künftig etwa der Online-Abgleich der Versichertenstammdaten auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) oder das elektronische Empfangen und Einlösen einer Verordnung (eVerordnung) mit der Karte. Freiwillig können Versicherte etwa Notfalldaten auf der elektronischen Gesundheitskarte hinterlegen oder eine Arzneimitteldokumentation anlegen lassen. In weiteren Schritten soll geklärt werden, wie Patienten Zugriff auf ihre Daten bekommen können. Dafür ist die elektronische Patientenakte (ePA) gedacht, die den Patienten laut E-Health-Gesetz II ab 1. Januar 2021 zur Verfügung gestellt werden soll.

Bundesministerium für Gesundheit bekennt sich zur TI

Von Politik, Wirtschaft und Gesundheitswesen wird die TI aktuell intensiv diskutiert. Öffentliche Spekulationen über die Zukunft der elektronischen Gesundheitskarte und den Aufbau der TI haben Gottfried Ludewig, Abteilungsleiter Digitalisierung im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), im Mai dazu veranlasst, klar Position zu beziehen. Demnach hält das BMG an der TI nicht nur weiter fest, sondern hat die Beteiligten dazu aufgerufen, alle Schritte zu unternehmen, um den Aufbau weiter zu beschleunigen oder etwaige Probleme schnellstmöglich zu lösen. Zusätzlich sollen Versicherte laut Referentenentwurf für ein Gesetz für schnellere Termine und bessere Versorgung (Terminservice- und Versorgungsgesetz) weitere Möglichkeiten zum Zugriff auf ihre elektronische Patientenakte erhalten, etwa durch mobile Authentifizierungsverfahren. Des Weiteren werden strukturelle und organisatorische Zusammenhänge rund um die gematik (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH) geprüft, um in Sachen Interoperabilität, Sicherheit, Schnittstellenoffenheit und Standards schneller sein zu können. Es gelte, so Ludewig, die digitalen Gesundheitsangebote stärker als bisher von den Bedürfnissen der Versicherten her zu denken.

Vorteile der TI

Die TI soll nach Angaben der gematik, die die Gesamtverantwortung für die TI trägt und den TI-Betrieb koordiniert, „das sicherste elektronische Kommunikationsnetzwerk […] werden, das es im deutschen Gesundheitswesen jemals gab“[1]. IT-Inseln und Medienbrüche werden durch die TI vermieden. Es gibt ein einheitliches Konzept für Datenschutz und Datensicherheit. So sichert etwa die Bundesdruckerei-Tochter genua die Anbindung der Leistungserbringer an die TI ab. Öffentliche Prüfstellen zertifizieren die eingesetzten technischen Komponenten, wie z. B. Kartenterminals. Das erhöht laut gematik „die Rechtssicherheit für die Anwender und schafft beim Patienten Vertrauen in die elektronische Übermittlung seiner sensiblen Daten“.

TI-Zeitplan ambitioniert

Das 2015 in Kraft getretene E-Health-Gesetz sowie der Referentenentwurf für ein Terminservice- und Versorgungsgesetz enthalten einen konkreten Fahrplan für die Einführung der digitalen Infrastruktur im Gesundheitswesen. Bundesweit soll die TI-Infrastruktur bis Anfang 2019 abgeschlossen und Arztpraxen und Krankenhäuser sollen flächendeckend angeschlossen sein. Krankenkassen werden verpflichtet, den Versicherten spätestens ab 1. Januar 2021 eine von der gematik zugelassene ePA anzubieten. Ab 2021 soll darüber hinaus ein verbindliches elektronisches Verfahren zur Übermittlung von Arbeitsunfähigkeitsdaten durch Ärzte an Krankenkassen ermöglicht werden.

So funktioniert der Anschluss an die TI

Um die TI vollumfänglich nutzen zu können, brauchen die Vertreter der Heilberufe verschiedene Komponenten:

  • einen Konnektor, über den die Praxis an die TI angebunden wird
  • mindestens ein Kartenterminal
  • einen Praxisausweis (auch Institutionsausweis oder SMC-B = Security Module Card Typ B genannt) zur Registrierung und Anmeldung
  • einen elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) etwa zur Erstellung rechtssicherer elektronischer Unterschriften
  • einen VPN-Dienst für den Zugang zur TI
  • ein Software-Update des Praxisverwaltungssystems (PVS).

Mit dem Praxisausweis etwa, den die Bundesdruckerei seit November 2017 als erster Anbieter zur Verfügung stellt, weisen sich die Heilberufsangehörigen als berechtigte Teilnehmer der TI aus. Ab Ende des Jahres wird die Bundesdruckerei auch den eHBA anbieten.

 

 

[1] Quelle: https://www.gematik.de/telematikinfrastruktur/

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E-Health: Bundesdruckerei von der Gematik als erster Anbieter von Praxisausweisen zugelassen

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