Das Meldeamt kommt nach Hause

Warteschlange Bürgeramt

Die Bundesdruckerei bietet ein komplettes Bürgeramt in einem Koffer. Damit machen Städte und Kommunen ihre Bürgerdienste mobil.

Nicht immer sind Bürger in der Lage, selber zum Meldeamt zu gehen, um dort ihren Ausweis zu verlängern, einen Führerschein zu beantragen oder eine Geburtsurkunde abzuholen. So sind etwa Senioren oftmals nicht mobil – vor allem, wenn sie „weit vom Schuss“ wohnen. Hier kann das „tragbare Bürgeramt“ helfen: Damit kommt das Amt zum Bürger und nicht umgekehrt. Der Bürgerkoffer der Bundesdruckerei ist mit allem ausgestattet, was Amtsmitarbeiter benötigen, um ihre Dienstleistungen auch außer Haus und vor Ort bei den Menschen zu erbringen.

Ein komplettes Bürgeramt in einem Koffer

Der Koffer aus Berlin ist kompakt: 65 Zentimeter breit, 49 Zentimeter tief und 22 Zentimeter hoch. Und sein Inhalt überrascht. Er beinhaltet alles, was ein Bürgeramtsmitarbeiter benötigt, um etwa einen Personalausweise oder Reisepass zu beantragen.

Soll etwa ein Personalausweis beantragt werden, ruft der Mitarbeiter mit dem integrierten Laptop die Daten des Bürgers auf. Die dafür nötige Software des Meldeamtes wird über einen sicheren Zugang im kommunalen IT-Netz bereitgestellt.

Bürgerkoffer

Mit einer Kamera wird ein biometrisches Gesichtsbild des Antragstellers aufgenommen; der Scanner erfasst die Fingerabdruckbilder und auf dem Pad unterschreibt der Bürger. Über ein geschütztes VPN-Netz und via schneller LTE-Verbindung werden die Daten versendet. Die erfassten Daten werden nicht lokal im Bürgerkoffer-Laptop gespeichert, sondern direkt auf einen sicheren Server der Behörde übertragen.

15 Minuten dauert es durchschnittlich, um mit den Geräten im Bürgerkoffer die biografischen Daten eines Bürgers zu erfassen.
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Bedarf für mobile Bürgerdienste ist groß

Der Bedarf für mobile Bürgerdienste wächst. Denn zum einen wird Deutschland immer älter. Einer Bevölkerungsprognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zufolge wird die Zahl der über 80-Jährigen bis zum Jahr 2030 um rund 60 Prozent zunehmen. Zum anderen sinkt die Bevölkerung in ländlichen Regionen kontinuierlich. Und weniger Bürger bedeuten für die Landkreise auch weniger Gewerbe, weniger Arbeit und weniger Steuereinnahmen. Durch die desolate Haushaltslage sind viele Kommunen zu Einsparungen gezwungen und müssen Bürgerbüros schließen. Das bedeutet gerade für ältere Menschen, die ländlich wohnen, längere Anfahrtswege und beschwerliche Behördengänge.

Doch nicht nur ältere, sondern auch jüngere Menschen können vom Bürgerkoffer profitieren. Denn wenn sich in kleinen Universitätsstädten Studenten zu Semesterbeginn ummelden oder einen Zweitwohnsitz beantragen wollen, stoßen die Bürgerbüros schnell an Kapazitätsgrenzen. Mobile Dienste, die etwa in der Uni-Bibliothek geleistet werden könnten, wären eine wirksame Entlastung.

Gute Erfahrungen in Bonndorf und Wittenberg

Bei der Gemeinde Bonndorf im Schwarzwald können körperlich beeinträchtigte Bürger sogar einen Hausbesuch mit Bürgerkoffer beantragen. „Wir haben eine Wohngemeinschaft für körperlich Behinderte und ein Altersheim“, erklärt Sonja Kech, Leiterin des Bürgerservice, „Leute, die da einziehen, sind froh, wenn sie für die Ummeldung nicht ins Rathaus müssen.“ Die Stadt Wittenberg setzt den Bürgerkoffer seit der Pilotphase 2013 ein. In fünf barrierefreien Außenbüros werden regelmäßig Sprechstunden angeboten; durchschnittlich kommen dort zwölf Bürger vorbei. „Auch bei der Anmeldung von Asylbewerbern haben wir den Koffer in Turnhallen eingesetzt“, sagt Karina Austermann, Pressesprecherin der Lutherstadt.

Das Amt zum Tragen

Der Bürgerkoffer ist umfangreich ausgestattet. Dazu zählen: Notebook, Maus, Tintenstrahldrucker, Flachbettscanner, Sensor für Fingerabdrücke, Fotokamera mit Stativ, Signaturpad sowie das Änderungsterminal, mit dem Einträge auf Personalausweise geschrieben oder überschrieben werden können. Hinzu kommt ein Netzwerkrouter mit UMTS-/LTE-Modem und USB-Hub sowie für den bequemen Transport ein Trolley. Zudem kann der Koffer um ein EC-Bezahlterminal ergänzt werden.

Diese kommunalen Dienstleistungen können angeboten werden: Beantragung und Aushändigen von Personalausweisen und Reisepässen, Druck von vorläufigen Dokumenten und Kinderreisepässen, Ausstellen von Aufenthaltsbescheinigungen, Meldebescheinigungen, Führungszeugnissen und Beglaubigungen, Ummeldungen sowie Kfz- und Gewerbeangelegenheiten.