Blockchain-Technologie revolutioniert die Stromversorgung

Einmalig - Stromversorgung

Die Blockchain ist durch den Hype um die Digitalwährung Bitcoin bekannt geworden. Ein Energie-Start-up will die Technologie nutzen, um die Stromverteilung zu koordinieren – und unser Verhältnis zum Strom zu revolutionieren.

Eine Vernetzung, die elektrisiert

Die Blockchain-Technologie wurde ursprünglich entwickelt, um digitale Währungen wie Bitcoin und Ethereum zu ermöglichen, ohne dass es einen zentralen Bankrechner gibt, auf dem der Kontostand gespeichert wird. Doch sie eignet sich auch für alle anderen Vorgänge, in denen zwei Partner sich einigen müssen und diese Einigung festhalten wollen. Die Blockchain ermöglicht es zwei Menschen im Internet, Geschäfte einfacher direkt miteinander abzuwickeln, ohne dass eine vermittelnde Instanz nötig wäre. Die Daten werden dezentral auf unzähligen Computern gespeichert, jede Transaktion wird im Block notiert.

Die Grenze zwischen Stromerzeugern und -konsumenten verschwimmt

Ein Anwendungsbeispiel ist die Energiewirtschaft: Die Energiewende weicht die klassische Trennung zwischen Stromerzeugern und Stromkonsumenten immer mehr auf: Solaranlagen, Fotovoltaik, Windkraft und Blockheizkraftwerke erzeugen Energie dezentral. Das stellt auch das Netz vor Herausforderungen. Einerseits braucht es große Trassen, um den Strom zum Beispiel aus Windparks zu transportieren. Andererseits ließe sich Strom auch im Block, in der Straße, in der Stadt besser verteilen.

Für ebendiese Verteilung könnte die Blockchain eine große Hilfe sein. Die Idee des Start-ups Conjoule dazu ist ganz einfach: Wer Strom auf dem eigenen Dach erzeugt, kann sich am heimischen Computer aussuchen, an wen er ihn liefern will. Da kommt der Strom nicht mehr aus dem Großkraftwerk, sondern von Frau Schulz mit ihrer Solaranlage in Freiburg, Herrn Meier mit seinem Windrad an der Nordsee oder Landwirt Friedrich mit seiner Biogasanlage im Allgäu. Energiepionier und Mitgründer des Start-Ups Sam Warburton nennt sie Prosumenten, ein Kunstbegriff, zusammengesetzt aus den Begriffen Konsumenten und Produzenten. „Dass wir Blockchain-Technologie nutzen, ist den Kunden eigentlich egal“, sagt Warburton, „worauf es einzig ankommt, ist ein gutes Produkt.“
 

Dass wir Blockchain-Technologie nutzen, ist den Kunden eigentlich egal, worauf es einzig ankommt, ist ein gutes Produkt.
Sam Warburton

Netzstabilität dank Blockchain

Auch für die Anbieter ist die Blockchain interessant. „Die Blockchain ist Ermöglicher der Energiewende. Sie ist einfach eine sehr preiswerte Art, mit Komplexität umzugehen“, sagt Christoph Burger von der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin. „Die Energiewirtschaft hat in der Vergangenheit Trends verschlafen. Diesen Trend will keiner verschlafen.“ Vor allem weil es ein Ansatz ist, der schnell Kosten senken kann.

Für Netzbetreiber wiederum bietet die Technologie noch eine andere Aussicht. Dem niederländischen Netzbetreiber Tennet geht es nicht um einen lokalen Stromhandel, sondern um die Stabilität des nationalen Netzes. In einem Pilotprojekt erprobt das Unternehmen, ob mit der schlauen Verhandlung das Netz entlastet werden kann. In Norddeutschland, in den Windparks vor der Küste, fallen oft große Mengen Windstrom an, die nicht zu den Verbrauchern nach Süddeutschland transportiert werden können. Das Netz wäre überlastet. Doch Tennet nutzt als Puffer 6.000 private Stromspeicher der Kunden der Sonnen GmbH. Das Besondere: Der verteilte Puffer wird nicht zentral gesteuert, sondern steuert sich per Blockchain-Technologie selbst. Die Haushalte tragen damit zur Stabilisierung des Stromnetzes bei, ohne dass ein Zentralrechner eingreifen muss. Die Steuerung jedes einzelnen privaten Stromspeichers passt sich smart an die Lage im Tennet-Netz an.

Die Blockchain wird nicht alles Bestehende ersetzen, aber Neues schaffen

So lässt sich der Einsatz netzstabilisierender Maßnahmen, etwa die teure Abregelung von Windanlagen, auf ein Minimum reduzieren. Und es muss nicht so viel Windstrom „weggeworfen“ werden, weil er nicht transportiert werden kann. Dank dieser neuen Effizienz lässt sich nicht nur Geld sparen, weil weniger neue Leitungen gebraucht werden. Sie schont auch Vorgärten, durch die sonst neue Trassen gebaut würden.

Das deutsche Stromnetz setzt zum Sprung in die Cloud an. „Jetzt kommt es nur noch darauf an, die vielfältigen Beteiligten im Energiesystem intelligent miteinander zu verbinden. Die Blockchain wird nicht alles Bestehende ersetzen. Aber sie wird Neues schaffen“, sagt Energieexperte Burger.
 

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