„eIDAS hilft der Finanzbranche, den digitalen Wandel zu meistern“

Rechtskonform digitalisieren

Erfahren Sie, wie eIDAS der Finanzbranche neue Chancen und Möglichkeiten eröffnet.

Banken und Versicherungen müssen, um sich langfristig im Wettbewerb zu behaupten, ihre Geschäftsprozesse durchgängig digitalisieren und neue digitale Geschäftsmodelle entwickeln. Bei dieser Aufgabe leistet die EU-Verordnung über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste für elektronische Transaktionen im Binnenmarkt“ (eIDAS) wertvolle Unterstützung. Im Experteninterview erläutert Lutz Graf von der Bundesdruckerei GmbH, wie eIDAS der Finanzbranche neue Chancen und Möglichkeiten für die Online-Kreditvergabe, den mobilen Abschluss von Versicherungen und für viele weitere Anwendungen eröffnet.

Wie verändert sich die Finanzbranche durch die Digitalisierung?

Banken und Versicherungen sehen sich zwei zentralen digitalen Herausforderungen gegenüber. Erstens übertragen Kunden ihre Online-Einkaufserfahrungen auch auf die Finanzbranche: Sie erwarten digitale Produkte und Dienstleistungen, die schnell, einfach und jederzeit verfügbar sind. Zweitens dringen neue technologiegetriebene Wettbewerber in die Märkte ein und setzen die etablierten Finanzdienstleister mit kundenfreundlichen digitalen Angeboten unter Druck.

Was bedeutet die eIDAS-Verordnung für Unternehmen allgemein?

Das Ziel von eIDAS ist es, sichere und nahtlose elektronische Transaktionen und Interaktionen im gesamten EU-Raum zu ermöglichen. Mit einem einheitlichen, europaweit gültigen Rechtsrahmen sowie neuen, vereinfachten technischen Verfahren wird die elektronische Kommunikation zwischen Unternehmen, Behörden und Verbrauchern so einfach wie nie zuvor. Damit schafft eIDAS das Fundament für durchgehend digitale Angebote und Prozesse.

Welche Bestimmungen und neuen Verfahren sind für die Finanzbranche besonders relevant?

Anwender sollen sich mit elektronischen Identifizierungssystemen (eID) europaweit elektronisch ausweisen können. Dabei setzt eIDAS auf eine gegenseitige Anerkennung der verschiedenen nationalen eID-Systeme. Diese Anerkennung ist nur für den Behördensektor verpflichtend. Unternehmen können diese Verpflichtung aber freiwillig übernehmen. Das ist für Banken und Versicherungen sehr interessant, weil sich bisher papiergestützte Identifizierungsverfahren komplett durch elektronische Prozesse ersetzen lassen. Die Vorteile sind Zeit- und Kostenersparnisse sowie eine steigende Zahl von neuen Vertragsabschlüssen aufgrund der komfortableren Handhabung. Eine weitere zentrale Neuerung sind zwei zusätzliche Signaturverfahren in Form der mobilen Signatur und des elektronischen Siegels.

Auf dem Markt gibt es bereits Lösungen für die mobile Signatur. Welche Verbesserungen bietet die von eIDAS vorgesehene Fernsignatur?

Die mit dem Stift oder Finger geleistete Unterschrift auf dem Pad oder Smartphone sorgt nicht für Rechtssicherheit bei gerichtlichen Auseinandersetzungen. Denn sie ist keine qualifizierte elektronische Signatur gemäß Signaturgesetz. Eine der wichtigsten Neuerungen der eIDAS-Verordnung ist der Einsatz einer rechtssicheren, aber zugleich benutzerfreundlichen digitalen Unterschrift über Smartphones und Tablets – und das europaweit. Diese sogenannte Fernsignatur erlaubt den Verzicht auf Signaturkarte und Lesegerät. In ihrer Ausprägung als qualifizierte elektronische Fernsignatur ist sie deshalb auch bei Verträgen und Anträgen gültig, die der gesetzlich geforderten Schriftform bedürfen.

Wie wird für Rechtssicherheit gesorgt?

Bei dem neuen Verfahren werden die geheimen Signaturschlüssel auf hochsicheren Servern eines qualifizierten Vertrauensdiensteanbieters (bisher: Trustcenter) verwaltet. Das Auslösen der Fernunterschrift erfolgt über eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Diese Mechanismen können allein vom jeweiligen Benutzer ausgelöst werden. Dies kann neben der Eingabe von Benutzername und Passwort zum Beispiel auch über biometrische Merkmale oder einen Transaktionscode auf dem Mobiltelefon erfolgen. Langfristig werden weitere Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

Was ist das elektronische Siegel?

Das elektronische Siegel überführt den Firmenstempel ins Internetzeitalter. Es stellt den Ursprung und die Unversehrtheit von elektronischen Dokumenten sicher und ist auf eine Organisation ausgestellt. Banken und Versicherungen, die ein Dokument elektronisch siegeln, identifizieren sich eindeutig als Absender und schützen die Daten gleichzeitig vor Veränderungen.

Welche eIDAS-konformen Dienste plant die Bundesdruckerei?

Seit 1. Juli 2016 findet die praktische Umsetzung der eIDAS-Verordnung statt. Die Bundesdruckerei startet dazu in den nächsten Monaten erste Pilotprojekte. Die mobile Unterschrift wird dabei in die Webplattform „sign-me“ integriert. Dienste für das elektronische Siegel folgen. Zudem verfügt die Bundesdruckerei mit D-TRUST über einen qualifizierten Vertrauensdiensteanbieter nach eIDAS-Verordnung mit Standort in Berlin. Qualifizierte Vertrauensdiensteanbieter erfüllen laut eIDAS die höchsten Sicherheitsanforderungen und strengsten Haftungsregelungen.

Welche neuen Anwendungsmöglichkeiten ergeben sich für Finanzdienstleister?

Banken können z. B. Online-Kredite in vollständig digitalen Workflows vergeben. Das beginnt mit dem Nachweis der elektronischen Identität, umfasst die digital geleistete Unterschrift und endet bei der gesiegelten Kreditbescheinigung. Versicherungen sind in der Lage, neben formfreien Vorgängen auch Geschäftsprozesse mit Schriftformerfordernis komplett elektronisch durchzuführen. Das betrifft im Besonderen alle Anträge, die Gesundheitsfragen enthalten, etwa bei Policen für Lebensversicherungen oder privaten Krankenversicherungen. Weitere Anwendungsbereiche sind gesetzlich vorgeschriebene Beratungsprotokolle und Schadensmeldungen, die ebenfalls elektronisch unterschrieben werden müssen.

Wie hoch schätzen Sie das Geschäftspotenzial ein?

Eine aktuelle Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom zeigt großes Potenzial für innovative digitale Finanzprodukte. So können sich 25 Prozent der Internetnutzer vorstellen, online einen Kredit aufzunehmen, und 22 Prozent, online eine Versicherung abzuschließen. Die eIDAS-Verordnung hilft der Finanzbranche, eine neue Strategie für die Digitalisierung zu entwickeln und den digitalen Wandel zu meistern. Entscheidend ist jetzt, nicht abzuwarten, sondern loszulegen.

Mehr Informationen rund um die eIDAS-Verordnung finden Sie in zwei Whitepaper-Ausgaben:
„Die eIDAS-Verordnung – die Basis für ein starkes digitales Europa“
„5 x 5 – die 25 wichtigsten Fragen und Antworten rund um eIDAS“

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