eIDAS – „Es gilt die Chance des digitalen Binnenmarkts jetzt zu ergreifen“

eIDAS

Die eIDAS-Verordnung legt das Fundament für den digitalen Binnenmarkt. Sie bildet den rechtlichen und organisatorischen Rahmen für einen vertrauenswürdigen elektronischen Geschäftsverkehr im gesamten EU-Raum.

Geschäftsführer unterschreiben Verträge mit ihrer elektronischen Signatur. Online-Kredite und Lastschriftmandate werden europaweit elektronisch ausgestellt. Und der Austausch zwischen Bürgern, Unternehmen und Behörden – beispielsweise bei öffentlichen Ausschreibungen oder bei Vollmachten – verläuft EU-weit komplett auf digitalem Weg. Hört sich gut an, doch wie realistisch sind diese Zukunftsszenarien?

Welche Ziele verfolgt eIDAS?

Im Bereich der elektronischen Identifizierung setzt eIDAS auf eine gegenseitige Anerkennung der verschiedenen nationalen eID-Systeme. Mit diesen eID-Systemen können sich Anwender europaweit im Internet identifizieren. Zudem gibt die eIDAS-Verordnung der elektronischen Kommunikation mit Signaturen, Siegeln und Zeitstempeln neue Impulse. Dabei wurden bestehende Verfahren vereinfacht, neue Werkzeuge etabliert und die Voraussetzungen für ein europaweit einheitliches Sicherheitsniveau geschaffen.

Bisher konnten elektronische Signaturen sich in der Breite nicht durchsetzen. Und die bestehende EU-Signatur-Richtlinie hat nicht zu einer europaweiten Nutzung geführt. Wie will eIDAS das ändern?

Die Verordnung erleichtert die Nutzung elektronischer Signaturen durch die Möglichkeit, den Signaturprozess einfacher auszulösen, so kann jetzt auch über mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets signiert werden. Signaturkarten oder eine spezielle Signatursoftware sind somit nicht mehr zwingend notwendig, die Speicherung der geheimen Signaturschlüssel erfolgt auf den Hochsicherheitssystemen eines Dienstleisters. Entscheidend für den EU-weiten Einsatz: Signaturen, die das höchste Sicherheitsniveau erfüllen und in einem Mitgliedstaat nach den eIDAS-Anforderungen ausgestellt wurden, müssen in allen anderen Mitgliedstaaten anerkannt werden.

Welche interessanten Neuerungen gibt es sonst noch?

Das neue elektronische Siegel füllt eine Lücke in der elektronischen Kommunikation. Es stellt den Ursprung und die Unversehrtheit elektronischer Dokumente sicher und weist nach, dass es von einer bestimmten juristischen Person stammt. Das Siegel ist, im Gegensatz zur Signatur, nicht an einen einzelnen Mitarbeiter gebunden, sondern an eine Organisation.

Elektronische Identifizierung, Signaturen und Siegel. Klingt, als ob eIDAS eher für Behörden, aber weniger für das Unternehmens-Umfeld relevant ist?

Das ist ein großer Irrtum. Die eIDAS-Verordnung hat das Potenzial, einen disruptiven Wandel im elektronischen Geschäftsverkehr innerhalb der EU auszulösen – und das im positiven Sinne. So ziehen sich die Vorteile und Nutzeneffekte der eIDAS-Verordnung durch alle Branchen und Wertschöpfungsprozesse.

Können Sie uns dafür ein Beispiel geben?

Die eIDAS-Verordnung macht das digitale Vertragsmanagement so einfach wie nie zuvor. Mit Hilfe elektronischer Signaturen und elektronischer Siegel lassen sich alle Prozessschritte – von der ersten Angebotserstellung bis hin zur finalen Auftragserteilung - nachweisbar digital durchführen. Banken und Versicherungen können Online-Kredite ohne Medienbrüche vergeben. Das beginnt mit dem Nachweis der elektronischen Identität, umfasst die digital geleistete Vertragsunterschrift und endet bei der finalen Kreditbescheinigung. Und auch Firmen im Bereich des Internethandels profitieren erheblich von eIDAS. Besonders solche, die ihren Absatz im EU-Ausland steigern wollen und bei denen aufgrund der gehandelten Werte eine sichere Identifizierung der Kunden notwendig ist. Wichtig: Alle genannten Beispiele gelten für den gesamten EU-Raum mit potenziell 400 Millionen Nutzern.

Wo erhalten Anwender eIDAS-konforme Vertrauensdienste?

Bei vertrauenswürdigen und kompetenten Dienstleistern. Mit D-TRUST verfügt die Bundesdruckerei als einer der wenigen Anbieter über einen eigenen qualifizierten Vertrauensdienst mit Standort in Deutschland. Die angebotenen Produkte, wie die elektronische Signatur, entsprechen schon heute den Anforderungen der eIDAS-Verordnung. Und an den neuen Lösungen – wie die Fernsignatur und das elektronische Siegel – sind in Kürze verfügbar.

Was raten Sie deutschen Unternehmen, noch etwas warten oder sofort beginnen?

Bereits seit Juli 2016 können im gesamten EU-Raum Vertrauensdienste angeboten werden. Unternehmen sollten sich daher Gedanken machen, welche Arbeitsprozesse sie mit den neuen Möglichkeiten optimieren können und auch über neue Geschäftsmodelle nachdenken. Denn eines ist sicher: Die europäische Konkurrenz schläft nicht und Unternehmen, die sich die europäischen Chancen der Digitalisierung entgehen lassen, laufen Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten oder gar ganz vom Markt zu verschwinden.

Kostenloses Whitepaper

Mehr Informationen rund um die eIDAS-Verordnung finden Sie in unserem kostenlosen Whitepaper "Die eIDAS-Verordnung – Die Basis für ein starkes digitales Europa“.

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