Digitalisierung des Gesundheitswesens: der Patient im Fokus

Expertentipp Gesundheitswesen

Eine effektivere Verwaltung von Patientendaten, ein sicherer Austausch von Gesundheitsdaten und eine moderne Patienten-Arzt-Beziehung – etwa durch digitale Rezeptvergabe oder digitale Diagnostik und Fernbehandlung: All das kann die Digitalisierung des Gesundheitswesens erreichen. Zentrales Leitziel dabei ist es, den Patienten in den Fokus zu stellen. Nur so kann er auf Augenhöhe und im Dialog mit Ärzten und Kassen Verantwortung für seine Gesundheit übernehmen.

Eine entsprechende Transformation des Gesundheitssystems benötigt innovative Technologien und Lösungen, nach denen Politik und Wirtschaft aktuell suchen. So vertritt etwa Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Haltung, dass Bürger nur eine digitale Identität benötigen sollten, um damit alle administrativen Dienstleistungen in Anspruch nehmen zu können – von der Abgabe der Steuererklärung über die Beantragung eines Passes bis hin zu Leistungen im Gesundheitswesen.

Patrick von Braunmühl

Patrick von Braunmühl, Leiter Public Affairs der Bundesdruckerei GmbH

Fünf Aspekte, worauf Beteiligte besonders achten müssen

1. Tempo aufnehmen und den Patienten nicht aus den Augen verlieren

Auf politischem Wege muss Tempo zugelegt werden. Die angekündigte Weiterentwicklung des E-Health-Gesetzes – der Referentenentwurf wird für Spätsommer 2018 erwartet – und ein E-Health-Aktionsplan bis zum Jahr 2020 sind richtig und notwendig. Schwerpunkte dabei sollen sein die konsequente und flächendeckende Einführung der Telematikinfrastruktur (TI), die elektronische Patientenakte (ePA) sowie weitere Anwendungen der TI und der elektronischen Gesundheitskarte (eGK), wie der elektronische Medikationsplan und das Notfalldatenmanagement. Mit dem kürzlich veröffentlichten Referentenentwurf für das Gesetz für schnellere Termine und bessere Versorgung (Terminservice- und Versorgungsgesetz) wurden bereits erste Weichenstellungen vorgenommen. Spätestens ab 1. Januar 2021 müssen die Krankenkassen demnach den Versicherten eine von der gematik zugelassene ePA anbieten. Zudem soll ein mobiler Zugriff auf die ePA ermöglicht werden. Begrüßenswert ist, dass der Patient somit weiter in den Fokus rückt.

2. Datensouveränität und Patientenautonomie neu denken

Dank des Einzugs moderner Informationstechnologie ins Gesundheitswesen entwickelt sich aktuell ein neuer Typus: der mündige Patient. Er muss souverän und jederzeit über seine Daten verfügen können – auch via Smartphone. Bei der Entwicklung neuer Technologien und Anwendungen ist zu beachten: Die Datenhoheit und die Verwaltung von Zugriffsberechtigungen müssen ausschließlich beim Patienten liegen. Datenschutz sollte bereits in der Technik verankert sein und damit den Patienten zum Herrn seiner Daten machen. 

3. Digitale Zugänge sicher und komfortabel gestalten

Nachhaltige Digitalisierung funktioniert nur, wenn die digitalen Zugänge einfach und sicher sind. Entsprechende Lösungen zur sicheren Identifizierung und Authentifizierung im Gesundheitswesen, wie der Praxisausweis SMC-B oder der elektronische Heilberufsausweis (eHBA), sind schon jetzt bzw. in Kürze verfügbar. Entscheidend bei allen Entwicklungen ist, dass sie nicht nur sicher, sondern auch bedienerfreundlich sind. Keiner der Beteiligten darf von der Technik überfordert werden.

4. Elektronische Patientenakte vorantreiben

Die ePA wird ein wesentlicher Punkt des geplanten E-Health-Gesetzes 2.0 sein und wurde bereits im Referentenentwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetzes aufgegriffen. Sie ist die Grundlage für eine digital vernetzte Gesundheitswirtschaft und laut Gesundheitsminister Spahn „der Schlüssel zur Digitalisierung“. Ziel der ePA muss es sein, dass zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort alle Informationen über einen Patienten zur Verfügung stehen und möglichst alle administrativen Prozesse automatisiert sind. Basis dafür ist ein sicherer Austausch der Gesundheitsdaten. Dazu gibt es bereits Projektansätze, etwa beim Krebsregister Niedersachsen.

5. Europäische Dimension berücksichtigen

Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens benötigt eine europäische Perspektive. Die Werkzeuge der eIDAS-Verordnung, etwa digitale Siegel, besitzen großes Potenzial, unter anderem für eine sichere digitale Kommunikation zwischen Leistungserbringern, und sollten entsprechend genutzt werden. Schon heute setzen zahlreiche Organisationen, wie die Kassenärztlichen Vereinigungen, Krankenhäuser und Krankenkassen, Lösungen zur sicheren digitalen Kommunikation ein. Doch für eine breite Nutzung von Vertrauensdiensten nach europäischem Standard fehlen teils noch die gesetzlichen Voraussetzungen. Die EU-Kommission hat im April 2018 einen E-Health-Aktionsplan veröffentlicht. In diesem wird angekündigt, zukünftig einen stärkeren europäischen Datenaustausch zu ermöglichen. Dafür sollen unter anderem Vertrauensdienste nach eIDAS-Standard genutzt werden. 

Es ist noch einiges zu tun, bevor das deutsche Gesundheitswesen auf die digitale Zielgerade einbiegen kann: Die Politik muss konkrete Leitplanken vorgeben, die Wirtschaft muss schneller innovative Lösungen liefern und der Blick nach Europa darf nicht vergessen werden. Wird all dies berücksichtigt, ist ein innovativeres und effizienteres Gesundheitswesen bald keine Vision mehr.

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