Die Stiftungsprofessuren der Bundesdruckerei

Ein lebendiger Austausch mit der Wissenschaft und die Förderung des akademischen Nachwuchses – das sind die beiden Kernmotive für die Bundesdruckerei GmbH, Professuren an Universitäten und wissenschaftlich arbeitenden Instituten zu stiften. Wir geben einen Überblick über die unterschiedlichen Professuren, deren Ziele und Erfolge sowie einen Ausblick auf die nahe Zukunft.
Stiftungsprofessuren der Bundesdruckerei

Klare Investition in die Zukunft

Mit ihren Stiftungsprofessuren will die Bundesdruckerei einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung sicherer Identitäten und sicherer Daten leisten und damit wichtige Impulse für die Schlüsseltechnologien der Zukunft geben. „Eine klare Investition in die Zukunft“, so fasst Bundesdruckerei-Geschäftsführer Stefan Hofschen das wissenschaftliche Engagement seines Unternehmens zusammen.

„Innovation braucht größtmögliche Freiräume, denn nur dann sind wir in der Lage, kühne Ideen zu entwickeln und Bekanntes mit Unbekanntem zu verknüpfen. Wir geben mit unseren Stiftungsprofessuren den Freiraum, Neues zu denken, Visionen zu entwickeln und am Ende Veränderung zu erreichen."
Stefan Hofschen
Geschäftsführer Bundesdruckerei Gruppe GmbH

„Deutschland besetzt im internationalen Wettbewerb bei den Hochsicherheitstechnologien einen vorderen Rang, aber wir dürfen nicht warten, bis andere uns einholen. Unsere Aufgabe ist es, in die Zukunft zu schauen und diese Zukunft im Sinne der Gesellschaft mitzugestalten“, so Hofschen. Die interdisziplinären Ansätze in der wissenschaftlichen Arbeit bieten laut Hofschen die Chance, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und das Wissen und die Erfahrungen anderer Disziplinen zu nutzen und neue Lösungen zu erschaffen.

Zeitstrahl Stiftungsprofessur

Erste Stiftungsprofessur 2009: „Secure Identity“

Deshalb hat das Unternehmen schon 2009 die erste Stiftungsprofessur an der Freien Universität Berlin (FU Berlin) im Fachbereich Mathematik und Informatik eingerichtet. Unter Gastprofessor Dr. Volker Roth befasste sich der deutschlandweit erste Lehrstuhl für „Secure Identity“ mit der Erforschung und Entwicklung zukunftsorientierter Identifikationstchnologien. Ein Ziel war es, den dringend benötigten IT-Nachwuchs praxisnah auszubilden und die Studierenden auf die Herausforderungen des internationalen ID-Security-Markts vorzubereiten. Mit dem Lehrstuhl wurde der Know-how-Transfer zwischen Forschung und Wirtschaft gefördert, etwa durch Praktika sowie Bachelor- und Master-Arbeiten. Schon damals standen die Themen Privatheit und Schutz der Identität von Bürgern im Fokus.

„Wir freuen uns, dass wir in Kooperation mit und mit Unterstützung der Bundesdruckerei diese in Deutschland einmalige Stiftungsprofessur einrichten können und einen wichtigen Baustein in der universitären Spitzenforschung der Freien Universität und des Wissenschaftsstandorts Berlin ergänzen können.“
Prof. Dr. Dieter Lenzen
Präsident der Freien Universität Berlin 2003–2010

Zweite Stiftungsprofessur an der FU Berlin zu „Identity Management“ eingerichtet

Um die Wissenschaftsarbeit auch nach Ablauf der vereinbarten fünfjährigen Laufzeit der Stiftungsprofessur fortzusetzen, finanzierte die Bundesdruckerei mit Beginn des Wintersemesters 2014/2015 erneut eine Professur. Sie wurde im Bereich „Identity Management“ an der FU Berlin angesiedelt und mit Gastprofessor Dr. Marian Margraf besetzt. Die Professur wurde zwischenzeitlich zweimal verlängert und endete planmäßig Ende März 2021.

Die Freie Universität Berlin (kurz: FU Berlin) wurde 1948 gegründet und hat ihren Sitz und zentralen Campus in Berlin-Dahlem. Gemessen an der Zahl der Studierenden gehört sie zu den 20 größten Hochschulen in Deutschland. Im Zuge der Exzellenzinitiative 2007 und 2012 wurde die FU Berlin als erste „Exzellenzuniversität“ Berlins ausgezeichnet. Zusammen mit der Humboldt-Universität zu Berlin, der TU Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin wurde sie 2019 in die Exzellenzstrategie von Bund und Ländern aufgenommen.

Die Technische Universität Berlin (kurz: TU Berlin) in Berlin-Charlottenburg ist mit rund 35.600 Studierenden in 90 Studiengängen die drittgrößte der vier Berliner Universitäten. Sie zählt zu den ältesten technischen Hochschulen und gehört zu den 20 größten Hochschulen in Deutschland. Die TU Berlin ist Gründungspartner des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie.

Berlin ist Gründungspartner des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie.

Das Einstein Center Digital Future (kurz: ECDF) ist das Zentrum für Digitalisierungsforschung in Berlin. Seit 2017 forschen hier Wissenschaftler im Kernbereich digitale Infrastrukturen, Methoden und Algorithmen sowie in den Innovationsbereichen digitale Gesundheit, digitale Gesellschaft und digitale Industrie und Dienstleistungen.

Positives Fazit

Die Bundesdruckerei ist mit den Ergebnissen der Arbeit voll und ganz zufrieden. „Das war eine absolute Erfolgsstory“, fasst Dr. Manfred Paeschke, Chief Visionary Officer der Bundesdruckerei, die letzten sechseinhalb Jahre zusammen. Sowohl inhaltlich als auch menschlich habe es einfach gepasst. „Mit Prof. Dr. Marian Margrafs Hilfe haben wir gut bewerten können, ob das, was wir bereits machen, technologisch Sinn ergibt. Er hat mehrere Projekte initiiert, von denen die Bundesdruckerei profitieren konnte und die er auch zum Ausbau seiner eigenen Forschung genutzt hat. Das war eine Win-win-Situation“, so Paeschke. Margraf treibe moderne Themen und Technologien voran und setze damit auch die Bundesdruckerei unter einen gewissen Druck, sich mit Neuland beschäftigen zu müssen. Das sei immer eine gute Brücke gewesen, sagt Paeschke.

Auch Margrafs Fazit fällt positiv aus: „Wir haben eine Menge erreicht.“ Er habe mit seinem Team ein breites Forschungsspektrum aufgebaut. Drei Schwerpunktthemen hätten sich dabei ergeben: benutzbare Sicherheit und Datenschutz, die Postquantenkryptografie sowie als recht neues Thema die Kryptoanalyse mittels Quantencomputern. „Durch die Stiftungsprofessur hatten wir die Möglichkeit, an Themen zu arbeiten und vieles auszuprobieren, ohne uns gleich auf Projekte bewerben zu müssen. Die Bundesdruckerei hat uns viel Zeit gegeben, Themen aufzubauen. Das war eine sehr gute Zusammenarbeit“, freut sich Margraf. Sehr gut sei auch das Ziel erreicht worden, als Ansprechpartner für die Industrie da zu sein, um Forschungsthemen in die Wirtschaft zu tragen.

Zudem sei es gelungen, einige öffentliche Projekte gemeinsam mit der Bundesdruckerei einzuwerben. Dazu zählen Projekte rund um die Angriffserkennung mittels künstlicher Intelligenz, die Projekte OPTIMOS 2.0 und ONCE sowie weitere zur Postquantenkryptografie bei hoheitlichen Dokumenten. Auch Industrieprojekte hat Margraf maßgeblich unterstützt, etwa das Sicherheitskonzept der Verimi-Plattform oder das Bundesdruckerei-Produkt Bdrive.

Dieses Video wird über den Youtube-Kanal der Bundesdruckerei bereitgestellt. Weitere Informationen entnehmen Sie der Datenschutzerklärung.

Das Wort „Kryptographie“ kommt aus dem Alt-Griechischen und meint ursprünglich die Wissenschaft der Verschlüsselung von Informationen. Es ging und geht in der Kryptographie letztlich um die Sicherheit von Informationen. Informationen sollen so aufgebaut werden, dass sie gegen Manipulation und vor unbefugtem Lesen durch Dritte geschützt sind.

Stiftung und Finanzierung

Die Stiftung der Bundesdruckerei umfasste neben der Gastprofessur zudem die Finanzierung von Stellen für zwei wissenschaftliche Mitarbeiter, zwei studentische Hilfskräfte und einen Assistenten. „Die Arbeitsgruppe haben wir ausbauen können auf inzwischen 24 Mitarbeiter“, freut sich Margraf.

Die Stiftungsprofessur endete nun Ende März 2021 und wird über das Fraunhofer AISEC als Vollprofessur verstetigt. „Auch das zeigt, wie erfolgreich Margraf mit seiner Arbeit war“, so Paeschke. „Mir hat in dieser Gastprofessur vor allem die Forschung Spaß gemacht und ich habe besonders gern an Themen gearbeitet, die einen gesellschaftlichen Impact haben. Ohne diese Professur und die sehr partnerschaftliche und vertrauensvolle Beziehung zur Bundesdruckerei wäre das nicht möglich gewesen“, schaut Margraf zurück. Auch in Zukunft gibt es zwischen Margraf und der Bundesdruckerei enge Kontakte und gemeinsame Projekte.

Marian Margraf Portrait
Prof. Dr. Marian Margraf
Kurz-Vita
Prof. Dr.
Marian Margraf
Seit 2017
Zusätzlich Leitung der Abteilung Secure Systems Engineering des Fraunhofer AISEC
Seit 2014
Professor für „Identity Management“, FU Berlin bzw. Fraunhofer AISEC
Seit 2012
Professor für IT-Sicherheit und Theoretische Informatik an der Hochschule Darmstadt und wissenschaftlicher Projektleiter am Center for Advanced Security Research Darmstadt (CASED)
2008–2012
Bundesministerium des Innern (BMI), technischer Leiter des Projekts neuer Personalausweis
Bis 2008
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Referent im Bereich Kryptografie

Dritte Stiftungsprofessur an der TU Berlin im Rahmen des ECDF seit 2017

Die Stiftungsprofessur an der Technischen Universität Berlin wurde 2017 im Rahmen des Einstein Center Digital Future (ECDF) eingerichtet und mit Juniorprofessor Dr. Florian Tschorsch zum Thema „Distributed Security Infrastructures“ besetzt. In seiner Forschung beschäftigt er sich unter anderem mit anonymer Internetkommunikation und Blockchain-Technologien.

Nach drei von sechs Jahren Laufzeit zieht er ein erfreuliches Zwischenfazit: „Wir haben in etwas mehr als drei Jahren ein Kernteam von fünf Doktoranden aufgebaut und einige Drittmittel eingeworben. Gemeinsam haben wir sichtbare wissenschaftliche Ergebnisse in Form von Publikationen produziert, die wahrgenommen werden. Das freut mich natürlich sehr“, so Tschorsch. Auch aufseiten von Forschung und Lehre sieht die Bilanz positiv aus. Es sei gelungen, die eigenen Ergebnisse in Form von Gastvorträgen anderen Disziplinen näherzubringen. Es habe Ringvorlesungen gegeben, etwa zu den Themen Digital Future oder Internet und Privatheit. Trotz der coronabedingten Einschränkungen habe die Arbeit fortgeführt werden können.

Hocherfreulich ist für Tschorsch auch sein persönliches Zwischenfazit: „Für mich war und ist diese Juniorprofessur die richtige Entscheidung und ich fühle mich sehr wohl dabei, hier tätig zu sein“, betont er. „Die Arbeit macht sehr viel Spaß.“ Die Juniorprofessur sei ein Privileg und biete ihm die Freiheit, relevante Dinge tun zu dürfen, etwa die Digitalisierung interdisziplinär zu erforschen. „Innerhalb dieser Professur kann man Wände einreißen“, so Tschorsch.

 

Florian Tschorsch Portrait
Prof. Dr. Florian Tschorsch
Kurz-Vita
Prof. Dr.
Florian Tschorsch
Seit 2017
ECDF-Juniorprofessor für „Distributed Security Infrastructures“, TU Berlin
Juni 2016
Promotion (Dr. rer. nat.), Humboldt-Universität zu Berlin
2012–2017
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Technische Informatik, Humboldt-Universität zu Berlin
2011–2012
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Verteilte Systeme, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
2011
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Telematik, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
2011
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Dezentrale Netzwerke, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
2010
Master (M. Sc.) in Informatik, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
2009
Bachelor (B. Sc.) in Informatik, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

 

„Mit dieser Professur, die beim ECDF voll integriert ist, haben wir als Bundesdruckerei eine gute Brücke zu dem Institut bauen können“, freut sich Paeschke. Tschorsch habe mit seiner Expertise das Unternehmen gut dabei beraten können, die richtigen Technologien für die Zukunft auszuwählen, wie etwa das Thema Self-Sovereign Identity.

Blockchainbasierte Partizipationsplattform

Ein Projekt hebt Tschorsch besonders hervor: BBBlockchain. Im Rahmen dieses interdisziplinären Forschungsprojekts wurde eine blockchainbasierte Partizipationsplattform entwickelt, um mehr Transparenz und Mitsprache in der Stadtentwicklung – hier am Beispiel von Berlin – zu ermöglichen. Die Blockchain-Technologie sorgt dafür, dass Informationen nicht unbemerkt verändert werden können. Das führt zu Transparenz in der Kommunikation und zu mehr Vertrauen der Bürger in die Prozesse und beteiligten Partner. Das Projekt geht gerade in die zweite Phase und ist bereits für die nächsten zwei Jahre bewilligt. Ziel ist es, eine Software zu entwickeln, die unabhängig vom Know-how des aktuellen Projektteams und somit auch von anderen Städten und Kommunen genutzt werden kann.

Ein weiteres Anliegen von Tschorsch ist es, Desinformationen im Internet entgegenzuwirken. „Wir können Desinformation nicht grundsätzlich verhindern, da das Internet für alle offen ist und das auch so bleiben soll. Aber wir können verdeutlichen, wie Informationen sich im Netz weiterverbreiten, und wir können dazu anregen, Quellen solide und transparent zu zitieren“, so Tschorsch. Auch hierzu eignet sich die Blockchain-Technologie. „Dank dieser Technologie lassen sich Informationsketten abbilden und wir können nachvollziehen, wer wann welche Information verändert hat.“

Mit seinem Team hat Tschorsch die Plattform Webchain aufgebaut, die in erster Linie Medien ihre Arbeit erleichtern soll. Sie soll nun in einem interdisziplinären Projekt weitergeführt werden, um das sich Tschorsch aktuell gemeinsam mit der Bundesdruckerei und weiteren Partnern bewirbt. Im Rahmen ihrer Arbeit könnte die Bundesdruckerei etwa nach Lösungen dafür suchen, wie im Netz Identitätsnachweise unter Wahrung der Privatsphäre von Usern geschaffen werden können. „Damit kann die Bundesdruckerei einen klaren Beitrag zur digitalen Infrastruktur unter Berücksichtigung des Datenschutzes leisten“, so Tschorsch. Zu diesem Thema tauschen sich der Juniorprofessor und das Unternehmen intensiv aus.

 

"Wir haben noch viel Arbeit vor uns."

„Die Corona-Warn-App hat ja gezeigt, dass Datenschutz sehr wohl ein Designelement sein kann und die Lösung von den Nutzern dann auch angenommen wird. So weit waren wir vor ein paar Jahren noch nicht“, betont Tschorsch. Nun müsse es darum gehen, diesen Fortschritt auch bei anderen Projekten, wie beispielsweise der elektronischen Patientenakte, zu berücksichtigen. Bei diesem Thema sieht der Juniorprofessor noch viel Potenzial – aber auch noch viel Arbeit vor sich. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir bei solchen Projekten auch eine öffentliche Diskussion führen wie bei der Corona-Warn-App. Denn sensible Daten brauchen einen hohen Schutz.“ Wie wichtig die Arbeit der Wissenschaft sei, zeige sich aktuell in der Pandemie. „Umso mehr freue ich mich über das Wissenschaftsengagement der Bundesdruckerei“, so Tschorsch.

Vierte Stiftungsprofessur in den Startlöchern

Auch in Zukunft will die Bundesdruckerei in der Wissenschaft engagiert bleiben und stiftet deshalb seit April 2021 die nächste Professur. Sie wurde wieder an der FU Berlin eingerichtet und mit Prof. Dr. Gerhard Wunder besetzt. Auch die neue Professur „Cybersicherheit mit KI“ ist mit zwei wissenschaftlichen Mitarbeitenden, zwei Studierenden und einer Assistenzstelle ausgestattet. Inhaltlich wird sich diese Professur damit beschäftigen, Künstliche-Intelligenz-(KI-)Technologien für die Cybersicherheit zu erforschen. Dabei geht es laut Paeschke um mathematisch nachvollziehbare, beweisbare KI zur Erhöhung der Cybersicherheit – im engen Schulterschluss mit anderen Einrichtungen, wie etwa dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Wunder ist Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und war der erste Nachrichtentechniker überhaupt, der diese äußerst renommierte Auszeichnung erhielt. An der FU Berlin hat er bereits die Tür aufgestoßen, um die Themen KI und Cybersicherheit mit informationstheoretischen Grundlagen und anwendungsnahen Fragen zu verbinden. Diese Arbeit will er nun in der Stiftungsprofessur fortführen.

„Für mich ist diese Professur ein Glücksfall“, freut sich Wunder. „Ich habe hier die Chance, Themen, die ich frühzeitig angestoßen habe, nachhaltig zu platzieren.“ Dabei liege der Fokus ganz klar auf der KI, es gehe aber auch um Themen wie Datenschutz, Smarthome, die nächste Mobilfunkgeneration 6G, das Internet der Dinge und die „Fake News“-Erkennung. Der Bedarf sei groß, Grundlagen der KI im Kontext der Sicherheit zu erforschen und für Anwendungen verfügbar zu machen. Das sei bislang weder an der FU Berlin noch national etabliert, werde aber in Zukunft sehr wichtig werden. Wunder wird bereits ab Sommer 2021 auch Vorlesungen dazu anbieten.

Insbesondere freue er sich auf das geplante Zusammenspiel mit der Bundesdruckerei, der FU Berlin, dem Fraunhofer AISEC und auch dem neuen Dahlem Zentrum für Interdisziplinäre Privatsphären- und Sicherheitsforschung (DIPS). Das DIPS ist ein sehr breit aufgestelltes Institut für Informatik an der FU Berlin, wo alle Aspekte von Informationssicherheit und Datenschutz ganzheitlich betrachtet werden. Wunder legt viel Wert auf diese Interdisziplinarität. So ist er unter anderem auch bei der DFG in zwei interdisziplinären Schwerpunktprogrammen zu mathematischen Datenstrukturen in der KI und zur Sicherheit in cyberphysikalischen Systemen engagiert.

 

Gerhard Wunderlich Portrait
Prof. Dr. Gerhard Wunder
Kurz-Vita
Prof. Dr.
Gerhard Wunder
Seit 2021
Professor für „Cybersicherheit mit KI“, FU Berlin
2016–2020
Professor, Heisenberg Fellow Information Theory for Cybersecurity and Machine Learning, Heisenberg CIT Group, FU Berlin
2017
Nominierung „Deutscher Zukunftspreis 2017“ zusammen mit Dr. Andreas Müller (Bosch) und Prof. Dr. Christof Paar (Ruhr-Universität Bochum) für Arbeiten zur informationstheoretischen Sicherheit
2009–2015
Fraunhofer-HHI, u. a. Koordinator der vielfach ausgezeichneten Projekte 5G NOW (EU) und PROPHYLAXE (Bundesministerium für Bildung und Forschung, BMBF)

Viele weitere wissenschaftliche Kooperationen

Die Bundesdruckerei investiert nicht nur in Stiftungsprofessuren als Aushängeschild des wissenschaftlichen Engagements des Unternehmens, sondern betreibt ein großes Forschungsnetzwerk. Dazu zählt seit vielen Jahren die Zusammenarbeit mit den Fraunhofer-Instituten in Berlin und Brandenburg, aber es gibt auch mehrere Innovationspartnerschaften, etwa mit dem etablierten CERN in Genf, dem Hasso-Plattner-Institut in Potsdam oder der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin. Zudem unterstützt das Unternehmen diverse Gremien und Verbände, etwa den Verband Sichere Digitale Identität e. V. (VSDI). Dazu Paeschke: „Unser Anliegen ist es, ganz viele Player im Markt breit zu beteiligen. Das ist eine neue Form der Zusammenarbeit, von der alle Beteiligten profitieren können, und sorgt für ein exponentielles Wachstum unseres Netzwerks. Mit dieser Arbeit tragen wir sehr dazu bei, im Rahmen unserer Möglichkeiten als mittelständisches Unternehmen als führender Sicherheitskonzern in Deutschland zu gelten.“ 

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