Digitale Identitäten: wie eine europäische Vision zur Realität wird

Am 16. Juni 2021 fand der 19. cybersec.lunch der Bundesdruckerei und des Berliner Tagesspiegels statt.

Am 3. Juni stellte die EU-Kommission ihre Pläne für eine einheitliche europäische digitale Identität und damit den Entwurf einer neuen eIDAS-Verordnung vor. Die neue europäische digitale Identität soll sich aus den einzelnen nationalen elektronischen Identitäten zusammensetzen. Auf den nationalen Lösungen sollen digitale Brieftaschen in Smartphones aufsetzen, sogenannte Wallets. Welche Anreize braucht es, damit mehr Menschen dieses Ökosystem nutzen? Wie lässt sich die Kompatibilität der verschiedenen Lösungen innerhalb der EU sicherstellen? Und wie passen die Pläne der europäischen Kommission zu den Projekten auf nationaler Ebene?

Über diese und weitere Fragen diskutierten Lorena Boix Alonso, Direktorin für Digitale Gesellschaft, Vertrauen und Cybersicherheit bei der DG CONNECT, EU-Kommission, und Dr. Markus Richter,  Staatssekretär im Bundesinnenministerium und Bundes-CIO, zusammen mit der Forscherin beim Digital Society Institute (DSI), Isabel Skierka.

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Am 16. Juni 2021 fand der 19. cybersec.lunch der Bundesdruckerei und des Berliner Tagesspiegels statt.

Bei seiner Begrüßung verwies Dr. Stefan Hofschen, CEO der Bundesdruckerei Gruppe GmbH, auf die Aktualität des Themas und sagte, dass digitale Identitäten nutzerfreundlich, vertrauenswürdig und wirtschaftlich sein müssen, um erfolgreich zu sein.

Lorena Boix Alonso skizzierte anschließend die europäische Perspektive auf das Thema. Durch die aktuelle Pandemie habe sich die Nachfrage nach eID Lösungen stark erhöht. Die Bürger würden Lösungen bevorzugen, die ihnen Datenschutz und ein hohes Maß an Sicherheit bieten und sich zudem grenzüberschreitend einsetzen lassen. Eine staatliche eID habe Wettbewerbsvorteile gegenüber privaten Identitätsanbietern: „Unser Angebot kann etwas bieten, was andere nicht können: Es ist durch den Staat abgesichert“.

Dr. Markus Richter stellte in seinem Statement die nationale Perspektive in den Mittelpunkt und stellte einige Projekte der Bundesregierung im Bereich der digitalen Identitäten vor. Es sei in Deutschland in den letzten Jahren viel passiert. Mit der Ausweis-App, der geplanten Smart-eID sowie dem Pilotvorhaben für ein mögliches „Self-Sovereign-Identity“-Identitätsökosystem wurden bereits Schritte zu einer höheren Nutzerfreundlichkeit gemacht. Allerdings ist er sich sicher: „Wir müssen gemeinsam einen europäischen Ansatz verfolgen."

In der anschließenden Diskussion herrschte in vielen Punkten Einigkeit. Es brauche mehr Anwendungsfälle in der Verwaltung und insbesondere im privaten Sektor, um einer staatlichen digitalen Identität zu mehr Akzeptanz zu verhelfen und die Nutzung zu erhöhen.

Über den cybersec.lunch

Der cybersec.lunch ist ein regelmäßiges Format des Tagesspiegels, unterstützt von der Bundesdruckerei. In nur einer Mittagspause kommen zahlreiche Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen und besprechen drängende Fragen der Digitalisierung. Das Konzept: zwei bis drei Gastredner stellen zunächst kurz ihre Sicht zum jeweiligen Thema des cybersec.lunch vor und diskutieren dann gemeinsam mit den Teilnehmern.