Digitale Identitäten: Wem gehört unser "digitales Ich"?

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Am 17. Dezember 2019 lud die Bundesdruckerei gemeinsam mit dem Tagesspiegel zum 14. cybersec.lunch ein.

Rund 120 Teilnehmer diskutierten gemeinsam mit Thomas Jarzombek, Mitglied des Deutschen Bundestages und Beauftragter des BMWi für die Digitale Wirtschaft und Start-ups, und Dr. Stefan Hofschen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesdruckerei GmbH, über die Bedeutung von sicheren digitalen Identitäten. Moderiert wurde die Veranstaltung von Stephan-Andreas Casdorff, dem Herausgeber des Tagesspiegels.

Am 17. Dezember 2019 fand der 14. cybersec.lunch von Bundesdruckerei und Berliner Tagesspiegel statt. Die Veranstaltung widmete sich diesmal dem Thema “Digitale Identitäten: Wem gehört unser digitales Ich?”.

In seinem Eröffnungsstatement skizzierte Dr. Stefan Hofschen seine Vision über sichere digitalen Identitäten: Der Staat sollte die Bürger mit einer hoheitlichen digitalen Identität ausrüsten. Nur das wird die Sicherheit bieten, die wir aus der analogen Welt kennen. Viele Online-Dienste verwenden unsichere Authentifizierungsmethoden, so dass man sich nicht sicher sein kann, wer einem in der digitalen Welt gegenübersteht. Daher muss es eine staatliche Aufgabe sein, eine Alternative zu schaffen, die einfach, nutzerfreundlich und wirtschaftlich ist und gleichzeitig eine hohe Reichweite erlangen kann.

Thomas Jarzombek stimmte zu: Der Staat darf sich die Authentifizierungsfunktion nicht aus der Hand nehmen lassen. Nutzerfreundlichkeit, bzw. Usability, ist der Schlüssel zum Erfolg, um Mängel, wie die fehlende Anwendung der eID-Funktion zu beseitigen. Der Staat kann nicht jeden Teil einer funktionsfähigen Lösung alleine anbieten, aber die Bedingungen für erfolgreiche Modelle schaffen. Das von den Steuerverwaltungen angewandte ELSTER Projekt sieht er als gutes Beispiel. Jarzombek wies auf den Beschluss des CDU-Bundesparteitages hin, der eine staatlich geschaffene Schnittstelle befürwortet, auf der Anwendungen und Dienste von anderen Akteuren angeboten werden können. Außerdem ist er der Überzeugung, dass eine Gesetzesänderung es den Bürgern ermöglichen sollte, sich mit dem elektronischen Personalausweis bei jeder Authentifizierung im Netz auszuweisen, egal um welche Dienstleistung es sich handelt. Außerdem könne der Personalausweis andere Karten wie z. B. die Gesundheitskarte und die Bahncard überflüssig machen.

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Thomas Jarzombek (CDU), Mitglied des Deutschen Bundestages (links), Dr. Stefan Hofschen, CEO der Bundesdruckerei GmbH (mitte) und Stephan-Andreas Casdorff, Herausgeber des Tagesspiegels (rechts). © Bundesdruckerei

In der anschließenden Diskussion betonte Dr. Hofschen: Das Ziel ist nicht, die großen Plattformanbieter aus dem Markt der digitalen Identitäten zu verbannen, sondern eine Basis für eine neutrale Alternative zu schaffen. Der Staat muss seiner Rolle nachkommen ein vertrauenswürdiges Angebot für die Bürger bereit zu stellen. Jarzombek betonte: Es erfordert Mut vom Staat darauf zu hoffen, dass die angebotene Schnittstelle genutzt wird und die Lösungen von den Marktteilnehmern auch programmiert werden. Deswegen muss der geplante gesetzliche Rahmen auch die Chancengleichheit sichern.

Aus dem Publikum gab es Kritik gegenüber der veralteten Logik der Regulierung, insbesondere der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und der geplanten ePrivacy-Verordnung. Die neuen Paradigmen der digitalen Welt sollten sowohl im Prozess der Gesetzgebung als auch in den Koordinierungsstrukturen der Digitalpolitik innerhalb der Bundesregierung wiederspiegelt werden.

Der cybersec.lunch ist ein regelmäßiges Format des Tagesspiegels, unterstützt von der Bundesdruckerei. In nur einer Mittagspause kommen zahlreiche Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen und besprechen drängende Fragen der Digitalisierung. Das Konzept: Zwei bis drei Gastredner stellen zunächst kurz ihre Sicht zum jeweiligen Thema des cybersec.lunch vor und diskutieren dann gemeinsam mit den Teilnehmern.

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