cybersec.lunch#11 von Tagesspiegel und Bundesdruckerei

cybersec.lunch#11 von Tagesspiegel und Bundesdruckerei

Kaum ein Thema wird im Zuge der Digitalisierung des Gesundheitswesens so intensiv diskutiert wie die elektronische Patientenakte. Für die Bundesdruckerei und den Tagesspiegel war dies Grund genug, mehr als 100 Teilnehmer zur Veranstaltung cybersec.lunch#11 zusammenzubringen und über das Thema „Digitale Patientenakte – Was geschieht mit den elektronischen Gesundheitsdaten?“ zu diskutieren.

Digitale Patientenakte – Was geschieht mit den elektronischen Gesundheitsdaten?

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens stand im Fokus des cybersec.lunch#11, der am 28. Februar 2019 stattfand. Im Besonderen standen hier Fragen zur elektronischen Patientenakte (ePA) und der damit verbundenen Datensouveränität der Versicherten zur Diskussion.

Welche (Basis-)Daten sollen in der ePA gespeichert werden? Welche Sicherheitsvorkehrungen müssen getroffen werden und wer überwacht und garantiert die Datensicherheit? Wer verwaltet und kontrolliert die ePA? Wer erhält Zugriff auf die medizinischen Daten? Wie kann ein verschlüsselter Datenaustausch gewährleistet werden und wie können die Gesundheitsdaten von der medizinischen Forschung genutzt und ausgewertet werden?

Dr. Stefan Hofschen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesdruckerei, machte in seinem Eröffnungsstatement deutlich, dass die Digitalisierung die Versorgung der Patienten enorm verbessern kann. Mit Jens Spahn habe man nun einen Gesundheitsminister, der sich dieses Thema auf die Fahnen geschrieben hat. Insbesondere mit Blick auf die ePA gäbe es eine ganz neue Dynamik. Eine wesentliche Herausforderung sei die Frage, wie Gesundheitsdaten für die Forschung und Diagnostik zugänglich gemacht werden können.

Das deutsche Gesundheitswesen wird in der digitalisierten Welt ‚kein gallisches Dorf‘ bleiben.
Christian Klose
Bundesministerium für Gesundheit (BMG)

Dass das Gesundheitswesen in einer digitalisierten Welt kein „gallisches Dorf“ sei, welches vom digitalen Fortschritt unberührt bleibe, machte Christian Klose, Ständiger Vertreter der Abteilung 5 „Digitalisierung und Innovation“ im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), deutlich. Dabei verwies er deutlich auf zwei Änderungen im geplanten Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG). Diese sind Grundlage, um die Einführung der elektronischen Patientenakte zu beschleunigen, die bis zum Jahr 2021 für die Versicherten zur Verfügung gestellt werden soll. So soll die Gematik zu 51 Prozent durch das BMG übernommen werden. Zudem müssen gesetzliche Krankenkassen mit Sanktionen rechnen, wenn sie ihre Versicherten bis 2021 keine ePA bereitstellen.

Ebenso verwies er auf das Ziel einer forschungskompatiblen ePA, welche bis zum Jahr 2025 vorliegen soll.

Prof. Dr. Erwin Böttinger, Head of Digital Health Center am Hasso-Plattner-Institut, unterstrich, dass der Diskurs über die elektronische Patientenakte mehr Fortschrittsoptimismus bedürfe. Das Gesundheitswesen stehe im Vergleich zu anderen Branchen erst ganz am Anfang des Digitalisierungsprozesses. Um auch international aufzuschließen, müsse mehr über die Vorteile als über die Risiken der elektronischen Patientenakte gesprochen werden. Hundertprozentige Sicherheit gegen Hackerangriffe gäbe es nicht, aber das Risiko sei im Vergleich zum enormen Nutzen hinnehmbar.

In der anschließenden Diskussion betonte Professor Böttinger, dass ein sehr großes Potenzial der elektronischen Patientenakte im Bereich der Prävention bestehe: Es gehe darum, die Daten so zu nutzen, dass Krankheiten erkannt werden, bevor sie ausbrechen.

Wir wollen kein Gesundheitssystem, das nur auf das Auftreten von Krankheiten wartet.
Prof. Dr. Erwin Böttinger
Hasso-Plattner-Institut

Christian Klose erachtete dabei letztlich auch die Bereitschaft der Patienten zur Auseinandersetzung mit den eigenen Gesundheitsdaten als notwendigen Schritt. Die elektronische Patientenakte soll zudem Schnittstellen für weitere Apps anbieten, sodass Gesundheitsdaten, die der Patient generiert, grundsätzlich in etwaige Analysen einfließen können.

Moderiert wurde die Diskussion von Ingo Bach, Chefredakteur der Tagesspiegel-Gesundheitsprojekte.

 

Der cybersec.lunch ist ein regelmäßiges Format des Tagesspiegels, unterstützt von der Bundesdruckerei. In nur einer Mittagspause kommen zahlreiche Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen und besprechen drängende Fragen der Digitalisierung. Das Konzept: Zwei bis drei Gastredner stellen zunächst kurz ihre Sicht zum jeweiligen Thema des cybersec.lunch vor und diskutieren dann gemeinsam mit den Teilnehmern.

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