Datenteilen leicht gemacht: Mit Datenmittlern und Datentreuhändern zum Erfolg?

Am 3. März 2021 fand der 18. cybersec.lunch der Bundesdruckerei und des Berliner Tagesspiegels statt.

Daten sind eine der wichtigsten Ressourcen des 21. Jahrhunderts und der Zugang zu ihnen dementsprechend wertvoll. Zurzeit liegen viele Daten, und damit die Kontrolle über sie, bei wenigen großen Plattformen. Die EU-Kommission und die Bundesregierung möchten diesen Zustand nun beenden. Dabei sollen sogenannte Datenintermediäre oder Datenmittler als Vermittler den Austausch von Daten zwischen verschiedenen Akteuren vereinfachen und fördern. Doch wie lässt sich ein hoher Datenschutzstandard gewährleisten? Wer kontrolliert die Datentreuhänder/ Datenmittler? Wie funktioniert das Geschäftsmodell hinter Datenmittlern nach der Data-Governance-Verordnung? Und wie stellt sich die Bundesregierung ein Geschäftsmodell hinter Datentreuhändern vor?

Über diese und andere Fragen diskutierten Dr. Malte Beyer-Katzenberger, Teamleiter Datenpolitik und -innovation, Europäische Kommission und Elvan Korkmaz-Emre, MdB, stellvertretende digitalpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion. Daneben gab es Impulsvorträge des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Prof. Ulrich Kelber und vom Geschäftsführer des Verbands der TÜV e.V., Dr. Joachim Bühler.

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Am 3. März 2021 fand der 18. cybersec.lunch der Bundesdruckerei und des Berliner Tagesspiegels statt.

Zur Einleitung betonte Patrick von Braunmühl, Leiter Public Affairs der Bundesdruckerei, die Aktualität des Themas. Erst vor einer Woche wurde die Datenstrategie der Bundesregierung im Deutschen Bundestag diskutiert.  Diese soll die Nutzung und das Teilen von Daten vereinfachen. Auch die EU hat erst vor kurzem mit dem Data Governance Act Vorschläge für eine gesetzliche Grundlage für Datentreuhänder und Datenintermediäre gemacht. Diese stellen strenge Anforderungen an die Unabhängigkeit solcher Treuhänder. 

In seinem Eingangsstatement verdeutlichte Malte Bayer-Katzenberger anschließend den Wert von Daten. Er betonte, dass es nicht nur um Personendaten, sondern auch um Industriedaten geht. Freiwilliges teilen von Daten sollte erleichtert werden. Eine Grundvoraussetzung sei die Schaffung von Vertrauen ins Datenteilen. Viele Akteure würden dem Prinzip des Teilens von Daten noch skeptisch gegenüberstehen, da sie kein Vertrauen haben, dass die Daten bestimmungsgemäß verwendet werden oder nicht wissen, wie sie an der Wertschöpfung durch Daten teilhaben können. Mit dem Data Governance Act versucht die EU-Kommission Vertrauen zu schaffen.

Auch Elvan Korkmaz-Emre griff in ihrem Statement den Nutzen von Daten auf. Sie vertrete die Meinung, dass „Daten Leben verbessern“ können. Sie fordere in diesem Zusammenhang „eine Kultur des Datennutzens und des Datenteilens.“ Dabei nannte sie neben den Chancen auch Risiken der Datennutzung. Die DSGVO biete dabei eine gute Grundlage den Risiken zu begegnen, da das „Datenschutzrecht dynamisch und nicht innovationsfeindlich“ sei. In der Datenstrategie der Bundesregierung sei ein vernünftiger Dreiklang gefunden worden „Wir wollen die Daten innovativ, verantwortungsvoll und gemeinwohlorientiert nutzen.“

Auf die Frage, welche konkreten Vorteile sich durch das Teilen von Daten für Unternehmen und Bürger ergeben, hob Bayer-Katzenberger zum einen die Möglichkeit von Effizienzgewinnen und Innovationen für die Unternehmen hervor. Daneben könnten datengetriebene Dienste in der Zukunft auch Einsparungspotenziale für Verbraucher bieten.

Aus der Sicht von Korkmaz-Emre brauche es allerdings einen Kulturwandel in den Köpfen weg von den Risiken hin zu mehr Offenheit beim Thema Datenteilen. Die Diskussion um Datentreuhänder sei dabei ein wichtiger Beitrag, um Vertrauen zu schaffen und diesen Kulturwandel zu unterstützen. Ein starker Datenschutz kann hier ein Ermöglicher sein.

Im ersten Impulsvortrag äußerte sich der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Ulrich Kelber, aus seiner Sicht zu Datentreuhänderkonzepten. Er verwies auf die unklare Definition. Es gebe viele zum Teil sehr unterschiedliche Konzepte. Er „habe als BfDI einem konkreten (Datentreuhänder-)Modell seinen Segen gegeben. Dem Forschungsdatenzentrum im Gesundheitsbereich. Dort ging es ausschließlich um die Verwaltung von Gesundheitsdaten auf Grundlage der Einwilligung von Betroffenen primär zu Forschungszwecken.“ Generell forderte er Fragen des Datenschutzes immer mitzudenken.

Anschließend forderte der Geschäftsführer des Verbands der TÜV e.V., Dr. Joachim Bühler, eine stärkere Differenzierung nach der Art der Daten: „Es muss eine regulatorische Unterscheidung je nach Datentyp geben – manche Daten sind schlichtweg sensibler als andere.“

Insgesamt war man sich einig, dass Vertrauen in die richtige Nutzung und den Schutz der Daten eine wichtige Voraussetzung ist, um die Teilung zu ermöglichen. Dazu müssten Institutionen, wie etwa Datenmittler, geschaffen werden, die das Interesse des einzelnen vor das Interesse an der Datenverarbeitung stellen. Korkmarz-Emre sagte dazu: „Wir müssen uns von der Monetarisierung der Daten verabschieden.“

 

Über den cybersec.lunch

Der cybersec.lunch ist ein regelmäßiges Format des Tagesspiegels, unterstützt von der Bundesdruckerei. In nur einer Mittagspause kommen zahlreiche Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen und besprechen drängende Fragen der Digitalisierung. Das Konzept: zwei bis drei Gastredner stellen zunächst kurz ihre Sicht zum jeweiligen Thema des cybersec.lunch vor und diskutieren dann gemeinsam mit den Teilnehmern.