Richtig oder falsch: Datenschutz und Datenethik im Spannungsfeld zwischen globalem Wettbewerb und Menschenwürde

Am 10. September 2020 fand der 16. cybersec.lunch von der Bundesdruckerei und dem Berliner Tagesspiegel statt.

Dass sich mit Nutzerdaten Geld machen lässt, hat sich inzwischen nicht nur bei Betreibern von Online-Shops und Social-Media-Plattformen herumgesprochen. Auch Politik und Gesellschaft wissen um den Wert personenbezogener Informationen. Kein Wunder also, dass die Verwendung dieser Daten dringende Fragen der Datenethik aufwirft.

Wie weit diese Fragen reichen, wurde bei der 16. Ausgabe des cybersec.lunch deutlich – der nun bereits zum zweiten Mal virtuell stattfand. Moderiert von Stephan-Andreas Casdorff, dem Herausgeber des Tagesspiegels, diskutierten Björn Böhning, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, und Simone Kaiser, stellvertretende Leiterin im Forschungsbereich Responsible Research and Innovation des Fraunhofer IAO, über die ethischen Grundsätze datenbasierter Technologien. Zudem bereicherten Dr. Kristin Shi-Kupfer, Forschungsleiterin Politik und Gesellschaft des MERICS Lab und Carsten Knauer, Leiter Sektion Logistik beim Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. die Debatte mit kurzen Video-Statements.

Björn Böhning und Simone Kaiser beim cybersec.lunch #16

Björn Böhning, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, und Simone Kaiser, stellvertretende Leiterin im Forschungsbereich Responsible Research and Innovation des Fraunhofer IAO im Gespräch über Datenethik.

Patrick von Braunmühl, Leiter Public Affairs der Bundesdruckerei, begrüßte die Gäste vor Ort und verdeutlichte, wie wichtig eine breite gesellschaftliche Diskussion über ethische und datenschutzrechtliche Fragen vor dem Hintergrund großer digitalpolitischer Projekte wie der Registermodernisierung oder der elektronischen Patientenakte sind.

Wettbewerbsvorteil mit datensicheren Anwendungen

Für eine frühe und umfassende Debatte über einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten plädierte auch Simone Kaiser. Am Ende sei dies aber nicht ausschließlich regulatorisch zu lösen, denn oftmals stelle sich die Frage, ob das aktuelle rechtliche Regelwerk dem hohen Tempo technologischer Innovation angemessen sei. Es brauche vielmehr eine neue Form der digitalen Verantwortung von Akteuren in Politik und Verwaltung, aber besonders auch bei Entwicklern in Wirtschaft und Wissenschaft. Kaiser schlug vor, ethische Anforderungen an technologische Entwicklungen vielmehr als positive Herausforderung und Innovationsmotor zu verstehen. Gerade im B2B-Sektor seien datensichere Anwendungen und Produkte ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Am 10. September 2020 fand der 16. cybersec.lunch von der Bundesdruckerei und dem Berliner Tagesspiegel statt – diesmal zum Thema Datenethik.

Vertrauen in digitale Technologien durch Datenschutz und Datenethik

Datenschutz und Datenethik könnten, so betonte Staatssekretär Björn Böhning, dazu beitragen, das Vertrauen in digitale Technologien zu steigern und somit auch den Erfolg des europäischen Daten- und Digitalmodells zu unterstützen. Um ein solches Vertrauen zu schaffen, könnte ein Prüfsystem zur Zertifizierung von datenbasierten Diensten oder Produkten sinnvoll sein. Eine solche Prüfung könnte auf Basis verschiedener Risikostufen erfolgen, je nachdem, wie sensibel die Anwendungsfälle sind. Gerade im Berufsalltag zeige sich, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit sensiblen Daten sei. Künstliche Intelligenz könne einerseits etwa durch die Analyse großer Datenmengen einen wichtigen Beitrag zur Arbeitssicherheit leisten, sei aber auch immer mit Fragen der Diskriminierungsfreiheit oder ähnlichen Risiken verbunden. Umso wichtiger sei es, so Böhning, dass Arbeitnehmer aktiv in die Nutzung ihrer Daten einwilligen und umfassend in Entscheidungsprozesse rund um den Einsatz von KI-Systemen eingebunden würden.

Mehr Rationalität in der digitalpolitischen Debatte

Aus der Diskussion wurde eines deutlich: Die übliche Gegenüberstellung von Datenschutz und Innovation ist aus Sicht der Diskussionsgäste nicht zielführend. In diesem Sinne erhoffe sich Staatssekretär Björn Böhning in einigen Bereichen zukünftig mehr Rationalität in der digitalpolitischen Debatte. Simone Kaiser forderte, den Gestaltungsspielraum von KI-Systemen stärker in den Vordergrund zu stellen und mehr Mut zu kontroversen und iterativen Diskussions- und Entwicklungsprozessen zu zeigen. Ein aktuelles Digitalprojekt könne hier als positives Beispiel dienen: Die Corona-Warn-App.

Über den cybersec.lunch

Der cybersec.lunch ist ein regelmäßiges Format des Tagesspiegels, unterstützt von der Bundesdruckerei. In nur einer Mittagspause kommen zahlreiche Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen und besprechen drängende Fragen der Digitalisierung. Das Konzept: zwei bis drei Gastredner stellen zunächst kurz ihre Sicht zum jeweiligen Thema des cybersec.lunch vor und diskutieren dann gemeinsam mit den Teilnehmern.