Digitallösungen in Zeiten der Coronakrise

Am 22. Juni 2020 fand der 15. cybersec.lunch von der Bundesdruckerei und dem Berliner Tagesspiegel statt.

Wie kann das Infektionsgeschehen durch digitale Lösungen eingegrenzt werden und welche Rolle spielt der Datenschutz dabei? Gemeinsam mit Maja Smoltczyk, Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit und Dr. Jens Zimmermann, Mitglied des Deutschen Bundestages und digitalpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, wurde das Thema „Mit Apps zurück in die Normalität? Digitallösungen in Zeiten der Coronakrise“ diskutiert. Moderiert wurde der cybersec.lunch von Stephan-Andreas Casdorff, dem Herausgeber des Tagesspiegels.

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v.l.: Maja Smoltczyk (Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit), Moderator Patrick von Braunmühl, Dr. Jens Zimmermann (Mitglied des Deutschen Bundestages und digitalpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion)

Nach einer Begrüßung durch Patrick von Braunmühl, Leiter Public Affairs bei der Bundesdruckerei, ging es vor allem um die Corona-Warn-App der Bundesregierung. Für Maja Smoltczyk ist die Tracking-App ein gutes Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Entwicklern, Wissenschaft und Politik. Durch die Möglichkeit des offenen Quellcodes und der dezentralen Technik sei es gelungen, datenschutzrechtliche Bedenken aus dem Weg zu räumen und so eine größere Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen. Vorstellbar sei nun auch ein Gesetz, das den Einsatz der App spezifiziert, da die Nutzung auch weiterhin freiwillig bleiben müsse.

Am 22. Juni 2020 fand der 15. cybersec.lunch von Bundesdruckerei und Berliner Tagesspiegel statt. Die Veranstaltung widmete sich diesmal dem Thema “Mit Apps zurück in die Normalität? Digitallösungen in Zeiten der Coronakrise“.

Auch Dr. Jens Zimmermann bewertete die App sehr positiv und zog einen internationalen Vergleich. Ähnliche Tracking-Apps seien in anderen Ländern zwar schneller entwickelt worden, hätten dann aber technische Mängel aufgewiesen und seien auch deswegen auf wenig Akzeptanz in der Bevölkerung gestoßen. Gleichzeitig betonte Zimmermann die europäische Dimension. Zukünftig sei es wichtig, die verschiedenen App-Varianten in der Europäischen Union miteinander kompatibel zu machen, um eine grenzüberschreitende Nutzung zu ermöglichen. In Deutschland sei es zudem aktuell nicht für jeden möglich, die App herunterzuladen, da nicht jeder ein Mobiltelefon mit aktuellem Betriebssystem habe. Insofern wäre der Einsatz alternativer Technologien für die Kontaktverfolgung ein möglicher Weg: „Ich könnte mir sehr gut vorstellen, wenn es technisch möglich ist, dass wir Bluetooth-Devices in Form von Schlüsselanhängern entwickeln.“

Aufgrund der Corona-Pandemie fand das Event zum ersten Mal digital statt. Die Zuschauer konnten online mitdiskutieren und ihre Fragen an den Moderator senden. Zudem gaben Prof. Dr. Steffen Augsberg (Mitglied im Deutschen Ethikrat), Prof. Dr. Hannes Federrath (Präsident der Gesellschaft für Informatik), Klaus Müller (Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands) und Prof. Dr. Judith Simon (Mitglied im Deutschen Ethikrat) per Video-Schalte weitere Impulse für die Diskussion.

Der cybersec.lunch ist ein regelmäßiges Format des Tagesspiegels, unterstützt von der Bundesdruckerei. In nur einer Mittagspause kommen zahlreiche Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen und besprechen drängende Fragen der Digitalisierung. Das Konzept: Zwei bis drei Gastredner stellen zunächst kurz ihre Sicht zum jeweiligen Thema des cybersec.lunch vor und diskutieren dann gemeinsam mit den Teilnehmern.